Deutsche Elite-Einheit war an Kundus-Luftangriff beteiligt
10.12.2009 | 08:50 Uhr 2009-12-10T08:50:00+0100
Berlin. Soldaten der Bundeswehr-Elite-Einheit KSK waren aktiv an der Vorbereitung des umstrittenen Luftangriffs bei Kundus beteiligt. Bei dem von der Bundeswehr angeordneten Angriff starben bis zu 170 Menschen. Guttenberg soll bis Mittwoch nichts gewusst haben - im Gegensatz zu Vorgänger Jung.
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Nach dem folgenschweren Bundeswehr-Einsatz gegen zwei Tanklastzüge in Afghanistan sickern immer mehr bisher geheim gehaltene Details durch. Nach DerWesten-Informationen aus Militärkreisen waren Soldaten der Bundeswehr-Elite-Einheit KSK (Kommando Spezialkräfte) an der Vorbereitung des von der Bundeswehr angeordneten Luftangriffs aktiv beteiligt, bei dem am 4. September bis zu 170 Menschen starben; darunter auch viele Zivilisten.
Der amtierende Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) soll davon bis gestern nichts gewusst haben. Sein Vorgänger Franz-Josef Jung (CDU), so ein mit dem Fall vertrauter Militär im DerWesten-Gespräch, „wusste Bescheid hat aber geschwiegen“.
KSK unterstützte wohl Oberst Klein im Kommandostand
Nach offiziell noch unbestätigten Berichten haben mehrere KSK-Soldaten der geheimen „Taskforce 47“ (TF 47) in der Nacht des Luftangriffs den deutschen Oberst Georg Klein im Kommandostand des Bundeswehrlagers Kundus in Nordafghanistan aktiv unterstützt. „KSK-Leute waren im Raum, als die Anforderung der Kampfjets erfolgte“, hieß es heute früh in Sicherheitskreisen.
Dieses Detail ist völlig neu und wurde der Öffentlichkeit bisher vorenthalten. Es könnte Bedeutung erlangen, weil die Frage bis dato nicht erschöpfend beantwortet ist, wie Klein zu seiner vielfach in Zweifel gezogenen Entscheidung gekommen ist. Haben die KSK-Leute den Oberst womöglich gedrängt, US-Kampfjets anzufordern?
Bislang liefen die offiziellen Darstellungen des Verteidigungsministeriums immer darauf hinaus, das Oberst Klein und sein Fliegerleitoffizier, Codename „Red Baron", allein gewesen seien, bevor die Bomben von US-Kampfjets abgeworfen wurden.
Ärger bei Verteidigungspolitikern
Entsprechend verärgert reagierten gestern Verteidigungspolitiker der Fraktionen im Bundestag. Rainer Arnold (SPD) sagte der DerWesten: „Wir gingen bisher fest davon aus, dass Oberst Klein die Entscheidung allein getroffen hat. Die Zusage des Ministeriums, alles rückhaltlos aufzuklären, lässt sehr zu wünschen übrig.“ Arnold machte sich am Morgen aus seinem Wahlkreis in Süddeutschland auf nach Berlin, um in der Geheimschutzstelle des Bundestages abermals vertrauliche Berichte über den Tathergang in der Bombennacht einzusehen.
Der Beteiligung der KSK-Soldaten an der Entscheidungsfindung von Oberst Klein kommt auch deshalb besondere Bedeutung zu, weil das Verteidigungsministerium anfänglich immer von drei Quellen sprach, auf die sich Klein gestützt habe: neben den Luftaufklärungsbildern der US-Piloten sei dies vor allem eine „menschliche afghanische Quelle“ gewesen, die dem deutschen Oberst per Telefon die Situation rund um die in einem Flussbett steckengebliebenen Tanklaster schilderte, die von Taliban gekapert worden waren. Dazu, so der damalige Ministeriumssprecher Thomas Raabe, habe es noch einen dritten Informationsstrang gegeben, über den er auf Anfrage von Journalisten jedoch keinerlei Angaben machen wollte. Später wurde die besagte „dritte Quelle“ überhaupt nicht mehr erwähnt. „Das klingt schon ziemlich nach Vertuschung“, sagte ein Mitglied des Verteidigungsausschusses auf DerWesten-Anfrage.
Zumal der jüngst öffentliche gewordene Bericht deutscher Bundeswehr-Feldjäger, der letztlich die Kehrtwende des neuen Ministers Guttenberg in der Bewertung des Luftangriffs einleitete (erst „angemessen“, dann „unangemessen“...) keinerlei Hinweise auf eine Beteiligung der KSK gibt. „Es liegen hier keinerlei Erkenntnisse vor, inwieweit nachrichtendienstliche Quellen in die Entwicklung des Lagebilds und in die Entscheidung eingebunden waren", heißt es in dem Bericht. Und weiter: „Es liegen auch keine Erkenntnisse vor, ob die Entscheidungen durch den Kommandeur...und weitere Personen...oder an anderer Stelle vorbereitet beziehungsweise getroffen wurden."
Glasklare Lüge von Schneiderhahn?
Pikant: Als seinerzeit die so genannten Ob-Leute der Bundestagsfraktionen im Verteidigungsausschuss danach fragten, ob Spezialeinheiten der Bundeswehr an dem Luftangriff in welcher Form auch immer beteiligt waren, lautete die Antwort des inzwischen zurückgetretenen Generalinspekteurs der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, nach Angaben von Dabeigewesenen: Nein. Ob es sich dabei um eine glasklare Lüge gehandelt haben könnte, wird ab nächster Woche der zum Untersuchungsausschuss umfunktionierte Verteidigungsausschuss zu klären haben. Allein die SPD-Opposition hat bereits 84 Beweisanträge formuliert. Ein 85. wird sich nun wohl anschließen.
Ungemach droht der Bundeswehr auch von anderer Seite. Karim Popal, der afghanische Rechtsanwalt aus Bremen, der die Hinterbliebenen der Opfer des Luftangriffs vertritt, kündigte im DerWesten-Gespräch an, dass er sich mit „einmaligen Entschädigungszahlungen“ nicht zufrieden geben wird. Popal will nach wochenlangen Recherchen in Afghanistan nachweisen können, dass der Angriff 137 Tote, 91 Witwen und 163 Waisenkinder hinterlassen hat. „Zudem werden 22 Menschen vermisst“. Weil alleinstehende Frauen in Afghanistan unter schwersten Diskriminierungen zu leiden hätten, müsse der Bund eine langfristige Hilfe in Form eines Entschädigungsfonds gewähren. Gespräche darüber will der Anwalt in der nächsten Woche in Berlin aufnehmen. Sollte sich die deutsche Seite wenig kooperativ zeigen, so Popal, „kann ich jederzeit aus dem Stand die entsprechenden Klagen vor Gericht einreichen.“
12:03
#114
Dies ist geschehen. 5 angebliche Taliban und über 140 Zivilisten. Darunter 36 Kinder.
08:11
Es sollte mal untersucht werden, welche Menge an Waffen bei den angeblichen Zivilisten, die getötet worden sind, gefunden wurden. Vieleicht kann man daraus Rückschlüsse ziehen, ob es wirklich Zivilisten waren !
04:23
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22:44
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22:27
@auge, #111:
Auch wenn ich mich nicht angesprochen fühle (weil, wenn sie meinen Text unter #110 richtig gelesen haben, werden sie feststellen, dass ich im Prinzip wohl ihrer Meinung bin), aber sie müssen vor den Haudrauf-Schreibern keine Angst haben, die meisten sind Papiertiger, die nur am Stammtisch nach ein paar Bier ihr Maul aufreissen, oder halt hier anonym. Ich hätte viel mehr Angst vor zukünftigen Terroranschlägen in Deutschland, wenn das mit dem militärischen Einsatz der Bundeswehr im Ausland so weiter geht.
21:21
Manche radikale Kommentatoren nach dem Haudrauf-Prinzip, egal ob ein paar unschuldige Kinder mehr oder weniger sterben machen mir richtig Angst. Wie verhalten die sich wohl mitten in unserer Gesellschaft mit dieser Einstellung?
21:11
Was ich auch immer nicht verstehe: bereits im Irak-Krieg, als auf Sadam Hussein Jagd gemacht wurde, haben die Amis immer so getan, als ob ihre Kampfbomber ihn durch ein Klofenster von der Brille schiessen könnten, wenn sie seinen Aufenthaltsort kennen. Jedenfalls habe ich das so in Erinnerung, wenn auch die Wortwahl eine andere war. Dass das so nicht geklappt hat, weiß man ja.
Aber um 2 dicke Tanklaster zu zerstören, braucht man auf jeden Fall keinen Bombenteppich, ein Angriff mit Bordkanonen hätte es wohl auch getan und möglicherweise weniger zivile Opfer gekostet.
Aber Tote hätte es in jedem Fall gegeben, so ist das nun mal im Krieg. Und jedes zivile Opfer ist eins zuviel. Abgesehen davon bin ich grundsätzlich gegen deutsche Beteiligung an Kriegseinsätzen, ob in Afghanistan oder sonstwo auf der Welt. Deutsche Soldaten sollten auf deutschem Boden bleiben
und ausschließlich zur Verteidigung unseres Landes da sein, nur dafür war die Bundeswehr ursprünglich gedacht. Deutsche soldaten haben nun mal dank eines wahnsinnigen Österreichers für alle Zeiten ein schlechtes Image im Ausland und sollten nie wieder einen Fuß auf fremden Boden setzen, aber dieser gute Vorsatz gerät immer mehr in Vergessenheit.
Wenn so ein Fehler unter rein amerikanischer Führung (oder anderen) passiert, spricht man lapidar von unvermeidlichen Kollateralschäden und geht zur Tagesordnung über, bei uns müssen sich sogar die Nachfolger der Verantwortlichen beschimpfen lassen.
20:32
Zu #8
Da der Bomberpilot offenbar bestimmen konnte wieviel Bomben er abwarf,ist er schuldig am Massaker.
Jeder denkende Mensch muss zu dieser Erkenntnis kommen.
Ich fass es nicht.
19:57
Die festgefahrenen Tanklaster stellten keine Gefahr da. Der Tod der Männer, Frauen und Kinder war nachgwiesener Weise millitärisch unnötig.
Offenbar verweigerte Oberst Klein mehrfach das Angebot des Jagdbomberpiloten durch einen Tiefflug die Menschenmenge zu zerstreuen. Offenbar bestätigte der Oberst eine laut Natostatut notwendige Feindberührung obwohl diese nicht vorlag. Der Bomberpilot lehnte offenbar den geforderten Abwurf von 6 Bomben ab.
Vor den Wahlen wurde der Vorgang verfälscht dargestellt um keine Wählerstimmen zu verlieren. Die Bevölkerung wird auch nicht über das geheime Treiben der KSK-Einheiten informiert.
Nach Aussage von Guttenberg befinden sich deutsche Soldaten aus juristischen Gründen in Afghanistan nicht im Krieg sondern in einem kriegsähnlichen Zustand.
Der Einsatz in Afghanistan dauert nun länger als der 2.Weltkrieg. Die Sicherheitslage hat sich in dieser Zeit nicht verbessert. Die Demokratisierung geht nicht voran. 150 Bundeswehroffiziere kritisieren Luftschlag und fordern Abzug aus Afghanistan (Darmstädter Signal).
Trotz allem gibt es hier immer noch Kommentatoren welche das Massaker für angemessen halten.
15:48
Weshalb hat man nicht statt der Bundeswehr die Passauer Feuerwehr nach Afghanistan geschickt. Die hätten der Taliban beim Diebstahl der Tanklaster geholfen. Alles wäre absolut ohne Tote von statten gegangen und Jung wäre noch Arbeitsminister.