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Eine offene Kirche

31.08.2010 | 18:32 Uhr

Und sie bewegt sich doch. Satte neun Monate hat die katholische Kirche in Deutschland seit Bekanntwerden der ersten Fälle von sexuellem Missbrauch in ihren Einrichtungen gebraucht, um eine angemessene Antwort auf die skandalösen Vorgänge zu geben.

Diese Skandale haben die Kirche in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise gestürzt. Was die deutsche Bischofskonferenz nun als Leitlinien vorlegt, kommt spät; gleichwohl zeigt das Papier, dass die Kirche dazugelernt hat.

Konnte man sich zunächst des Eindrucks nicht erwehren, den Kirchenführern gehe es mehr um Vertuschen als um Aufklären, so haben sich die Bischöfe nun zu einem klaren Schritt durchgerungen: Bei Verdachtsfällen wird grundsätzlich die Justiz eingeschaltet; es sei denn, das Opfer selbst ist dagegen. Dies ist richtig und wird allen Seiten gerecht.

Die katholische Kirche hat in den vergangenen Monaten durch ihren zögerlichen Umgang mit den Missbrauchsfällen in den eigenen Reihen viel an Vertrauen und Glaubwürdigkeit eingebüßt. Daraus müssen die Bischöfe eine Lehre ziehen, die auch für andere Bereiche gilt: Solange sich die Kirche als geschlossenes System versteht und sich gegen mehr Transparenz wehrt, wird ihr Einfluss auf die Gesellschaft weiter sinken. Sie muss sich weiter bewegen.

Walter Bau

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