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Die Wirtschaft bangt um Griechenland und den Euro

27.05.2012 | 10:53 Uhr
Foto: /dapd/Michael Kappeler

Angesichts wachsender Unsicherheit über die wirtschaftliche und politische Zukunft Griechenlands werden Wirtschaftsvertreter zunehmend nervös. So kritisierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Spekulationen über einen möglichen Austritt Athens aus der Euro-Zone. Dadurch werde Unsicherheit geschürt, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der Nachrichtenagentur dapd.

Berlin (dapd). Angesichts wachsender Unsicherheit über die wirtschaftliche und politische Zukunft Griechenlands werden Wirtschaftsvertreter zunehmend nervös. So kritisierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Spekulationen über einen möglichen Austritt Athens aus der Euro-Zone. Dadurch werde Unsicherheit geschürt, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der Nachrichtenagentur dapd. "Von einem Austritt Griechenlands profitiert keiner in Europa." So werde nur "der Finanzsektor destabilisiert".

Auch der scheidende Vorstandsvorsitzende des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Louis Gallois, sieht die Gemeinschaftswährung in akuter Gefahr. "Die Krise ist schlimmer geworden", sagte Gallois der "Welt am Sonntag". "Es gibt das Risiko, dass Griechenland aus der Eurozone austritt. Das könnte zu einem Dominoeffekt führen und andere Länder mitreißen", warnte er. Europa brauche den Euro aber. "Die Europäer hängen am Euro und keiner weiß genau, wie man wieder aus der Gemeinschaftswährung aussteigen soll", sagte Gallois.

Trotz der Gefahren sollten sich die Euro-Staaten nach Ansicht der Commerzbank einen griechischen Austritt aus der Gemeinschaftswährung offen halten. "Es ist schlicht ein Gebot der Verantwortung, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten", sagte Privatkundenvorstand Martin Zielke dem "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. "Zudem würde ein Austritt Griechenlands, falls er denn kommen sollte, nicht das Ende des Euro bedeuten", beschwichtigte er.

Zugleich unterstützten die Wirtschaftslenker die ablehnende Haltung der Bundesregierung gegenüber Euro-Bonds. "Gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder bei nationaler Haushaltspolitik vergemeinschaften die Schulden und entbinden die Länder von ihrer Verantwortung für eine solide Wirtschafts- und Finanzpolitik", sagte Wansleben. "Sparen und Wachstum schließen sich nicht aus. Es ist richtig, dass sich Europa fragt, wie mehr Wachstum generiert werden kann", sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Dabei müsse "das Problem allerdings an der Wurzel - den hohen Staatsschulden - angepackt werden". Dazu müsste die "Hängepartie" nach der griechischen Neuwahl enden, um den Spar- und Reformkurs in dem Land schnell fortzusetzen.

Ähnlich äußerte sich auch Commerzbank-Vorstand Zielke. "Wir erkaufen uns für viel Geld etwas Zeit und lösen nicht die eigentlichen Probleme", monierte er. Euro-Bonds verbesserten die Wettbewerbsfähigkeit nicht, weil es Europa an politischer Einheit fehle.

dapd

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