Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Nachrichten

„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“

13.02.2011 | 09:02 Uhr
„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“
Die Juroren Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo. Ersterer beweist Vielseitigkeit beim Einsatz des Wortes „geil“. Immerhin. Foto: Roberto Pfeil/dapd

Essen.   Meistverwendetes Wort: „geil“. Zweitmeistverwendetes: „Hühnerkacke“.

 

“Geil” – Schlägt man dieses schöne Wort in einem Wörterbuch nach, findet sich Folgendes: 1. kräftig, üppig (Pflanze) 2. lüstern, geschlechtlich erregt 3. Jugendsprache: großartig, toll.

Wenn man jedoch die vermeintliche Musiksendung “Deutschland sucht den Superstar” guckt, muss man noch folgende Definition hinzufügen: 4. Wort, das Dieter Bohlen für jede Leistung verwendet, die nicht abgrundtief schlecht ist. Gerne kombiniert der “Pop-Titan” das Wort auch noch mit “hammer-”, “mega-”, “über-” und – besonders schön – “utopisch-”.

Wogende Hintern und tiefe Ausschnitte im Überfluss

“Utopisch-geil” war die die Recall-Sendung von DSDS am Samstagabend jedoch auf keinen Fall. Am Anfang hatte der Zuschauer noch den Eindruck, dass das zweite “S” im Sendungstitel nicht mehr für “Superstar”, sondern für “Stripmaus” stehe. Ein Überangebot an wogenden Hinterteilen, tiefen Ausschnitten, eingeölten Beinen und bauchfreien Oberteilen sollte wohl die “lüstern, geschlechtlich erregt”-Definition des Bohl’schen Lieblingswortes abdecken.

Dieter Bohlen lobt sich räkelnde Kandidatin Foto: dapd

Doch RTL wäre nicht RTL, wenn man ausschließlich auf die Erotik-Schiene setzte. Deswegen zeigte der Kölner Sender auch noch einen Einspieler über ein verdrecktes Klo auf einem der Mädchenzimmer. Das erfolgsbewährte Dschungelcamp -Ekelprinzip wurde also konsequent auf den Casting-Dauerbrenner angewandt.

Dass daneben auch noch ein wenig musiziert wurde, gerät fast in Vergessenheit. Doch auch RTL sieht die Musik wohl nicht mehr als den wichtigsten Teil der Sendung. Anders lässt es sich nicht erklären, warum jede noch so kleine Zickerei zwischen den Kandidaten einen sehr ausgiebigen Einspieler bekommt, während die Duette am Ende der Sendung teilweise auf ein paar Sekunden zusammengeschnitten wurden. Dabei gibt es durchaus ein paar gesangliche Talente: der etwas hemdsärmelig wirkende Marvin beispielsweise, der “Sailing” (Rod Stewart ) sehr überzeugend intonierte. Auch Kandidatin Awa gefiel mit ihrer Version von Glashaus’ “Wenn das Liebe ist”.

Sprachliche Redundanz in Höchstform

Bei den anderen Kandidaten war für die Jury die Darbietung wichtiger – oder wie Bohlen es ausdrücken würde: “Performance-mäßig war das der Hammer!”. Besonders beeindruckt zeigte sich das ehemalige “Modern Talking”-Mitglied von Kandidatin Anna-Carina, die sich zu “California Gurls” (Katy Perry ) auf dem Jury-Tisch räkelte. “Mega-geil”, sei das gewesen, schenkt man Bohlen Glauben. “Du hast dich besonders geil bewegt, das war wirklich geil.” Bei soviel sprachlicher Redundanz macht man sich unweigerlich Sorgen um den Sprachschatz der Zielgruppe.

Sorgen anderer Art muss man sich wohl auch um Kandidat Christopher machen. Denn er weigerte sich, am Malediven-Strand mit nacktem Oberkörper anzutreten. “Ich möchte kein Surfer-Boy sein, ich möchte einfach nur singen”, sagte er. Eine hehre Einstellung, die dafür sorgen dürfte, dass er im Rennen um den Titel des neuen Kurzzeit-Superstars chancenlos ist.

Für einige der anderen Kandidaten ist der Traum bereits beendet, in die zweifellos großen Fußstapfen von Mehrzad Marashi zu treten: Katharina, Linai, Ricardo und Dominik durften teilweise nicht mal ihren zweiten Auftritt beenden (meist weil ihre Darbietungen laut Bohlen “Hühnerkacke” gewesen sein, nach “geil” das meist-verwendete Wort). Daneben verliess noch Teilnehmer Nils die Sendung auf eigenen Wunsch.

Letzter Recall vor Top-15-Show

Ungeliebte Stars

Somit verbleiben noch 28 Kandidaten, die in einem letzten Einzelsingen um den Einzug in die Top 15 kämpfen. Hoffentlich lässt man die Teilnehmer in dem finalen Recall sich einfach auf die Musik konzentrieren, anstatt sich überflüssigem Geplänkel zu widmen. Ein frommer Wunsch, aber es wäre wirklich toll. Oder “geil”, um es jugendsprachlich zu sagen.

James Brunt

Facebook
 
Kommentare
13.02.2011
13:51
„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“
von Ork666 | #6

Wenn die Show doch so schlecht ist, warum schenkt diese Zeitung ihr dann noch Aufmerksamkeit und warum betätigt die Bundesrepublik nicht einfach den Aus- Knopf am Fernseher? Dann verschwindet Dieter Bohlen ganz schnell von der Mattscheibe.

13.02.2011
13:39
„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“
von La_lutte | #5

Dieter Bohlen und Patrick Nuo sind keine Vorbilder, sondern zwei affektierte Heuchler.
Die Puppe ist auch einfach nur eine schöne Witzfigur.
Es ist wirklich traurig, dass solche Verlierer öffentlich agieren dürfen.
Gemeint ist die Jury.
Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene brauchen sinvolle Herausforderungen.
Da werden andere Menschen von den RTL Missgestalten verheizt.
Schande

13.02.2011
13:38
„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“
von osis | #4

Anscheiend spiegelt diese Fernsehsendung auch den redaktionellen Anspruch der WAZ-Gruppe wider...

13.02.2011
12:34
„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“
von knoeterich | #3

Wenn das die Zukunft in Deutschland ist!?
Na dann, gute Nacht.

13.02.2011
12:30
„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“
von Dittsche | #2

Oder, Deutschland sucht die talentfreien Oberflachmaten.

13.02.2011
09:59
„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“
von sanjo | #1

Deutschland sucht die Superdoofen.Könnte doch auch treffend sein!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4274348/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
25.000 feierten in DO
Bildgalerie
Turka-Festival
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...