Ein Drittel der Schüler wird im Internet gemobbt
10.05.2010 | 08:25 Uhr 2010-05-10T08:25:00+0200
Münster.Mobbing im Internet ist offenbar unter Schülern weit verbreitet. Eine Studie der Uni Münster ergab, dass 35 Prozent der Schüler in kurzer Zeit Opfer von Cyber-Mobbing wurden. 55 Prozent haben selbst schon im Netz zugeschlagen. Beleidigungen gehören allerdings mittlerweile zum guten Ton.
Selten ist es böse Absicht – doch die Folgen sind für viele Jugendliche verheerend: Eine neue Studie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zeigt, dass ein Drittel der Schüler im Internet gemobbt werden – sogar 55 Prozent outeten sich als Täter. „Wir waren sehr überrascht von diesem Ergebnis“, sagt die Psychologin Dr. Stephanie Pieschl im DerWesten-Gespräch. „Gerade in der von uns befragten Gruppe dachten wir, dass Cyber-Mobbing und Cyber-Bullying seltener vorkommen.“
Von den 419 Schülern, die den Uni-Mitarbeitern von ihren Erfahrungen berichteten, sind 86 Prozent Gymnasiasten und zum größten Teil weiblich (70 Prozent). 35 Prozent der Befragten (im Durchschnitt 18 Jahre alt) wurde mindestens einmal in den vergangenen zwei Monaten im Internet beleidigt. „Bei unseren Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich in den seltensten Fällen, um eine böse Absicht gehandelt hat. Da wurden zum Beispiel aus Spaß peinliche Fotos und Videos von anderen auf Internetplattformen hochgeladen“, berichtet Pieschl.
Große emotionale Betroffenheit
Konfrontiert mit diversen Szenarios aus dem Kontext der Netz-Drangsalierung zeigten die Befragten nach Angaben der Wissenschaftler große emotionale Betroffenheit. So berichteten sie von eigener Verletztheit und Frustration. Denn der Effekt bei von Mobbing betroffenen Personen sei in der Regel tragisch: „Selbst 18-Jährige würden sich in dieser Situation erst einmal heulend auf ihr Bett schmeißen.“ Eine Schülerin schrieb beispielsweise: „Ein Mädchen (...) hat verbreitet, dass mein Freund mich zum Sex zwingen würde und hat erzählt, dass ich schwanger war und abgetrieben habe.“
Das Problem am Internet sei die andere Kommunikationsform: „Der Täter sieht nie die unmittelbare Reaktion des Opfers“, erklärt die Psychologin. Auf dem Schulhof könne man klar an Mimik und Gestik des Betroffenen erkennen, ob dieser einen Spruch als Spaß oder als Beleidigung auffasst.
Wenig Daten im Netz - wenig Angriffsfläche
Doch viele Jugendliche haben offenbar nicht verstanden, dass in der virtuellen Welt die gleichen Kommunikations-Regeln gelten wie in der realen: „Nettigkeit“ sollte auch im Chat oder in E-Mails gepflegt werden, so Stephanie Pieschl. „Dazu kommt, dass Beleidigungen heutzutage fast zum guten Ton gehören.“
Wer sich vor Cyber-Mobbing schützen will, sollte sich Gedanken über seinen persönlichen Datenschutz machen: „Je weniger man im Netz von sich preisgibt, desto weniger Angriffsfläche bietet man“, warnt die Psychologin. Mittlerweile gibt es einige Firmen die ein so genanntes Reputationsmanagement anbieten. Von der reinen Kontrolle bewegen sich die Angebote hin zur aktiven Gestaltung des persönlichen Profils im Netz. Denn das Internet vergisst nichts.
08:58
Zu 6
Das gleiche habe ich auch gedacht. Wie kann man sich im Netz mobben lassen? Wer zuviel von sich preisgibt wird angreifbar, ganz klar. Bevor ich mich im Internet mobben lassen würde, würde ich echte, natürliche Gesellschaft vorziehen.
08:54
Wer sich gemobbt fühlt, sollte vielleicht besser den Rechner einfach mal ausgeschaltet lassen.
Außerdem geben sehr viele Nutzer viel zu viel persönliche Dinge zu schnell ind eben offen ins Netz.
Ich stelle mich auch nicht auf den Marktplatz und berichte übers Megaphon aus meinen Leben.
15:00
Ein Drittel wird in der Schule gemobbt und zwei Drittel später im Beruf.
Was erwartet man schon in einer Ellenbogengesellschaft?!
12:59
Ich stimme 1 vollkommen zu! Das ist repräsentativ. Und deshalb darf NICHT als Fazit schreiben: Ein Drittel DER Schüler wird Opfer von Mobbing.
aber wie heißt es so schön? Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.
12:07
Mobber konsequent anzeigen, dann hört es auf!
Mobbingtexte konsequent und sofort löschen!
10:43
Auch wenn im ersten Kommentar sich gleich ein überzeugter Professioneller über Fehler in Statistiken mokiert - mir ist die Thematik neu, und die Häufigkeit scheint mir nachvollziehbar im Zusammenhang mit der bekannt hohen Rechnerausstattung im Kinderzimmer. Dies sollte ein Hinweis - auch an Eltern - sein, die Mediennutzung auf das Notwendige zu reduzieren. Die Wahrheit ist irgendwo da draussen ;-)
09:48
Gerade in der von uns befragten Gruppe dachten wir, dass Cyber-Mobbing und Cyber-Bullying seltener vorkommen, 86% Gymnasiasten und 70!!!! % weiblich...
Wenn ich sowas schon lese... damit hat die Studie doch jeglichen Wert verloren. Entwerde ich möchte etwas representatives und benutze soweit es irgend möglich ist Zufallsstichproben (was auf Garantie nicht zu 86% Gymnasiasten und 70% Schülerinnen führt und man kann nicht einfach sagen haben wir von denen nicht erwartet, weil man die nicht kennt) oder ich verzichte gleich darauf, etwas aussagen zu wollen.
So kann man nur eine Tendenz sehen, die mit einer ORDENTLICHEN Studie zu überprüfen wäre.
Mir kräuselts jetzt noch die Fußnägel...sowas lernt man in der ersten Vorlesung über quantitative Statistik...
MfG