„Das Medium“ - 60 Minuten Dauerfrechheit bei RTL
01.11.2010 | 08:54 Uhr 2010-11-01T08:54:00+0100
Essen.Einen Tag vor Allerheiligen schickte RTL „Das Medium“ los, um mit den Toten zu sprechen. Heraus kam eine 60minütige Dauerfrechheit, die in den Bereichen Zynismus und Abgezocktheit neue Standards setzte.
Bis vor kurzem gab es einen Deal im Privatfernsehen: Die Betrüger der ganz plumpen Sorte gehen erst nach Mitternacht auf Sendung. Dann sitzen nur noch die Einsamen vor der Kiste – diejenigen, die die Nummern der „heißen Girls“, Hütchenspieler und Esoterikfreaks schon deshalb wählen, um überhaupt mit jemandem zu sprechen. Es ist eine Zielgruppe, die sich in der Regel nicht beschwert.
Mit „Das Medium“ bricht RTL diesen Deal. Das könnte man vielleicht verschmerzen, wenn es hier nur um Betrug ginge. Leider ist „Das Medium“ noch auf so vielen anderen Ebenen eklig, dass man sich als Zuschauer nach der Sendung am liebsten waschen will.
Pseudo-einfühlsame Fragen
Wenn es nicht um echte Todesfälle ginge, müsste man „Das Medium“ als Mischung aus Mystery-Serie und Schmierenkomödie bezeichnen. Drei Fälle wurden in der gestrigen Folge aufgerollt – ein ungeklärter Autounfall, ein Doppelmord auf Mallorca und schließlich der Tod des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Barschel vor 23 Jahren. Was die Polizei nicht klären konnte, soll nun von Kim-Anne Jannes aufgedeckt werden, einer 38jährigen Schweizerin mit unklarer Qualifikation – falls man in einem nicht-existenten Wissensgebiet überhaupt Qualifikationen haben kann.
Begleitet wird Frau Jannes von Petra Neftel, einer Moderatorin, wie sie so nur das Privatfernsehen hervorbringen kann. Ihre Aufgabe ist es, pseudo-einfühlsame Fragen zu stellen („Wie haben Sie auf die Nachricht vom Tod Ihres Liebsten reagiert?“), den Kopf lauschend zur Seite zu legen und die Sendung generell mit der Art von triefender Groschenroman-Prosa zu füllen, ohne die RTL-Formate anscheinend nicht mehr auskommen. Zusammen ergibt das einen Mix aus Eitelkeit und geheucheltem Interesse, der fast noch ärgerlicher ist als die „Jenseits-Kontakte“ des angeblichen Mediums.
Apropos: Angeblich kennt Frau Jannes die Schicksale der jeweiligen Opfer nicht. So wird sie, zum Beispiel, in die Villa von Barschel-Witwe Freya geführt. Off-Kommentar (sinngemäß): „Kim-Anne Jannes weiß nicht, dass sie vor einem Prominentenhaus steht.“ Schade nur, dass genau in diesem Moment deutlich das Klingelschild im Bild ist. Schnitt auf die Moderatorin, die nun mit Freya Barschel im Wohnzimmer sitzt und ohne erkennbaren Grund nach dem Lieblingsplatz Ihres Mannes fragt. „Gleich da drüben – auf diesem Lesesessel.“ Fünf Minuten später steht das „Medium“ in der Eingangshalle und kolportiert die erste Botschaft aus dem Jenseits – „Ich sehe einen gemütlichen Sessel.“ Welch ein Zufall.
Dummdreiste Täuschungen
Man könnte die Liste der dummdreisten Täuschungen noch verlängern – bis hin zum Tiefpunkt der Sendung, in der Jannes allen Ernstes die (wirkliche) Ermordung eines kleinen Jungen in der „Todesfinca“ auf Mallorca rekonstruiert, was mehrfach mit Schussgeräuschen aus dem Off untermalt wird. Spätestens an dieser Stelle fragt man sich als Zuschauer, ob die Sendelizenz von RTL eigentlich verlängert werden sollte.
Am Ende ist das einzig Erstaunliche an dieser Sendung, wie Moderatorin und „Medium“ es schaffen, den Hinterbliebenen ins Gesicht zu schauen, ohne dabei vor Scham im Boden zu versinken. Was man schon immer ahnte, wird in „Das Medium“ bestätigt: In Sachen Abgezocktheit macht RTL keiner was vor.
19:01
Da ich keinen Fernseher besitze, kann ich zur Sendung nichts sagen. Interessant finde ich nur, daß sich Leute offensichtlich eine Stunde lang den letzten Schrott reinziehen und sich danach über eine Dauerfrechheit ereifern. Wenn sie wirklich nicht wissen sollten, wie man sich vor solchem Kulturgut schützt - dann hat RTL mit der Sendung wohl genau seine Zielgruppe gefunden.
11:44
@20 Man muss die Sendungen nicht sehen. Es reicht, die anschließenden Presseberichte und die dortigen Kommentare der Leser zu lesen.
Ich habe meinen Fernseher auf den Müll gebracht. Er war defekt und den Umstand habe ich genutzt, indem ich auf einen Neuen verzichtet habe und das war 2005.
Dennoch bin ich auf dem Laufenden und manche Sendung kann später im Internet gesehen werden, wenn man als Folge von Kommentaren eine Notwendigkeit sieht, um darüber reden zu können.
Darüber reden, dass mache ich seltener in Form von Kommentaren (wie hier), sondern vor allem auf meiner Internetseite.
18:02
ich habe Kim-Anne Janes bereits vor der Sendung persönlich kennen gelernt und ich finde es eine Frechheit diese Frau als Schwindlerin darzustellen, denn das ist sie ganz und gar nicht! Ich habe einige Ihrer Seminare besucht und war erstaunt über Ihre Fähigkeiten! Damit bin ich keine Naive die auf hokus-bokus reinfällt den ich habe vor diesem treffen selbst nicht daran geglaubt! Aber wenn man keine Ahnung von solchen dingen hat solte man auch solche Artikel vermeiden! Denn einen Menschen schlecht zu machen den man nicht kennt finde ich persönlich unterste Schublade
23:52
Der Bericht sowie die meisten Kommentare dazu, sind voller Vorurteile und Unwissenheit auf diesem Gebiet. Nur weil man etwas nicht sehen oder fassen kann, muss es nicht gleich eine Lüge oder sogar Betrug sein. Das es in diesem Gebiet viele Betrüger gibt ist unbestreitbar.Jedoch auch kein Grund alle über einen Kamm zu schären! Die heutige Generation möchte für alles eine Erklärung oder Beweise haben um an etwas oder jemandem glauben zu können. Oftmals sind solche Themen wie sie im Bericht kritisiert werden, bei vielen mit persönlichen Àngsten verbunden.Fällt es einem schwer sich damit auseinanderzusetzen, so wird dieses mit z.B. Intoleranz und Vorurteilen überspielt...schwache Leistung!
12:18
@ 72: Verwirren Sie die Angesprochenen doch nicht so ! Wenn Sie denen das Schubladendenken versauen geht die ganze Aufregerei doch nicht mehr so richtig !
00:13
Ich kenne Kim gut und hatte bereits einige Sitzungen. Ich kann verstehen, dass der Kontakt mit Verstorbenen sehr schwer zu glauben bzw. zu begreifen ist. Auch ich hatte als Wissenschaftler meine Probleme damit. Die Beweise die sie erbracht hat sind sehr erstaunlich und lassen nur den Schluss zu, dass es wirklich möglich ist.... Die Intoleranz, Vorverurteilung und unsachliche Konmentare sind wirklich unmöglich!
19:52
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09:18
Immer eine kleine Prise Mallorca in die Gülle rühren und, laut Einschaltquote, Millionen Flieg... äh, Fernsehzuschauer können nicht irren.
Der gemeine BLÖD/RTL-hörige Dumm-Michel fühlt sich direkt wie zuhause, denn aufgrund seines 239€-alles-inklusive-zwei-Wochen-Traumurlaub am Ballermann geht ihn das ja irgendwie auch an.
Bitte, liebe Leser, bitte mal Free Rainer - Dein Fernseher lügt oder Idiocracy anschauen!!!!
01:32
aha... und trotz allem haben mindestens 60 von allen, die hier ihren senf dazugegeben haben, die sendung gesehen... warum?
noch unverschämter als diesen beitrag finde ich hier diese menschen, die andere als hartIV-empfänger und assis abstempeln, nur weil sie deren meinung nicht teilen und eben an ein leben nach dem tod glauben. wo nehmt ihr euch denn das recht her, so über andere zu urteilen?! es gibt auch gebildete menschen, die gefallen an solchen sendern haben, aber die verblöden nach eurer aussage auch,oder? wirklich traurig...
so wie ihr das zeug auf rtl als schwachsinnig empfinet, finden andere widerum das programm auf ard usw. langweilig...na und? deswegen ist es ja auch jedem selbst überlassen, was er sehen will und was nicht!
ach ja, und sooo toll seid ihr auch nicht, nur weil ihr die öffentlichen sender verehrt,steigt bitte wieder von eurem hohen ross herab!
ich sehe mir sowohl auf öffentlichen als auch privaten sender sendungen an....in welche schublade werde ich nun gesteckt?
22:16
Dieser mediale Bertelsmann- und Bild-Sondermüll - ohne erkennbares Endlager - gefährdet auf Dauer die Grundlagen unserer Demokratie. Denn diesen zielgerichtet verblödeten Volksmassen steht verfassungsgemäß das Wahlrecht zu. Ende offen. Ende absehbar.
Einen Aspekt berücksichtigt diese Bewertung allerdings nicht: Diese medial im Kopf degenerierten Bürger gehen erst gar nicht mehr zur Wahl. Aber diese politisch neutralisierten Wähler sind letztlich für die herrschenden korrupte politische Klasse nur nützlich.