Eine offene Beziehung ist ein fauler Kompromiss
27.02.2009 | 15:37 Uhr 2009-02-27T15:37:00+0100Sie wollen sich nicht einschränken, sich nicht gegenseitig mit ihrer Liebe erdrücken, diese Paare, die in einer offenen Beziehung leben. Offene Beziehung - hört sich toll an, ist aber nur ein anderes Etikett für Menschen, die sich woanders das holen, was sie von ihrem Partner nicht bekommen.
Sie wollen sich nicht einschränken, sich nicht gegenseitig mit ihrer Liebe erdrücken, diese Paare, die in einer offenen Beziehung leben. Ein fester Partner soll’s schon sein. Aber damit es nicht so langweilig wird, bringt ein neuer Lover hier und da neuen Schwung in den öden monogamen Alltag. „Geschlossene“ Beziehung? Ist selbstsüchtig.
So oder so ähnlich steht es jedenfalls in diversen Internetforen. „Wir glauben, dass eine so genannte "geschlossene Beziehung" die Liebe zu anderen blockiert und unterdrückt. Und das Verhindern von Liebe wollen wir nicht“, schreibt ein Nutzer unter dem Namen Thomas40.
Glückwunsch an alle, die ihr Modell der offenen Beziehung leben. Und glücklich sind. Moralische Probleme hab ich damit nicht. Jeder, wie er mag. Aber diese Paare müssen einer ganz besonderen Spezies angehören.
Und vor allem einer seltenen.
Wo verstecken sich diese glücklichen, freien Paare denn nur immer, die die Offenheit so glücklich leben? Kennen Sie so ein Pärchen? Ich nicht. Meine Freunde auch nicht. Die Suche im Bekanntenkreis verlief ebenfalls erfolglos. Ich halte also fest: Ich kenne kein einziges Paar, das diesen Traum der 68er lebt.
Selbst Uschi Obermaier fühlte sich betrogen
Einen betrogenen Freund oder Freundin hat dagegen wohl jeder schon mal getröstet. Oder es selbst schon mal erlebt. Das Gefühl, dem anderen nicht zu reichen, belogen und hintergangen worden zu sein. Verletzte Gefühle, verletzter Stolz, missbrauchtes Vertrauen. Ok, in einer offenen Beziehung zählt das Argument „Hintergangen“ nicht. Schließlich weiß man schon vorher Bescheid. Aber nur weil man das ja eigentlich weiß und sich ganz fest vorgenommen hat, diese „niederen“ Gefühle abzuschalten, ist das alles plötzlich ganz leicht und entspannt mit den wechselnden Geschlechtspartnern? Ist klar.
Offensichtlich hat sich die Idee der Kommune 1, der Ruf nach sexueller Freiheit, nicht durchgesetzt. Selbst Uschi Obermaier, Verfechterin der sexuellen Revolution, wurde in ihrer offenen Beziehung mit Rainer Langhans nicht glücklich. Auch eine Ikone leidet, wenn sie ihren Freund beim Sex mit einer anderen beobachtet.
Und genau das ist der Punkt. Man kann sich viele Dinge schönreden. Klingt ja auch ganz attraktiv, so eine offene Beziehung. Und nach dem Abenteuer mit dem Lover komme ich dann ganz entspannt nach Hause und erzähle meinem Mann davon. Der liebt mich natürlich so sehr, dass er sich einfach nur für mich freut. Wer’s glaubt.
Ersatz für die mittelmäßige Beziehung
Eine offene Beziehung ist ein fauler Kompromiss. Es hört sich vielleicht stark und mutig an, wenn Menschen bereit sind, so blöde, unnötige Gefühle wie Eifersucht zu überwinden, um eine angeblich höhere Beziehungsebene zu erreichen. Eigentlich ist es aber feige. Weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass sie den richtigen Partner noch nicht gefunden haben. Weil sie sich nicht trauen, sich hundertprozentig auf einen Menschen einzulassen. Sondern bequem sind und lieber an ihrer mittelmäßigen Beziehung festhalten. Und sich alles, was sie dort nicht bekommen, anderswo holen.
Vielleicht liegt die Monogamie tatsächlich nicht in der Natur des Menschen, dafür sprechen jedenfalls Umfragen und Studien zum Fremdgehen. Aber alle, die den Seitensprung umetikettieren und „offene Beziehung“ nennen, machen sich was vor.
- Das Pro: Eine offene Beziehung hält die Liebe frisch
- Über Eifersucht auf Ex-Partner offen sprechen
- Hier geht's zur Partnerschaftenseite
- Diskutieren Sie mit anderen DerWesten-Lesern: Pro und Contra: Offene Beziehungen
11:28
man muss natürlcih hinzufügen: jede Beziehung ist ein (fauler) Komromiss
02:41
Ich versteh nicht, warum so eine wissenschaft daraus gemacht wird - wenn beide einverstanden sind, dann funktioniert das durchaus.
Bei mir seit 6 Jahren.
Es ist eine besondere Art von Vertrauen, die man sich eben Schritt für Schritt aufbauen muss.
Und das ist kein fauler Kompromiss, das ist Leben geniessen.
Und es ist wahr - ich lebe wie ein Single, aber habe dennoch eine starke Schulter um mich anzulehnen. Wo ist das Problem?
Wir kennen uns eben einfach, er weiss mehr über mich als alle anderen und umgekehrt und wir würden für uns und unsere Freundschaft durch Feuer gehen - durchgemacht haben wir soviel, als dass wir eifersüchtig aufeinander sein könnten.
Und wir beweisen uns regelmässig, dass niemand so schnell den Platz des anderen einnehmen kann, was die Freundschaftstiefe anbelangt.
Da braucht es eine Menge.
Also warum sollte ich eine wildfremde Frau, mit welcher er im Bett war als Konkurrenz sehen?
Wenn er bei ihr gelandet ist, dann muss ich zugeben dass mich das ernsthaft für ihn freut.
Aber in einem stimme ich zu - einen Seitensprung kann man nicht in eine offene Beziehung verwandeln, wenn sie es vorher nicht schon war.
Vertrauen ist hier das Stichwort, das wäre damit verloren und ist doch so essentiell, egal in welcher Art von Beziehung.
Vielleicht sollte man sich eben nicht gerade einen Partner suchen, für den man alles tun würde (weil man ja ssooooooo verliebt ist - logisch, wird man dann verletzt), man sollte schon bodenständig bleiben; dann hat man auch am Frühstückstisch richtig was zu lachen, wenn man von seinen sexuellen Eskapaden erzählt...
Denkt mal drüber nach, bevor hier die offene Beziehung als egoistisch, faul und feige angepriesen wird...
19:01
Eine Beziehung eingehen heißt immer Kompromisse eingehen und so verzichte ich eben auf Sexabenteuer bewusst, wenn ich mit einem Menschen zusammenlebe, den ich wirklich tief liebe. Ich tue das bewußt zugunsten der Beziehung.
Offenen Beziehung ist ein fauler Kompromiß, diese Aussage würde ich ebenfalls voll und ganz unterstützen.
Die Leute wollen frei sein wie Singles aber trotzdem den Halt einer festen Beziehung.
Ich denke mittlerweile, dass es ein sehr egoistisches, sehr unreifes Konzept ist.
Ich sage das nach einigen persönlichen Erfahrgungen in dem Bereich. Ich habe mit meinem Ex-Mann wirklich versucht eine eifersuchtsfreie offenen Beziehung zu führen, sich gegenseitig gönnen zu können, das ganze Blabla.
Es war die Hölle auf Erden. So etwas möchte ich nie wieder erleben. Dann bleibe ich lieber Single oder entscheide mich fest für einen Partner.
Auch in meinem Freundes- und Bekantenkreis kenne ich einige, die angeglich eine offene Beziehung führen. Und selbst bei denen, bei denen ich immer dachte, dass sie es wirklich schaffen, habe ich gesehen, dass es nicht so ist, als ich mal einen Blick hinter die Kullissen werfen durfte. Eifersucht, verletzte Gefühle, das stille Erdulden eines Partners aus Liebe und der grenzenlose Egoismus des anderen, waren auch da vorgherrschend.
Offene Beziehung - eine Garantie für grenzenloses Leid und gefühlsmäßige Verstrickungen. Wer diese Erfahrung braucht: Viel Spaß dabei!
18:31
Diese ganze Pro & Contra Sache ist Blödsinn. Letztenendes ist das immer eine Einzelfallentscheidung eines Paares und in seiner Ausgestaltung nur individuell möglich. Ich finde aber, jedes Paar sollte sich über das Thema unterhalten und seine Grenzen liebevoll ausloten und ausprobieren. Nur so bleibt eine Partnerschaft über einen langen Zeitraum ehrlich, spannend und lebendig. Denn eines hilft garantiert nicht: die Augen vor biologischen Tatsachen zu verschließen.
22:19
Hier scheint es irgendwie nur schwarz und weiß zu geben. Was ist offen was ist geschlossen? Darf man in eure Beziehung einen Freund anderen Geschlechts umarmen oder auf die Wange küssen? Bei einigen geschlossenen ist auch schon bei reden schluss. Eine offenere Beziehung muss ja nicht gleich bedeuten, dass man mit anderen Geschlechtsverkehr hat. Bei vielen ist flirten noch okay, bei anderen wiederum mehr oder auch weniger. Ich finde, da kann man die Grenzen nicht so ziehen.
Aber eine gescheiterte Beziehung, wird durch das öffen, wahrscheinlich auch nicht besser - da hat der Artikel recht.
21:02
wen interessiert die bibel? wieso soll ich mir was von einer tausend jahre alten geschichtesammlung vorschreiben lassen? ne du, dann doch lieber den gesunden menschenverstand und meine wünsche und die meiner partnerin berücksichtigen. sex vor der ehe? klar :P
net falsch verstehen.. ich bin treu und weiß net ob diese form der beziehung etwas für mich wäre.. kein plan :)
...klappt bisher auch so gut :D
11:07
Die vielen Bibelstellen zu zitieren, in denen Gott diese Lebensform mißfällt, würde den Blog sprengen.
22:47
Nee klappt nicht bei mir....warum, weil ich nicht oberflächlich bin und einen Partner suche der zu mir passt.
Passen tuen die meisten nicht, aber eine Anäherung ist oft sehr befriedigend.
Na gut hat auch nicht immer bei mir gepasst, aber meine Liebe zu teilen mit einer(m) Anderen?
Es ist ein Paradoxum dieses Wirrwarr wirklich zu meistern, aber es gibt für mich nur den oder die.
Rumgeduddle finde ich ekelhaft.
Das ist nur meine Meinung und muss nicht wirklich gelten,...aber so fühle ich, denke ich und lebe ich.
Ich könnte jetzt noch ne Menge mehr dazu schreiben, aber dazu reicht meine Zeit nicht. Danke
19:54
Und ob das funktioniert. Bei uns seit 25 Jahren. Ausschließlichkeit führt über kurz oder lang zu erheblicher Langeweile. Allerdings, mit gemeinsamen Kindern verträgt sich dieses Modell wohl nicht. Die brauchen eine Mutter und einen Vater und kommen durcheinander, wenn sie dauernd neue Leute am Frühstückstisch erleben.
13:12
Ich kenne ein Pärchen, bei dem das ganz gut klappt. Schon über 5 Jahre. Beide sind jenseits der 50. Für mich persönlich wäre das nichts. Beide gehören zu meinen Freunden und so hoffe ich, daß es auch weiter gutgeht.