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Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich

14.06.2009 | 08:21 Uhr
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich

Berlin. Der Kanzlerkandidat der SPD versichert trotz der verheerenden Niederlage seiner Partei bei den Europawahlen und den jüngsten schlechten Umfragewerten, dass er der Richtige für den Job ist - und erhält vor dem Wahlparteitag demonstrative Rückendeckung.

Trotz der beispiellosen Schlappe der SPD bei der Europawahl hat Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier Kritik an seiner Autorität und seinem Kurs zurückgewiesen. «Ich habe keine Zweifel, dass ich der richtige Kandidat für die SPD bin», sagte der Vize-Kanzler unmittelbar vor dem SPD-Wahlparteitag am Sonntag in Berlin. SPD-Chef Franz Müntefering bescheinigte dem Außenminister, der richtige für einen zugespitzten Wahlkampf zu sein. Finanzminister Peer Steinbrück wies Spekulationen zurück, er solle neuer Kanzlerkandidat werden.

"Ich bin immer oben angekommen"

Steinmeier sagte, das schlechte Abschneiden seiner Partei bei der Europawahl werfe ihn nicht um: «Ich kenne unwegsames Gelände, liebe die Dolomiten und bin noch immer oben angekommen.» Die Bundestagswahl am 27. September sei noch längst nicht verloren. «Vor vier Jahren stand es 100 Tage vor der Wahl 48 zu 29 zwischen Union und SPD. Am Ende war praktisch Gleichstand.»

Unterstützung bekam der Kanzlerkandidat vom SPD-Vize Steinbrück. «Ein Wechsel drei Monate vor der Wahl, das ist völliger Unsinn», sagte er laut «Focus». «Ich mache das nicht.»

Allerdings müsse die SPD ihre Wahlkampfstrategie verstärkt auf Wähler in der Mitte der Gesellschaft ausrichten, fügte Steinbrück im «Spiegel» hinzu. Zugleich riet er seiner Partei davon ab, jetzt auf allzu scharfe Attacken gegen Union und FDP zu setzen. «Die Menschen haben von ritualisierten Auseinandersetzungen ziemlich die Schnauze voll. Sie können auch ein bloßes Gekläffe nicht nachvollziehen.»

Zwei von drei Bürgern glauben nicht an Comeback

An ein Comeback der SPD bis zur Bundestagswahl glauben nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage 63 Prozent der Bundesbürger nicht mehr, wie «Bild am Sonntag» berichtet. In der Umfrage rieten nur 54 Prozent den Sozialdemokraten, an ihrem Kanzlerkandidaten festzuhalten.

Der Parteivorsitzende Franz Müntefering betonte, Steinmeier sei der richtige Kandidat für einen zugespitzten Wahlkampf: «Er treibt die Politik an. Die Menschen vertrauen ihm. Auch darauf werden wir im Wahlkampf setzen.» Helfen werde dabei auch Altkanzler Gerhard Schröder.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz erwartet von dem Wahlparteitag einen «neuen Startpunkt». Scholz sagte dem «Tagesspiegel am Sonntag»: «Das wird der Partei den Motivationsschub geben, den wir brauchen.» Steinmeier werde «eine große Rede» halten.

Umweltminister Sigmar Gabriel riet seiner Partei, «auf keinen Fall unsere Strategie ändern, in der Krise Menschen zu helfen». In einem Interview sagte er: «Jeder, der das bei Opel oder Arcandor nicht will, muss wissen, dass es morgen ihn selbst unschuldig treffen kann. Unsere Botschaft an die Wähler lautet: Wenn es eng wird, gibt es nur eine Partei, die sich um die Menschen kümmert: die SPD.»

Mehr für Geringverdiener

Mit der Verabschiedung ihres Wahlprogramms durch die 525 Delegierten will die SPD am Sonntag in Berlin wieder politischen Boden gutmachen. Denn bei der Europawahl hatte sie mit 20,8 Prozent ihr niedrigstes bundesweites Wahlergebnis seit 1945 erzielt. Im Mittelpunkt des Programms stehen Steuererleichterungen für Geringverdiener und höhere Belastungen für Gutverdiener.

Grundsätzlich hatte die Parteispitze das 58-seitige Papier mit dem Titel «Sozial und demokratisch. Anpacken. Für Deutschland» schon im April auf einem Konvent abgesegnet. Falls die SPD im Herbst an die Regierung kommen sollte, will sie den Eingangsteuersatz von 14 auf zehn Prozent senken und den Spitzensteuersatz von 45 auf 47 Prozent erhöhen. Wer künftig beim Finanzamt per Postkarte auf seine Steuererklärung verzichtet, soll einen Lohnsteuer-Bonus von 300 Euro bekommen.

Die SPD fordert außerdem klare Regeln für die im Zuge der Krise außer Kontrolle geratenen Finanzmärkte sowie die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Ferner will sie eine Börsenumsatzsteuer einführen und Steuerhinterziehung verstärkt bekämpfen. Bei der Wende hin zu erneuerbaren Energien soll es bleiben, ebenso beim Atomausstieg.

Linke debattieren Strategiewechsel gegenüber der SPD

Der Bundesgeschäftsfuehrer der Partei Die Linke, Dietmar Bartsch. (Foto:ap)

Unterdessen wirbt der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch für einen Strategiewechsel: Nach dem für SPD und Linke gleichermaßen enttäuschenden Ergebnis der Europawahlen solle seine Partei  "nicht die SPD zum Hauptgegner machen", so Bartsch. Die Hauptgegner "sind die Neoliberalen in Union und FDP wie der Baron aus Bayern", fügte er mit Blick auf Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hinzu.

Die Linke müsse "alles" tun, "um mit der SPD auf Landesebene Bündnisse hinzukriegen." Die Linke wolle bei den Wahlen in Thüringen, Sachsen und im Saarland Ende August jeweils Regierungspartei werden. Ob Bartschs Appell in den Landesverbänden Früchte trägt, ist zweifelhaft: Für viele Linke - vor allem in den West-Gliederungen der Partei - gilt die SPD nach den Sozialreformen unter Bundeskanzler Schröder als Verräter an den den linken Zielen. (ap/afp)

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Kommentare
15.06.2009
12:45
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von harti | #43

Ist doch ganz einfach: Im September wählen wir alle CDU. Erst & Zweitstimme. Keine Stimmen für die anderen, Absolute Mehrheit. Und wenn uns dann nicht gefällt was die Veranstalten werden die in 4 Jahren in die Wüste geschickt.
Mann und Frau müßten sich nur einig sein.

15.06.2009
10:59
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von Abgebrühter Bruder | #42

Hartz hin oder Hartz her. Die SPD hat aus ihrer jahrelangen Regierungsverantwortung, egal ob an erster oder zweiter Stelle, viel zu wenig für die arbeitende Bevölkerung getan ! Für die meisten reicht es immer weniger. Die fortschreitende Technologisierung kommt uns seit circa 40 Jahren immer weniger zugute. Logischerweise klafft die Schere immer weiter auseinander. Wenn da mal bloß nicht ein Rückzugs-Mechanismus eingebaut ist, in dieser.

14.06.2009
22:50
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von franzjos | #41

Ein Hauptübel unserer Gesellschaft ist das Geldproblem. Vereinfacht sage ich mal: Jede Arbeit muss ordentlich bezahlt werden, auch das Papieraufsuchen in den Parks.
Wird alles ordentlich bezahlt, dann gibt es auch keine Pleiten, weil ja dann auch gekauft werden kann.
Es ist aber leider so, dass sich das Geld auf den Konten weniger Megareicher konzentriert und somit nicht mehr im Umlauf ist und als Folge davon entstehen dann die Pleiten, worauf es zu den Arbeitslosen kommt.
Wir brauchen Politiker die diesen Schwachpunkt in den Griff kriegen, wo sind sie?
Keine Sprücheklopfer sondern Macher.

14.06.2009
21:35
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von kuba4711 | #40

@ 37 franzjos. Diese sog. Sozialsünden des Genossen der Bosse machen unser Land flächendeckend kaputt.

14.06.2009
18:29
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von franzjos | #39

Bei der letzten Bundestagswahl hatte die SPD 34,2 % der Stimmen, bei der EU Wahl 20,8 % und die aktuellen Umfragewerte liegen bei 25 %.
Ich denke: noch einmal Schröder als Spitzenkandidat führte zu weit besseren Ergebnissen.
Mit seinem Gas hat er einen Segen über unser Land gebracht und was weiterhin wichtig ist, sind seine sehr guten Kontakte zum Osten; Erdöl und Ergasmengen sind nicht uneingeschränkt vorhanden.
Russland liegt mit in der „Strategischen Ellipse“, innerhalb dieser Ellipse liegen die meisten Ölreserven und die meisten Gasreserven der Welt.

Mit einem Liter Sprit kommt man genauso weit wie mit einem Liter Gas. Der Unterschied ist nur, dass 1 Liter Gas etwa halb so viel kostet wie 1 Liter Sprit und das bedeutet: wenn jemand bisher mit Sprit 200 Euro im Monat für die Fahrt zur Arbeit bezahlt hat, dann bezahlt er nunmehr mit Gas nur noch 100 Euro. Das macht im Jahr 1200 Euro Einsparung!
Wenn man jetzt mal positiv argumentiert, dann kann man sagen: diesen Segen hat GasGerd über dieses Land gebracht.
Ich glaube nicht, dass er seine Sozialsünden oder ähnliche in Zukunft wiederholen würde.

14.06.2009
12:56
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von kuba4711 | #38

@ 35 Immer Brett vorm Kopf ,es heisst einst.

Jetzt fasst Du dich schon kurz und machst trotzdem noch Mist.
Benutze öfter das Wort wäre.
Inzwischen weisst Du ja ,wie man es schreibt.

14.06.2009
12:28
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von immerNett | #37

Die SPD wird am Ende gewinnen? Niemand will eine Mauer bauen sagte auch eins Herr Ulbricht.

14.06.2009
12:08
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von voodoochild | #36

Hat die gesamte SPD irgendwelche illegalen Substanzen eingenommen????

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat seine Partei auf einen harten Richtungswahlkampf eingestimmt. Die Schlappe bei der Europawahl bezeichnete er als Mist und gab sich auf dem Parteitag in Berlin betont selbstbewusst: Wir werden am Ende gewinnen.

http://www.stern.de/wahl-2009/:SPD-Parteitag-Steinmeier-fulminanten-Wahlkampf/703571.html

14.06.2009
11:59
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von erbsenzaehler | #35

Ich empfehle das Buch Die Deutschlandakte - Was Politiker und Wirtschaftsbosse unserem Land antun von Prof. Hans Herbert von Arnim (Verfassungsrechtler).

Öffentlich beschwören sie das Gemeinwohl, tatsächlich aber haben sie nur das eigene Wohl im Sinn. Parteienpatronage, Gleichschaltung der Medien, politische Einflussnahme auf Justiz, Wissenschaft und Großunternehmen sowie Korruption gehören zum alltäglichen Geschäft. Die politische und wirtschaftliche Klasse hat die Verfassungsregeln, die sie eigentlich bändigen sollen, im eigenen kurzsichtigen Interesse entschärft und agiert, absoluten Herrschern gleich, zunehmend im kontrollfreien Raum. Wirkliche Sanktionen sucht man selbst bei offensichtlichem Versagen meist vergeblich. ...

Dem ist meiner Meinung nach nichts mehr hinzuzufügen!!!

14.06.2009
11:39
Der Kandidat Steinmeier zweifelt nicht an sich
von der hauer | #34

der mann ohne rückrat ( Steinmeier ) hat zweifel an sich????da hat er auch allen grund zu.

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