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Flucht-Drama

Düsseldorferin flüchtet mit Tochter übers Meer

08.03.2011 | 12:12 Uhr

Lampedusa/Düsseldorf.   Happy End für eine Düsseldorfer Familie: Eine 40-jährige Mutter legte ihr Schicksal in die Hände einer Schlepperbande. Mit ihrer neunjährigen Tochter rettete sie sich vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann auf ein Flüchtlingsboot - und erreichte so Europa.

Sie  musste raus aus Tunesien. Um jeden Preis. Die Düsseldorferin Tina Rothkamm legte ihr Schicksal in die Hände einer Schlepperbande – und flüchtete in einer dramatischen Nacht mit ihrer neunjährigen Tochter Amira vor ihrem gewalttätigen Ex-Ehemann aus Djerba.  „Ich habe tausend Mal versucht, mit meiner Kleinen aus Tunesien wegzukommen. Ich bin überglücklich, dass wir es jetzt geschafft haben“, sagte die Düsseldorfer Lehrerin am Dienstagabend auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa vor Journalisten.

2007 lässt sich Rothkamm von ihrem Mann, einem tunesischen Arzt, scheiden. Er soll gewalttätig gewesen sein. Über mehrere Jahre habe er die Familie terrorisiert, berichtet Rothkamm. Die Mutter bekommt, so berichtet sie, das Sorgerecht zugesprochen - doch der Vater lässt Mutter und Kind nicht ziehen. Vier lange Jahre habe sie versucht, ihre Amira nach Deutschland zu holen, sagt die 40-Jährige. Ohne Erfolg. Im Gegenteil: Die Situation drohte in diesem Jahr zu eskalieren.  „Mein Ex-Mann wollte mir Amira für immer wegnehmen“, sagt sie. „Ich bin nach Djerba, um meine Tochter  zurückzuholen“.

Tina Rothkamm mag ihre Tochter nicht mehr aus den Armen lassen. Foto: rtr

Die Düsseldorferin packte ihre Sachen, nahm die Neunjährige an die Hand und marschierte Richtung Flughafen.  Mit der nächstbesten Maschine sollte es endlich wieder zurück nach Deutschland gehen. Doch die Polizei nahm der Deutschen ihren Personalausweis ab und stoppte so ihre Ausreise. Die Düsseldorferin glaubt, dass ihr Mann, der in Tunesien ein einflussreicher Mann sei, Kontakt zu befreundeten Landsleuten und Beamten aufgenommen und sie angestachelt hat. „Er hat unsere Ausreise blockiert“, unterstreicht sie.

Revolte in Arabien behindert die Flucht

Die Lehrerin flüchtet daraufhin mit ihrer Tochter ins Hinterland. Das nächste Ziel: Irgendwie nach Libyen zu kommen, und dort die Botschaft aufzusuchen und in eine Maschine nach Deutschland zu steigen. Doch die Revolte gegen den libyschen Machthaber  Muammar el Gaddafi machte der flüchtenden Familie einen Strich durch die Rechnung. Die Gewalt eskalierte, die deutsche Flüchtlings-Familie musste in Tunesien bleiben.

Dort ließ der Ex-Mann, so erzählt Rothkamm den Reportern, bereits nach der großen blonden Frau und ihrer Tochter suchen. In ihrer Not legte Tina Rothkamm ihr Schicksal in die Hand einer Schlepperbande. 

Am Samstagabend trifft die Düsseldorferin am Strand von Djerba eine Gruppe Jung-Erwachsener. Sie gibt ihnen 2000 Euro in bar. Als Gegenleistung bekommt die Familie einen Platz in einem überfüllten, klapprigen Flüchtlingsboot . 110 Flüchtlinge brechen in der Nacht auf. Ihr Ziel: die 130 Kilometer entfernte italienische Mittelmeerinsel Lampedusa, das Eingangstor nach Europa.

Wellen schlagen gegen das Boot, Stunde um Stunde vergeht

Im Dunkeln der Nacht legt das Schiff ab. Tina Rothkamm nimmt ihre Tochter auf den Schoß und drückt sie an sich. Sie haben nur eine Tasche bei sich – und die Hoffnung, unversehrt Europa zu erreichen. Das vereint die Deutsche mit den arabischen Flüchtlingen, die so anders aussehen, aber die gleiche Hoffnung haben: endlich in Frieden, Freiheit und Wohlstand zu leben.

Wellen schlagen gegen das Boot, Stunde und Stunde vergeht. Erst einen Tag später, nach über 20 Stunden im Fischerboot, ist die Odyssee der Rothmanns beendet. Land ist in Sicht, das kleine Lampedusa liegt vor den Flüchtlingen.

Die italienischen Behörden nehmen die  Gestrandeten auf und führen sie in ein Auffanglager. 850 Menschen finden dort Platz, mehrere tausend Flüchtlinge tummeln sich dort aber bereits. Sie warten in dem Lager auf ihre Weiterreise – um sich oftmals wenig später auf den Weg in ihre Heimatländer wiederzufinden.

Angehörige in Düsseldorf warten

Tina Rothkamm hat mehr Glück. Sie kontaktiert die Deutsche Botschaft – und verbringt die Nacht im Hotel. Sie ist entkräftet und unterkühlt, ihre Tochter hat leichtes Fieber. Ansonsten geht es den Flüchtlingen den Umständen entsprechend gut. Wann die Düsseldorferin nach Deutschland weiterreisen kann, ist noch unklar. Fest steht: In Europa ist die 40-Jährige in Sicherheit. Ihr Ex-Mann hat hier keine Macht über sie und ihre Tochter.

Die arabische Revolte

Dennoch hat es die Lehrerin eilig. Denn: In der Landeshauptstadt wartet ihre Familie. Ihr neuer Lebensgefährte und ihr gemeinsamer Sohn, der eineinhalb Jahre alt ist. 

Tim Rahmann

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Kommentare
11.03.2011
01:18
Düsseldorferin rettet entführte Tochter aus Afrika
von tsochart | #34

Das ist ein klarer Verstoß gegen das Haager Abkommen. Die Kinder müssen zurück nach Tunesien.

09.03.2011
12:57
Düsseldorferin rettet entführte Tochter aus Afrika
von Hoffi65 | #33

Ist leider zu oft so, dass solche Ehen/Beziehungen selten gut gehen.
Sie hat ihre Tochter rausholen können, aber wer soll dafür garantieren, dass die Kleine nicht eines Tages nicht vom Spielen zurückkommt, weil der Vater den Spieß umgedreht hat?

09.03.2011
06:52
Düsseldorferin rettet entführte Tochter aus Afrika
von Thonald | #32

Klasse.
Hut ab vor dem Mut dieser Frau.
Ich glaube keiner der das jeh durchgemacht hat kann dem wirklich nachempfinden.
Eingeschlossen meiner Wenigkeit.

Und ja, warum sollte man da keinen Film von machen.
Ich würde ihn mir ansehen.

08.03.2011
22:15
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von Djerbi | #31

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08.03.2011
22:08
Blockierter Kommentar.
von Djerbi | #30

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08.03.2011
21:56
Düsseldorferin rettet entführte Tochter aus Afrika
von Exfrau | #29

Ich kenne das!
Ich habe mich riesig darüber gefreut, als ich diesen Abschnitt in den Fernseh-Nachrichten gesehen habe. Die Frau hat sich für ihre Mutterliebe in Gefahr gebracht.Doch die Liebe siegt.
Herzliche Glückwünsche für die liebe kleine Familie.
Die Flucht war gut ausgedacht, ohne den Aufstand in Tunesien hätte diese Mutter ihr Kind nie aus Tunesien rausbekommen.
Denn in allen arabischen Staaten bekommt der Vater das Erziehungsrecht. Nur er darf der Mutter schriftlich erlauben mit einem gemeinsammen Kind auszureisen.Hat Sie dieses Schriftstück nicht muss Sie das Kind zurücklassen.Viele europäsche Frauen bleiben dann in dem Land und erleiden vieles, nur um bei ihrem Kind zu leben.
Wichtig, das gilt auch bei Urlaubsreisen, sobald der Vater das Kind in seiner Heimat angemeldet hat.Auch wenn man nicht verheiratet ist oder war.Also bei Unstimmigkeiten mit dem Vater, niemals in dessen Heimat reisen. Auch dann nicht wenn er Sie dort zu einem Verwöhnungsurlaub einlädt und verspricht, das alles wieder gut wird.
Trau nur Dir selbst! Und sei auf der Hut!

08.03.2011
20:36
Düsseldorferin rettet entführte Tochter aus Afrika
von Melete | #28

@#22 von NichtEgal

Das Problem war ja gerade, das helgahein sich eine Meinung gebildet hat und – ohne weitere Hintergrundinformation – den Wahrheitsgehalt der Schilderungen angezweifelt hat (einzige Grundlage ihrer Meinungsbildung: das Buch Nicht ohne meine Tochter). Das ist – gelinde gesagt – etwas dünn.

08.03.2011
19:19
Düsseldorferin rettet entführte Tochter aus Afrika
von dr.einnstein | #27

@derwesten

Danke für die Korrekturen. Jetzt wird der Fall schon klarer.

08.03.2011
18:32
Düsseldorferin rettet entführte Tochter aus Afrika
von SoftPlaner | #26

Die Mutter bekommt, so berichtet sie, das Sorgerecht zugesprochen
Was ist denn dann unklar an ihrem rechtlichen Status?

08.03.2011
17:47
Blockierter Kommentar.
von Gruenkohl7 | #25

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