Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Schiffsunglück

Der Kapitän, ein Bauernopfer

25.01.2012 | 19:32 Uhr

Auf einem Schiff ist der Kapitän der uneingeschränkte Boss. Bei der Suche nach der Ursache der Katastrophe vor Giglio muss Francesco Schettino in die Verantwortung genommen werden. Er hat seine Passagiere in einer Notlage feige alleine gelassen. Ganz klar.

Allerdings kann er nicht der einzig Schuldige sein. Die schnelle Abkehr der Reederei von ihrem ersten Mann, den die Verantwortlichen in diese Position gehievt haben, wirft ein schlechtes Bild auf die „Costa Crociere“. Man wird das Gefühl nicht los, hier wird ein Bauernopfer gesucht, um die eigene Raffgier und Schlamperei zu vertuschen.

Das Verhalten der Rederei-Manager macht Angst. Die Costa-Gruppe zählt zu den Branchenriesen in der Kreuzfahrt. Wenn bei einem solchen Unternehmen so dilettantische Fehler gemacht werden, muss man sich generell Sorgen um die Sicherheit auf See machen.

Angelika Wölke

Facebook
 
Kommentare
03.02.2012
18:56
Der Kapitän, ein Bauernopfer
von Sparbier | #6

Quatsch, keine Reederei schreibt einem Kapitän vor, sein Schiff bei einer Verneigung auf die Backe zu legen.
Hier ist schlicht und einfach der Faktor Mensch in Person dieses unsäglich feigen Kapitäns schuldig; aus großer Borniertheit und dämlicher Risikobereitschaft.
Vor Jahren gab es ein ähnliches Unglück vor der Küste einer griechischen Insel, da hat der Schiffsführer Championsleague geguckt, bis sein Pott vor einen Felsen krachte.
Und wenn der Skipper sich selbst zuerst rettet, dann spricht das für sich.

Die Kapitäne dieser großen Schiffe müssen einfach viel besser ausgesucht und ausgebildet werden.

03.02.2012
14:17
Der Kapitän, ein Bauernopfer
von Duisburger9999 | #5

Die Luftfahrt macht schon seit mindestens 15 Jahren mit einem ähnlichen Konzept als Schlussfolgerung aus dem Birgenair Absturz von 1996 und einer Reihe anderer Unfälle, die auf mangelnde Kommunikation der Cockpit-Crew aufgrund hierarchischer Strukturen gute Erfahrungen.
Aber selbst bei bestem CCM (Crew Coordination Management) bleibt der Schiffsführer (Kapitän oder wie man ihn sonst nennen will) in letzter Konsequenz der Verantwortliche für die Sicherheit des Schiffs und wird sich auch nie ändern und das kann gar nicht anders sein.
Wenn ein Kapitän sein Schiff auf ein Seehindernis setzt, bei bestem Wetter in bekannten Gewässern. dann ist er für alle Folgen haftbar. Der Betreiber des Schiffs trägt darüber hinaus die Gefährdungshaftung für die Gefahren, die bereits bei ordnungsgemässem Betrieb von dem Fahrzeug ausgehen, umso mehr für alle Schäden, die das Fahrzeug bei Fehlern in der Führung verursacht. Für diese Fälle sollte man schliesslich versichert sein.
Die strafrechtliche Verantwortung jedoch, die trägt der Kapitän alleine, es sei denn er kann Fehlverhalten von Mitgliedern seiner Crew nachweisen, die für einen Unfall ursächlich sind und die er nicht kraft seiner Befehlsgewalt abstellen konnte.

03.02.2012
13:46
Der Kapitän, ein Bauernopfer
von mar.go | #4

Was heißt hier Bauernopfer; und was heißt - man wird das Gefühl nicht los -?
Die zahlreichen Verfehlungen und Lügengeschichten des Kapitäns in diesem
Unglücksfall sind doch wohl unbestritten, während eine Mitschuld der Reederei
erst noch bewiesen werden muß.
Viel schlimmer als die ganzen Schadensersatzforderungen, die sich sowieso
gegen die Reederei als Veranstalter richten, wäre der Verdacht, die Costa
Crociere beschäftige noch mehr solcher Formate unter ihren Kapitänen.

03.02.2012
13:40
Der Kapitän, ein Bauernopfer
von mar.go | #3

Was heißt hier Bauernopfer; und was heißt - man wird das Gefühl nicht los.......-
Die zahlreichen Verfehlungen und Lügengeschichten des Kapitäns in diesem
Unglücksfall sind doch wohl unbestritten.
Ob der Reederei darüber hinaus eien Mitschuld hat, wäre erst noch festzustellen.
Aber auch ohne eigenes Verschulden ist es die Reederei, die hier kräftig zur Kasse
gebeten wird.
Sämtliche Schadensersatzansprüch richten sich an die Adresse des Veranstalters.

30.01.2012
21:18
Der Kapitän, ein Bauernopfer
von heckerfrieder | #2

Aus den Meldungen schließe ich, dass es anderen Kapitänen, (in der Vergangenheit auch Schettino), möglich war und immer noch ist, ihre Schiffe in attraktiver Nähe, aber ohne Zwischenfälle, an der Insel vorbei zu führen. Schettino hat es in der Hand gehabt, Bedingungen auf der Brücke zu schaffen, die ein konzentriert ausgeführtes und hinreichend konservatives Manöver ermöglicht hätten. Die Offiziere sind ausgebildet, Schiffe dieser Größe durch Stockholms Schärenlandschaft oder norwegische Fjorde zu steuern. Sie sind trainiert, Entscheidungen im Team abzusichern und die Ausführung kritisch zu überwachen. Das hat nichts mehr mit Führungsstil a la Titanic zu tun. Es ist zu klären, inwieweit Schettino gegen die im Training vermittelten Grundsätze gehandelt hat, vor allem warum seine Crew das mitmachen musste. Näheres:

http://www.csmartalmere.com/Publications/Focus_on_function_(Shipgaz)_2010-May.pdf

Der Reederei wäre ein Vorwurf zu machen, falls Schettino bereits im Training nachvollziehbar gezeigt hätte, dass er alleinherrlich und selbstüberschätzend entscheidet und sein Team nicht im Sinne der obigen Regeln führte. Nur ist es schwer bis unmöglich, jemanden nur wegen seines "traditionellen" Führungsstils, ohne "harten" Anlass, von seiner Funktion zu entbinden, vor allem, wenn die Crew mitspielt und sonst alle zufrieden scheinen.

26.01.2012
07:46
Der Kapitän, ein Bauernopfer
von rudizehner | #1


Also ich werden diese Gesellschaft und ihre Titanics meiden...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6283979/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
Papst Benedikt wird 85
Bildgalerie
Kirche
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...