Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Kommentar

Der Irrsinn der Städte

14.04.2010 | 20:00 Uhr

Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Verwaltungsbürokratie überfordert ist. Im Fall Karstadt aber muss man sich schon fragen, ob hier in mancher Kämmerei des Ruhrgebiets, namentlich in Bochum und Mülheim, noch alle Akten im Schrank stehen.

Da verzichten die Gläubiger des Karstadt-Konzerns, darunter Handwerker, mittelständische Zulieferbetriebe und Mitarbeiter, die wegen der Pleite nicht nur ihren Arbeitsplatz sondern auch ihre Abfindung verloren haben, auf sage und schreibe 97 Prozent ihrer Forderungen, um dem Unternehmen eine Zukunft zu eröffnen. – Und in Bochum und Mülheim denken sie ernsthaft daran, Gewerbesteuer zu kassieren auf einen außerordentlichen Ertrag, der allein deswegen in den Büchern auftaucht, weil die Gläubiger verzichtet haben. Hier zuzugreifen, wäre mehr als schäbig und gefährdete das gesamte Insolvenzverfahren. Kein Mensch würde auf seine Forderungen gegen Karstadt verzichten, wenn er damit rechnen müsste, dass sich die Kommunen auch noch an seinem Verzicht bereichern. Und wie passen solche Überlegungen zu dem Gejammer in den Kommunen über verödende Innenstädte? Dass sich das Innenministerium hinter der vermeintlichen Komplexität der Materie versteckt, macht das alles auch nicht besser.

Thomas Wels

Facebook
 
Kommentare
16.04.2010
09:46
Der Irrsinn der Städte
von geb.bochumer | #4

Was ist teurer?

Der Verzicht der Gewerbesteuer oder das Auszahlen von Arbeitslosengeld?
Mal davon abgeshen, dass ein Arnbeirslose/Arbeitsloser dann auch weniger Kaufkraft hat.

15.04.2010
21:04
Der Irrsinn der Städte
von rockingmom | #3

Man könnte auch die Schlüsselzuweisungen wieder erhöhen. Dazu muß aber im Bund angefangen werden, dann über dasa Land an die Kommunen.

15.04.2010
13:28
Der Irrsinn der Städte
von PBB | #2

Wenn der Herr Wels in den letzten Wochen öfter mal in die WAZ geschaut hätte, wüßte er, dass die meisten Städte im Ruhrgebiet gar nicht anders können / dürfen, als diese Gewerbesteuer auch einzuziehen.
Angesichts der finanziellen Situation - Nothaushaltsgemeinden - dürfen Städte gar nicht auf Steuern verzichten, die ihnen rechtlich zustehen. Der Ermessensspielraum ist bei solchen Städten gleich null!

Nach meiner Erinnerung wurden mehrere Städte, u.a. Oberhausen seitens der Kommunalaufsicht bereits gezwungen, ihre Gewerbesteuerhebesätze anzuheben.

Freiwillige Leistungen, und ein Verzicht auf Steuern wäre so etwas, dürfen solche Städte nicht mehr bezahlen.

Der einzige, der in dieser Situation helfen könnte, wäre der Innenminister, der den Städten per Erlass freistellen müsste, auf die Steuer zu verzichten.

15.04.2010
12:43
Der Irrsinn der Städte
von Ich wars | #1

Das war doch klar, oder? Wenn es ums Geld bekommen geht, schaltet bekanntlich bei Bund, Land und Komune der logische Verstand ab und man sieht nur noch G E L D ... raffen,
raffen, raffen ....
Kennwer doch ???!!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3474472/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
25.000 feierten in DO
Bildgalerie
Turka-Festival
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...