Der Kult um den toten Steve Jobs ist bizarr
06.10.2011 | 12:52 Uhr 2011-10-06T12:52:00+0200
Steve Jobs ist tot. Weltweit beherrscht diese Nachricht die Internetportale. Staats- und Regierungschefs bekunden ihr Beileid. In den sozialen Netzwerken trauert die Gemeinde. Seine Anhänger pilgern zur Apple-Zentrale in Kalifornien. Es ist eine seltsame Welt, in der wir leben.
Sicher – die Lebensgeschichte des Steve Jobs ist eine beispielslose Geschichte voller Höhen, einiger Tiefen. Sein Ende ist tragisch. Er war ein Visionär, ein Genie, vielleicht auch ein Philosoph. Der Mann hat denjenigen, die es sich leisten können, revolutionäre technische Geräte in die Hand gegeben. Mehr aber auch nicht. Er hat nichts für den Weltfrieden getan, er hat die Welt nicht von Hunger oder Krankheit befreit. Tun wir also nicht so, als sei der Erlöser 2.0 von uns gegangen.
Knüppelharter Unternehmer, knallharter Führungsstil
Steve Jobs war eben auch – und das vor allem – ein Unternehmer, der Produkte an den Mann und die Frau gebracht hat. Ein knüppelharter Unternehmer, dessen schroffer Führungsstil gefürchtet war. Dessen Unternehmen Apple den Datenschutz aushöhlt und über seine Apps Zensur betreibt. Für das in China Tausende Arbeiter für schlappe 140 Euro im Monat unter menschenunwürdigen Bedingungen malochen müssen.
Erinnert sich noch wer an Lu Xin (24 Jahre) oder Li Hai (19)? Das waren zwei von mindestens 14 Mitarbeitern des Apple-Zulieferers Foxconn, die sich in den vergangenen Jahren umgebracht haben, weil sie mit den Arbeitsbedingungen und dem Druck nicht mehr klar kamen.
Steve Jobs hat von den Bedingungen an den chinesischen Produktionsstätten gewusst. Noch einmal: Sein Tod ist tragisch. Der Kult, der um ihn gemacht wird, ist aber bizarr.
14:04
Lecker frisch ergoogelte Klischees. Macher und Kommentatoren auf Augenhöhe. Wie ist die Luft da unten?
18:34
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17:12
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12:41
Kottke war Jobs bester Freund, die beiden hatten auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung Indien bereist. Doch in Jobs Firma bekam Kottke nur einen Job in der Platinenfertigung. Obwohl er Mitarbeiter Nr. 12 war, wollte sein Freund und Chef ihm keine Aktienoptionen zugestehen. Schließlich schenkte ihm sein direkter Vorgesetzter 100 seiner eigenen Optionen, nachdem auch er ohne Erfolg versucht hatte, Jobs ein kleines Zugeständnis für Kottke zu entlocken.! ...vom Spiegel....da kann mann auch sehen er war ein Kamaradenschwein...ein machtversessenes egoistisches typisches kapitalistisches *********!
11:40
Steve Jobs, Begründer, erwaltungsratsvorsitzender und bis vor wenigen Wochen orstandsvorsitzender von Apple Inc. ist tot. Am 5. Oktober 2011 erlag er seinem Krebsleiden. Dass der milliardenschwere Superkapitalist unsere Welt verlassen hat, mag für seine Angehörigen und Freunde betrüblich sein - die quasi-Staatstrauer im Internet, in Online-Communitys und in anderen Medien ist aber unangebracht. Denn Apple ist selbst eine Art Krebsgeschwür im internationalen Kapitalismus, das seinerseits genug Leid und Tod auf der Welt verbreitet hat.
Apple, ursprünglich als Computerhersteller gegründet, ist heute unangefochtener Weltmarktführer im Bereich der MP3-Player (72% Marktanteil), im Bereich der Internet-Musikdownloads (85%) und immerhin noch am dritten Platz am Computermarkt. Das ergibt in Summe einen Konzern mit 65 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, mit einem Gewinn von 14 Milliarden und mit einem Umsatzwachstum von - trotz Wirtschaftskrise - zuletzt über 50% (2010). Derartiges schafft man nicht einfach mit toller PR und innovativen Erfindungen, wie wir glauben sollen, sondern durch maximale Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft. Und dies tut Apple insbesondere in Asien.
Das bekannteste Beispiel ist die taiwanesische Firma Foxconn, die im Auftrag von Apple in der Nähe von Hongkong produzieren lässt. Vor nicht allzu langer Zeit wurde bekannt, unter welchen Bedingungen dies geschieht: Auf einem Areal, in dem Fabrik- und Wohngelände auf engstem Raum kombiniert sind, arbeiteten bis zu 400.000 Menschen. Und dies bis zu 15 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, für umgerechnet 40 Euro im Monat, obwohl der regionale gesetzliche Mindestlohn das Doppelte beträgt. Die maximal erlaubten Überstunden von 36 pro Arbeiter und Monat wurden mit 80 problemlos übertroffen. Der Druck, der damit auf die v.a. chinesischen Wanderarbeiter ausgeübt wurde, führte im Jahr 2010 zu mindestens 18 Selbstmorden am Fabrikgelände. Die übrigen Arbeiter mussten sich daraufhin vertraglich dazu verpflichten, fürderhin von Suizid und extremer Selbstverletzung abzusehen.
Daneben gilt Apple als ein Unternehmen, das es mit Umweltschutzstandards nicht allzu genau nimmt (Verwendung giftiger Chemikalien, absichtlich reduzierte Lebensdauer der Produkte, Klimaschutz). Im Inneren des Konzerns werden die Arbeiter und Angestellten bespitzelt, angeblich um Industriespionage zu verhindern, bei personenbezogenen Kundendaten werden dafür umso weniger Sorge und Sorgfalt an den Tag gelegt. Und nicht zuletzt kann Apple aufgrund seiner Marktposition manipulativ Einfluss nehmen auf die Distribution - und Nichtdistribution - von Software. Im IT- und Kommunikationsbereich sind dies zwar keine Einzelfälle, die nur Apple betreffen, was die Sache aber auch nicht gerade besser macht.
Steve Jobs war Buddhist. Wollen wir hoffen, dass ihm sein Karma dazu verhilft, nun als einfacher ostasiatischer Arbeiter einer Apple-Produktionsstätte wiedergeboren zu werden. Die übernächste Reinkarnation wird dann sehr bald folgen.
11:29
Auch sehe ich in Jobs keinen ganz normalen Kapitalisten. Ich würde es sogar für sehr gefährlich halten, dies zu tun. Denn genau das war er allenfalls in einem sehr abstrakten Sinne.
Anders als der ganz primitive, gewöhnliche Kapitalismus, war der Kapitalismus des Steve Jobs - wie im Beitrag ja beschrieben - höchst raffiniert/ kulitiviert. Und das hat - neben den scheinbar realen genialen Ideen und Entwicklungen - dann schon eine zusätzliche Qualität für die Nutzer, wie die Vorkommentare andeuten.
Mehr noch: Jobs hat ja immer weniger eine Firma als eine Kirche/ Religionsgemeinschaft geführt. Und er scheint dies sehr viel besser gekonnt zu haben als vergleichbare Marken-Päpste.
11:19
Nicht zu vergessen sein Privatvermögen beläuft sich auf mehr als 7 Mrd. Dollar (5,2 Mrd. Euro) an. Hinter jedem Vermögen steht ein Verbrechen Honore Balzac. Wie wahr...
11:13
Das Trauerspiel um den Tod von Steve Jobs nimmt schon skurille Züge an: Japaner beten vor dem Bild des verstorbenen I-Gods, westliche Medien predigen den Erfindergeist und der US-Präsident hält eine schmalzige Rede auf den Unternehmer Steve Jobs.Was hat die Welt Menschen wie Steve Jobs aber tasächlich zu danken? Jobs weckte Bedürfnisse, die nicht nur gar nicht nötig sind, sondern die uns Menschen sogar zuwider sein müßten: Informationssucht, Individualisierung, Beschleunigung des Lebens - die psycho-sozialen Folgen sind bekannt.
Wer dann noch in Betracht zieht, unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen diese Produkte in China hergestellt wurden, um den Profit für Jobs zu maximieren, der kann in diese postumen Elogen nicht einstimmen. Ganz im Gegenteil:
Steve Jobs war ein ganz normaler Kapitalist, der alles tat um seinen Profit zu maximieren. Das klingt altmodisch, weil es schon bei karl marx so im Kapital stand. Aber letztendlich ist es darauf zu reduzieren. Nicht mehr und nicht mehr weniger bleibt von Jobs übrig.
14:43
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11:51
@ #68 von WABZ
Du/Sie haben natürlich recht. Ist mir das peinlich...
Das Medium verführt zum schnellen Kommentieren. Übrigens auf einem iMac. Na logo.