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Den Republikanern fehlt der Kompass

01.02.2012 | 08:51 Uhr
Den Republikanern fehlt der Kompass
Bad in der Menge: Mitt Romney begrüßt in Florida seine Anhänger. Foto: ap

Washington.   Mitt Romney oder Newt Gingrich? Die Republikaner in Amerika können sich einfach noch nicht entscheiden, wen sie im Herbst gegen Amtsinhaber Barack Obama aufbieten wollen. Daran hat auch Florida nicht wirklich etwas geänder

Romney hat Gingrich zwar deklassiert, ja gedemütigt. Ob der bereits zweimal totgesagte Gingrich eine dritte „Wiederauferstehung“ schafft, erscheint fraglich. Die generelle Ernüchterung über das Spitzenpersonal quer durch Partei und Wählerschaft aber bleibt. Ein programmiertes Dilemma.

Newt Romney ist gemessen an seiner Biographie ein sehr reicher Ostküsten-Liberal-Konservativer, der heute gegen eigene Überzeugungen beinharte Positionen von Abtreibung über Einwanderung bis hin zur Krankenversicherung vertreten muss, um den notorisch gegen Washington randalierenden, aber einflussreichen Parteiflügel der Tea-Party-Bewegung nicht gegen sich aufzubringen.

Newt Gingrich, ein von Sendungsbewusstsein geleiteter Polit-Schlawiner, der sich in den Washingtoner Machtzirkeln in 30 Jahren die Standfestigkeit eines Goldfischs antrainiert hat, betätigt sich als Megaphon der über eben dieses Washington Enttäuschten. Dass diese beiden in der Endverlosung um das Ticket gegen Obama sind, die Herren Santorum und Paul waren und bleiben weiter nur Staffage, ist bestürzend angesichts des Porzellans, das beide zerschlagen haben, um billigen Beifall einzufahren.

„Europa: Die Hochburg des verfehlten Sozialismus“

Romney hat China mehrfach den Handelskrieg erklärt und gestern Europa einmal mehr pauschal als Hochburg des verfehlten Sozialismus denunziert. Gingrich verkündete erneut, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, was für den Nahostkonflikt ungefähr so wäre, als würde jemand Spiritus in ein offenes Feuer kippen.

In den verleumderisch aufeinander eindreschenden Kontrahenten zeigt sich der tiefe Riss in einer Partei, deren Gruppen und Grüppchen immer weniger miteinander gemein haben. Neokonservative Irak-Krieg-Anhänger. Aus Kriegserfahrungen weise gewordene Pazifisten. Bündnis-Treue. Isolationisten. Libertäre Anti-Staats-Verfechter. Amerikanische Sozialdemokraten. Groß-Kapital-und-Wall-Street-Freunde. Groß-Kapital-und-Wall-Street-Feinde. Wiedergeborene Evangelikale, denen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften Teufelszeug sind. Sozial-liberale Konservative, die Frauen wie Männern private Autonomie zugestehen. Steuersenkungs-Fanatiker. Befürworter von Steuererhöhungen für Reiche. Verfechter einer Krankenversicherung für alle. Anhänger einer Risikogesellschaft pur .

All diese Fraktionen haben nur deshalb widerwillig zusammen gehalten, weil sie der Hass auf den zuverlässig in der gesellschaftlichen Mitte segelnden Demokraten Obama geeint hat. Mit fortschreitender Vorwahl-Dauer wird dieser Kitt aus den Fugen fliegen und den Blick freilegen auf eine Partei, deren konzeptschwache Führung keinen Kompass mehr hat, weil millionenschwere, die Gesellschaft zersetzende Einflüsterer Mitglieder und Wähler auf Kollisionskurs hetzen. Der Amtsinhaber wird sich das zu Nutze zu machen wissen.

Dirk Hautkapp

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Kommentare
05.02.2012
10:50
Den Republikanern fehlt der Kompass
von Gievelsbiaerger | #3

Ob in den USA ein Demokrat oder ein Republikaner regiert, ist gehoppst wie gesprungen !
Ein turbokapitalistischer, imperialistischer, militaristischer und Menschenrechte mit den Füssen tretender Staat bleibt diese Macht des Bösen allemal !

01.02.2012
10:26
Weiss man schon...
von KFR001 | #2

wieviele Tote mit Führerschein in Florida zur Wahl gegangen sind ??
Offenbar haben die Opfer des 2008-Crash einem Beteiligten in christlicher Nächstenliebe vergeben.

01.02.2012
09:29
Den Republikanern fehlt der Kompass
von xdiexgedankenxsinnfreix | #1

Hoffentlich bleibt uns diese republikanische Muppets Show mit einem neuen "Wheel of Fortune" anchorman an der Spitze erspart.
Obama braucht noch mehr Zeit. Ich denke er hat in der 1. Amtsperiode viel Lehrgeld zahlen müssen, kann den republikanischen Kötern aber den eigenen Schwanz zu fressen geben. Die wissen das, und mangelsl rationaler Alternative zu Obama, versuchen sie jetzt irgendeinen Deppen populistisch ins Amt zu drücken. Glücklicherweise konnten viele Amis in den letzten Jahren ein eigenes politisches Bewußtsein entwickeln, so daß wir guter Hoffnung sein dürfen, keinen von Reagen- und Bushdämonen Besessenen im US-Präsi Amt zu erleben.

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