Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Bildung

Eltern und Land streiten über Gesamtschulen

27.02.2009 | 16:05 Uhr
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen

Düsseldorf. In NRW ist ein neuer Streit um die Gesamtschulen entbrannt. Während die Landesregierung von sinkender Nachfrage berichtet, sind die Anmeldezahlen laut Landeselternrat deutlich gestiegen. Eltern und Schulleiter werfen Schulministerin Sommer eine Politik gegen Gesamtschulen vor.

Die Landesregierung hat Kritik von Eltern und Schulleitern an ihrer Gesamtschulpolitik zurückgewiesen. Die Anmeldezahlen an den Gesamtschulen seien rückläufig, teilte das Schulministerium am Freitag in Düsseldorf mit. Dies sei eine Folge des demografischen Wandels. Auch die Zahl der Kinder, die an den Gesamtschulen nicht aufgenommen werden können, sinke um rund 800 - das entspreche einem Rückgang um rund fünf Prozent. «Der be­stehende Anmeldeüberhang an den Gesamtschulen ist zudem kein neues Phänomen», hieß es.

Bei den Anmeldezahlen für das Schuljahr 2009/2010 erhöhte sich der Zulauf zur Gesamtschule im Vergleich zu den anderen Schulformen noch einmal, sagte hingegen die Vorsitzende des Landeselternrats der Gesamtschulen, Anette Plümpe. Obwohl knapp 25 Prozent der Schüler von der Grund- an die Gesamtschule wechseln wollten, bleibe 14 630 von 43 738 angemeldeten Kindern der Weg in die Gesamtschule aber versperrt. Gegenüber dem Vorjahr sei die Anmeldequote für die Schulform von 24,3 auf 24,7 Prozent gestiegen.

"Zu wenige Gesamtschulen in NRW"

Weist die Vorwürfe zurück: NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU). Foto: ddp

In den Kreisen Kleve, Neuss, Viersen, Wesel, Rhein-Sieg, Siegen, Soest und Warendorf seien mehr Kinder abgelehnt als zur Gesamtschule zugelassen worden. Es gebe einfach zu wenige Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen, sagte Dagmar Naegele von der Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen. Die schwarz-gelbe Landesregierung behindere vielerorts aus politischen Gründen Elterninitiativen zur Gründung neuer Gesamtschulen.

Mit ihrem flexiblen Ganztagsangebot und dem Verzicht auf die verkürzte Abiturzeit seien die Gesamtschulen für viele Eltern und Schüler eine attraktive Alternative zum mehrgliedrigen Schulsystem und zum herkömmlichen Gymnasium, hieß es.

Schulministerin Barbara Sommer (CDU) wies den Vorwurf zurück, die Regierung betreibe eine Politik gegen die Gesamtschulen. «Die Gesamtschulen sind ein fester Bestandteil des gegliederten Schulsystems», betonte sie. Die Vorwürfe der Gesamtschulverbände seien unsinnig. «Anträge auf die Genehmigung von Gesamtschulen werden von uns wie bei jeder anderen Schulform auch nach Recht und Gesetz geprüft. Wenn die Kriterien erfüllt sind, werden auch neue Gesamtschulen genehmigt», sagte Sommer.

Der Verband Bildung und Erziehung forderte politische Konsequenzen. «Die Landesregierung ist aufgefordert, das umzusetzen, was sie immer predigt, nämlich den Elternwillen ernst zu nehmen», sagte VBE-Landeschef Udo Beckmann. Das bedeute «eine Anpassung des Angebots an Gesamtschulplätzen an die steigende Nachfrage».

Auch die SPD-Bildungsexpertin Ute Schäfer forderte ein Ende der «Knebelpolitik» des Landes. Sie begrüßte zugleich ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln, das für die Gründung einer vierten Gesamtschule in Bonn nun grünes Licht gegeben habe. Die Restriktionen zur Gründung von Gesamtschulen müssten landesweit aufgehoben werden, forderte die SPD-Abgeordnete.

Es seien tatsächlich sogar nur sechs Städten in Nordrhein-Westfalen, die derzeit Anträge auf eine Neugründung einer Gesamtschule laufen hätten, sagte der CDU-Schulpolitiker Klaus Kaiser. «Das ist wahrhaftig keine Massenbewegung», fügte er hinzu. (ddp)

Mehr zum Thema:

DerWesten

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
07.07.2009
09:27
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von taxpit | #24

Mit ihrem flexiblen Ganztagsangebot und dem Verzicht auf die verkürzte Abiturzeit seien die Gesamtschulen für viele Eltern und Schüler eine attraktive Alternative zum mehrgliedrigen Schulsystem und zum herkömmlichen Gymnasium, hieß es.

Was ist dem hinzu zu fügen? Obwohl bei mir die Entscheidung darüber, welche Schule ich für meinen Sohn wählen werde, erst im nächsten Jahr ansteht, versuche ich mir heute schon Informationen zu beschaffen. Warum ist es nicht möglich genügend Schulen zu bauen, sodaß alle Eltern und Kinder ihre Wahl treffen können. Dieses politische Gezerre finde ich zum K....! Muß ich jetzt in ein anderes Bundesland ziehen um die nach meiner Meinung geeignetere Schule für mein Kind wählen zu können?

06.07.2009
23:19
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von Jochen Stahl | #23

Der sogenannte Spitzenpolitiker H.Stahl sollte nicht immer wieder neue Aufgaben zu lösen versuchen. Er wird kaum Lösungen präsentieren können. Vielleicht bringt er es tatsächlich fertig, einen wirklichen ungelösten Fall zum Ende zu bringen, zum Wohle der Allgemeinheit: Wittke, diesen Schmarotzer, in die Wüste zu schicken.

28.02.2009
23:23
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von derFolterknecht | #22

Ich war 10 Jahre an einer Gesamtschule tätig. Mangelhafte Leistungen mussten ausführlich begründet werden. Allein die tägliche Anwesenheit von SchülernInnen ohne Leistungsnachweis war schon ein ausreichend wert. Ich war einer von den wenigen unfähigen Lehrern, die Leistung einforderten! DAS GAB ANFANGS ÄRGER!!!

27.02.2009
21:08
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von säf | #21

Was wäre wohl im Lande los, wenn auch nur ein gymnasial geeignetes Kind (was immer das sein mag) keinen Platz an der von seinen Eltern gewünschten Schulform Gymnasium fände!?

27.02.2009
21:04
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von assen | #20

Es wäre ja mal ganz interessant zu wissen, wie viel Geld pro Schüler im Jahr an der Gesamtschule und Gymnasium zur Verfügung stehen, dann könnte man ganz ideologiefrei vergleichen, wer effizienter arbeitet.

Oder ist das jetzt zu ökonomisch gedacht?

27.02.2009
21:03
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von Schäfer | #19

Man muss sich fragen: Was schadet den Kindern, die nicht auf eine Gesamtschule gelangen können mehr? der Realitätsverlust dieser Ministerin oder ihre ideologische Verbohrtheit.
Es gibt wohl inzwischen nur noch den Weg, diese Landesregierung durch Gerichte daran zu hindern, die Verfassung zu missachten (Termingemauschel bei der Kommunalwahl). Auch das heutige Urteil des Verwaltungsgerichts Köln beendet die fragwürdigen durch kein Gesetz begründbaren Machenschaften, mit denen die Landesregierung die Gründung dringend benötigter neuer Gesamtschulen verhindern wollte . Es ist gut zu wissen, dass es Instanzen gibt, die jenseits von Politik und Ideologie Sachverhalte untersuchen und klären. Schon wieder eine schallende Ohrfeige für Herrn Rüttgers.

27.02.2009
20:49
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von assen | #18

Immer wieder amüsant zu sehen, wie bissig die Gesamtschul-Ideologen sofort werden, wenn sich mal wieder jemand traut den Nutzen der Gesamtschule in Frage zu stellen...

Naja, getroffene Hunde bellen...

27.02.2009
20:44
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von L.Albers | #17

Kommt mal alle runter!!! Wir brauchen die Ganztagsschule! Die Gesamtschule ist ein Modell unter mehreren. Aber: Ganztagsschule ist in vielen Ländern eben gemeinsames Lernen bis mindestens Klasse 10. Und das ist weltweites Erfolgsmodell! Wann beginnen wir Deutschen dies endlich ideologiefrei zu sehen und zu verstehen?
Bitte, denkt an die Kinder und nicht an euch.

27.02.2009
20:11
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von malte8 | #16

Bildungserfolg hängt doch immer von vielen Dingen ab. Das kann die Schulform sein, soziales Umfeld, Methodik und Sozialformen des Unterrichts, das Individuum selbst, Kompetenz der Lehrperson (Die auch vom Lernerfolg und damit von der Qualität der Lehre an den Hochschulen abhängt), zur Verfügung stehende Mittel und Materialie und und und. Es gibt im Bildungssektor keine Patentrezepte. Es geht um Individuen die von Individuen ausgebildet werden sollen. Ich finde es gut, wenn es Alternativen gibt. Es muss nicht eine Sache für alle gut sein. Wem die Gesamtschule nicht zusagt, der sollte seine Kinder auch nicht dorthin schicken, er sollte den anderen jedoch die Freiheit lassen diese zu nutzen. Ich weiß ja selbst dass der Lernerfolg wichtig ist und dass es auch gut ist, diesen zu messen um ihn optimieren zu können. Wenn jedoch eine Schulform derart signifikant besser oder schlechter währe als die andere, so würde das mit Sicherheit gar nicht solche Diskussionen geben. Alternativen bereichern das Leben und erhöhen die Möglichkeit der individuellen Entfaltung. Das größte Problem sind doch die Kosten. Vielleicht sollte dort die Wirtschaft, die ja immerzu fordert und doch größter Nutznießer der öffentlichen Bildung ist mehr in die Pflicht genommen werden. Mehr Schularbeit betreiben (Information, keine Firmenpropaganda) durch Experten die den Unterricht besuchen oder Material, das der Schule zur Verfügung gestellt wird. Anbieten außerschulischer Lernorte... Es ist meiner Meinung nach auch ziemlich schlecht, dass Bilder, Filme, und was nicht alles durch die Urheberrechte nur mit erheblichem Aufwand im Unterrichht eingesetzt werden dürfen. Die freie Nutzbarkeit von Doumentationen u.s.w zu lehrzwecken (ausdrücklich nicht kommerziell) an öffentlichen Schulen währe eine feine Sache. Bildung ist etwas Grundlegendes und etwas das optimal durchgeführt werden sollte (und nicht unter dem Joch der Kostenreduzierung leiden sollte). Sicher ist das einee idealisierte Vorstellung, aber der Hintergedanke sollte im Kopf derer sein, der über Bildung bestimmen können. Auch Studiengebühren sind eine Schande. Vielleicht sollten wir die Masken endlich fallen lassen und unsere Wirtschaftsform nicht mehr als sozial bezeichnen.

27.02.2009
20:05
Eltern und Land streiten über Gesamtschulen
von Pullmann | #15

Die Gesamtschulen sind doch glücklich, dass sie vielen Eltern absagen dürfen. Ich glaube kaum, dass je ein Kind mit Realschul- oder Gymnasialempfehlung eine Absage bekommen hat. Die größte Katastrophe für die Gesamtschule wäre doch, wenn sie jedes Kind aufnehmen müssten. Sie schieben die schwachen Schüler nur allzu gerne zur Hauptschule ab.

Das kann ich zwar gut verstehen, aber weniger die Heuchelei, die dabei betrieben wird.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/469655/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
Papst Benedikt wird 85
Bildgalerie
Kirche
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...