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Dicke fühlen sich vom Staat diskriminiert

02.05.2012 | 13:04 Uhr

Der Verein Dicke e.V. hat der Bundesregierung eine massive Diskriminierung von übergewichtigen Menschen vorgeworfen. Der Staat gehe davon aus, dass dicke Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit krank würden. Daher würden sie dann auch nicht verbeamtet, sagte die Vereinsvorsitzende Gisela Enders der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.

Berlin (dapd). Der Verein Dicke e.V. hat der Bundesregierung eine massive Diskriminierung von übergewichtigen Menschen vorgeworfen. Der Staat gehe davon aus, dass dicke Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit krank würden. Daher würden sie dann auch nicht verbeamtet, sagte die Vereinsvorsitzende Gisela Enders der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Die Amtsärzte würden übergewichtigen Menschen sogar empfehlen, sie müssten mit einer Crash-Diät erst einmal ordentlich abnehmen.

Dies sei eine deutlich größere Gesundheitsgefährdung als das Übergewicht selbst. Das sei weder eine Hilfe "für den Staat, der dann sozusagen einen verdeckten dicken Menschen verbeamtet hat, und schon gar nicht für die Person selbst", sagte Enders vor dem 20. Internationalen Anti-Diät-Tag am 6. Mai, an dem Aktivisten gegen den Schlankheitswahn protestieren und Diskriminierungen anprangern wollen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Thomas Menn, verteidigte die Praxis. Die Ärzte seien nur bemüht, den Betroffenen zu helfen, sagte er dapd. Die Entscheidung über eine Verbeamtung falle nicht alleine aufgrund der Daten, sondern auch durch persönliche Gespräche. "Wenn eine Person in einem Monat zehn Kilo abnimmt, mache ich mir natürlich Gedanken."

Es sei jedoch die Aufgabe der Amtsärzte, möglichst viele Risikofaktoren vor einer Verbeamtung auszuschließen, sagte Menn. Bei einem Menschen mit einem einen Body-Mass-Index von 35 gebe es ein deutlich erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf- oder Blutdruck-Problemen.

Kritik auch an der Arbeitsagentur

Enders kritisierte, dass die Diskriminierung noch weiter gehe. So würden Übergewichtige bei der Arbeitsagentur automatisch in die Schublade der Schwervermittelbaren eingeordnet. Dort werde aufgrund der Optik und nicht aufgrund der Qualifikation entschieden. "Und damit haben die Arbeitsagenturen wahrscheinlich sogar recht", sagte Enders und forderte, dass auch die Körperform in die Antidiskriminierungsrichtlinien aufgenommen werden müsse.

Unterstützung erhielt sie von der Vizepräsidentin der Deutschen Adipositas Gesellschaft, Martina de Zwaan. Sie sagte, dass Übergewichtige nicht nur diskriminiert sondern auch in der Gesellschaft stigmatisiert würden. Es werde getuschelt und den Menschen der Vorwurf gemacht, dass sie nur wegen der eigenen Willensschwäche dick seien. Das führe dazu, dass sich viele der Betroffenen auch selbst die Schuld gäben.

Von Diäten und Fasten rät sie daher ab. "Damit ist es kaum dauerhaft möglich, Gewicht zu reduzieren", sagte de Zwaan. Daher seien Aktionen wie der Anti-Diät-Tag sinnvoll. Das Problem sei, dass "da eine riesige Industrie dahinter steckt". So werde in Anzeigen die Hoffnung geschürt, dass man 16 Kilogramm in vier Wochen verlieren könne. "Das ist zwar möglich, aber nicht langfristig zu halten."

Sie empfehle Menschen, die durchschnittlich übergewichtig sind, ihre Gewohnheiten in kleinen Schritten umzustellen und die Nahrungszusammenstellung zu ändern. Nur bei massivem Übergewicht seien radikalere Maßnahmen notwendig, beispielsweise ein Operation. Strenge Diäten machten aber auch in diesen Fällen keinen Sinn.

dapd

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