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Der Rollator ist zum Lifestyle-Produkt geworden

07.01.2011 | 18:23 Uhr
Der Rollator ist zum Lifestyle-Produkt geworden
Der Topro Troja ist unter den höherpreisigen Rollatoren der beliebteste. (Foto: Joachim Kleine-Büning)

Essen.Der Rollator ist zum Lifestyle-Produkt auf einem hart umkämpften Markt geworden. Dem Patienten stehen sowohl Kassenmodelle als auch Luxusvarianten zur Auswahl, die ihn allerdings einiges kosten können.

Ob beim Golfen, Wandern oder Campen, für jede Situation gibt es einen Rollator. Die Gehhilfen haben den Sprung aus dem Abseits des reinen medizinischen Hilfsmittels hin zum Lifestyle-Produkt geschafft – ein hart umkämpfter Markt, auf dem in Deutschland etwa 20 Rollator-Hersteller konkurrieren. Patienten sind häufig bereit, für Extras einiges zu zahlen.

Einen Halter für das Getränk oder den Stock (beim Hersteller Topro für 19 beziehungsweise 35 Euro), ein Tablett (37 Euro), die Gepäcktasche (59 Euro) oder eine Lampe (22 Euro): Die Hersteller lassen sich immer neue Extras rund um die Gehhilfen einfallen. „Pimp my Rollator“ („Motz meinen Rollator auf“), nennt das Martina Koepp, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT), mit einem Schmunzeln. Ein Navigationsgerät für Rollatoren wird derzeit ebenfalls entwickelt.

Aber auch die Gehhilfen selbst unterscheiden sich sehr – vor allem in Gewicht und Handhabung. Während günstige Modelle schon ab 69 Euro zu haben sind (bei Verschreibung muss der Patient zehn Prozent selbst tragen), können die Ferraris unter den Rollatoren deutlich mehr kosten. Wer mit einem Gelände-Rollator zum Golfen oder Wandern möchte, muss bis zu 1000 Euro veranschlagen. In solchen Fällen müssen die Patienten den Mehrpreis selber tragen.

Topro Troja 2005 von Stiftung Warentest ausgezeichnet

Das Geschäft mit Rollatoren ist ein Wachstumsmarkt. Die Krankenkasse Barmer GEK zum Beispiel hat im vergangenen Jahr allein in NRW 15 696 Rollatoren an ihre Versicherten vermittelt – rund 1000 mehr als noch 2007. Das hat sie mehr als 1,5 Millionen Euro gekostet. Die Techniker Krankenkasse finanzierte im zurückliegenden Jahr bundesweit rund 19 000 Versicherten Rollatoren im Wert von fast 1,9 Millionen Euro.

Prämiertes Design
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Der Rollator Bechle Brado ist für sein Design mehrfach ausgezeichnet worden: mit dem Red Dot Award 2010, dem iF Design Award und dem Designpreis des Landes Baden-Württemberg Focus 2009 in Silber. Beim Brado solle sowohl die Optik als auch der Bedienkomfort stimmen. Mit 7,1 Kilogramm Gewicht ist er sehr leicht. Der Brado kostet nach Angaben des Herstellers 392 Euro. Er ist seit Ende 2009 auf dem Markt und wurde im vergangenen Jahr 4000 Mal verkauft, wie Kristijan Blazan vom Hersteller Dietz Reha-Produkte sagt. Das Unternehmen versuche, damit das Segment des erfolgreichen Topro Troja zu bedienen. NRWs größtes Sanitätshaus Luttermann gibt an, den Brado bisher noch kein Mal verkauft zu haben.

Seit Stiftung Warentest vor fünf Jahren den Topro Troja als Testsieger prämierte, ist er unter den höherwertigen Rollatoren der beliebteste, berichtet Jens Varwijk von Luttermann, dem größten Sanitätshaus in Nordrhein-Westfalen. Laut Angaben des Herstellers kostet der Troja 399 Euro, ist in manchen Sanitätshäusern aber auch günstiger erhältlich. 150 000 Mal konnte der norwegische Hersteller seinen Troja seit 2003 allein in Deutschland verkaufen.

Wer eine Gehhilfe braucht, sollte mit dem Rezept vom Arzt zu einem Sanitätshaus gehen. Das hat mit den gesetzlichen Krankenkassen einen direkten Vertrag über die sogenannte „Fallpauschale“ ausgehandelt. Es stellt dem Versicherten leihweise für fünf Jahre einen Rollator zur Verfügung – inklusive Service und Reparaturen.

Die Fallpauschalen liegen meist zwischen 70 und 100 Euro. Dabei handelt es sich auch um genau die Summe, die die Krankenkasse dazuzahlt, wenn sich der Versicherte für ein teureres Modell entscheidet. Bei dem Kassenmodell hat der Patient kein Mitspracherecht. Der Versicherte kann auch einen gebrauchten Rollator bekommen. Die Gehhilfe bleibt außerdem Eigentum des Sanitätshauses.

Der Trend geht zum Zweitrollator

„Das Standardmodell kann sicherlich noch optimiert werden – nicht nur was das Gewicht betrifft, sondern auch die Handhabung“, sagt Martina Koepp von der GGT. Jeder zehnte Kunde zahle heute drauf, um einen besseren Rollator zu erhalten, berichtet Jens Varwijk vom Sanitätshaus Luttermann. „Die Leute sind durchaus bereit, etwas in ihre Gesundheit zu investieren.“

Gesetzliche Krankenkassen sind dazu verpflichtet, ihren Versicherten nach einer Verordnung durch den Arzt einen Rollator bereitzustellen. Bei den privaten Kassen entscheidet der jeweilige Vertrag. So gibt die Signal Krankenversicherung an, sie habe „eine Vielzahl von Tarifen, die Rollatoren als Leistung vorsehen – andere Tarife hingegen nicht“.

„Der Rollator ist inzwischen zum Lifestyle-Produkt geworden“, sagt Koepp. Seit rund zwei Jahren habe er seine stigmatisierende Wirkung verloren. Und der Markt ist noch nicht erschöpft. Peter Stanowik vom Sanitätshaus Püttmann beobachtet bereits eine neue Entwicklung: „Der Trend geht zum Zweitrollator.“ Einen für drinnen, einen für draußen.

Kathrin Feldhofer

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Kommentare
09.01.2011
18:53
Der Rollator ist zum Lifestyle-Produkt geworden
von Soday | #3

Der Rollator ist zum Lifestyle-Produkt

Diesen Schwachsinn kann auch nur Jemand schreiben der nie auf denselben angewiesen war..!

09.01.2011
16:27
Der Rollator ist zum Lifestyle-Produkt geworden
von Pit Schnass | #2

Dat Rentnermopped, Luxus ist die eingebaute Ablage für die Apotheken-Umschau

09.01.2011
15:17
Der Rollator ist zum Lifestyle-Produkt geworden
von gonzo_999 | #1

Habe hier in Unna schon einen
Typen an der Tanke erlebt, der im
Rollator humpelnd vorfuhr, ne Menge
überteuerte Tanke-Pils-Bier
kaufte und dann zwei Strassen weiter,
wie ein junges Reh Richtung heimatlicher
Parkbank rollte

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