Eine Fernbeziehung ist lästig und schmerzhaft
22.07.2009 | 09:00 Uhr 2009-07-22T09:00:00+0200Eine Fernbeziehung kennt fast nur die Extreme zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Oft macht sie gerade mal den eigenen Chef glücklich.
Die Fernbeziehung ist die Bronchitis des Liebeslebens. Keine existenzielle Bedrohung, aber lästig, anstrengend und ab und zu auch schmerzhaft. Auszuhalten nur mit der Perspektive: Sowas dauert ja nicht ewig. Denn wer sie verschleppt und als Dauerzustand akzeptiert, riskiert, dass was Schlimmeres draus wird. Ich weiß das, ich hab's erlebt.
Gründe, mit einer Fernbeziehung anzufangen, gibt es viele. Entbrennen Rosenheimerin und Pinneberger in Leidenschaft füreinander, dann bleibt ihnen erst mal nichts anderes übrig. Je nachdem, wie's bei den beiden läuft, können sie sich ja quer über die Landkarte aneinander heranarbeiten. Oder man hat bereits ein Liebesleben, in Nahbeziehung. Und dann kommt eine dieser Chancen, die man ergreifen muss, weil man sich sonst den Rest seines Lebens in den Hintern beißt. Traumjob, Traumland, Traumdies, Traumdas. So war das bei mir.
Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt
In der Fernbeziehungszeit habe ich einiges gelernt. Nicht nur im neuen Job, nicht nur wochenends im ICE (wer wissen will, wo die Sicherung für die Steckdose am Vierertisch ist, kann gerne fragen). Vor allem weiß ich jetzt eines: Fernbeziehung bedeutet himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, aber wenig dazwischen. Jeder Freitag ist wie wenn Schalke das Derby gewinnt. Jeder Sonntag ist wie wenn die Bayern mal wieder Last-Minute-Meister werden, und zwar so wie 2001.
Zwischen Sonntag und Freitag haben Fernliebende viel Zeit für Engagement im Job, für Weggehen mit neuen Leuten und für Telefonate, die jede Flatrate rechtfertigen. Und am Wochenende herrschen dann Leistungsdruck und Harmoniezwang: Wie machen wir aus den paar Stunden jetzt Quality Time? Was hat uns unter der Woche am meisten gefehlt? Abwasch und sonstiger Alltag schon mal ganz bestimmt nicht. Und so ergibt eine nichtrepräsentative Umfrage unter anderen Fernbeziehungsopfern folgendes sich wiederholendes Szenario: Sonntag Abend den anderen zum Bahnhof bringen. Mit ordentlich Blues zurück in die Wohnung kommen. Einen leeren Kühlschrank vorfinden, was aber auch nichts macht, weil eh alle Teller schmutzig sind.
Schlaue Sätze habe ich in dieser Zeit viele gehört und manche sogar mantraartig nachgebetet. „Wahre Nähe ist keine Frage von Kilometern“ zum Beispiel. Stimmt, aber über die „wahre Nähe“ und das Wissen ums grundsätzliche Zusammengehören hinaus braucht es zu einer Beziehung eben auch Kleinigkeiten wie „Du klangst heute Mittag schon so genervt, da hab ich mal die Heizung im Bad angedreht, falls Du in die Wanne willst.“ „In Fernbeziehungen hat man mehr Freiheit“ hab ich auch oft gehört, aber was ist das denn für ein Argument? Wenn ich das, was ich an Freiraum und Selbstbestimmung brauche, in einer Beziehung nicht habe, dann liegt das ja wohl kaum am Wohnort.
Chef profitiert von Fernbeziehung
Auch gern genommen: „Unter der Woche schaff ich immer so viel.“ Na klar – an der Selbstausbeutungsfront ist der Fernbeziehungsmensch ganz weit vorne. Er kann Sonderschichten einlegen, ohne einen genervten Partner zu beschwichtigen. Er muss auch keine Zeit mit der Beziehungsanbahnung verbringen. Die Beziehung gibt es ja bereits, wenn auch sorgsam geparkt und auf die Wochenenden eingedampft.
So ist der wahre Vorteil der Distanzbeziehung vor allem einer für den Chef. Okay, wenn im Büro richtig der Baum brennt, ist es eine Frage des Engagements und nicht des Beziehungsstatus, ob man die Pläne für den Abend zurückstellt und stattdessen beim Löschen hilft. Aber bei den mittelschweren Krisen, den zweidrittelwichtigen Terminen, den nur bedingt nötigen Überstunden, da spielen Distanzbeziehungsopfer und Singles in einer Liga.
Klar, diese Art von Verfügbarkeit ist ein Alleinstellungsmerkmal in Finanzkrisenzeiten. Ein USP – den Begriff habe ich, wie so vieles, in meiner Fernbeziehungszeit gelernt. Das Ganze hat nur einen Haken: Alle Fernbeziehungen sind irgendwann vorbei. Entweder, weil sich zwei Leute wieder auf einen gemeinsamen Ort einigen – dann hat sich's was mit „Fern“. Oder sie verschleppen die Entscheidung. Dann hat sich halt irgendwann das mit der „Beziehung“ erledigt.
Hier geht's zum Pro: Eine Fernbeziehung verhindert Alltagstrott
18:24
Ich bin mitt meinem Freund (Österreich) auch bereits seit zwei Jahren zusammen., komme persönlich aus Norddeutschland, nahe Bremen.Trotz aller Schwierigkeiten und dem Verzicht auf all die schönen Kleinigkeiten, bin ich sehr froh das ich ihn habe, da wir trotz allem eine wunderschöne Beziehung haben.
01:02
Habe 2 Jahre FB gehabt, alles verschleppt wegen Job und keinen präzisen Zukunftsplänen. Ich kann nur von abraten..auch so wichtige Dinge der Nähe...diese kleinen aber enorm wichtigen Sachen fehlen einem komplett unter der Woche und man spürt nur Kälte und Alleinsein. Und wenn man das nicht ändert, ändert sich die Beziehung von selbst und allein.
15:24
Ich hab s 3 Monate versucht, auf eine Distanz von 316 km. Bei aller Zuneigung beiuderseits, es hat nicht geklappt. Also rate ich ab.
11:01
Huch, Tinchen, die schreiben über uns ...
10:59
Jeder Freitag ist wie wenn Schalke das Derby gewinnt. Jeder Sonntag ist wie wenn die Bayern mal wieder Last-Minute-Meister werden, und zwar so wie 2001.
DANKE für diesen passenden Vergleich - besser kann mans nicht erklären!
Glück auf -
Grüße aus Münster (mit der besseren Hälfte in Hannover)