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Porträt

Das Auf und Ab des Robert Enke

10.11.2009 | 22:22 Uhr

Hannover. Familienmensch, tadelloser Sportsmann, Tierfreund - der verstorbene Robert Enke war stets bereit, das Wohl anderer über seine eigenen Bedürfnisse zu stellen. Sportlich ging es für ihn seit seiner Rückkehr zu Hannover 96 steil bergauf - doch er kannte auch die Schattenseiten des Lebens.

Robert Enke. Foto: afp

Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass der fast immer sachliche und abgeklärte Enke und seine Frau Teresa mit dem Tod ihrer zweijährigen Tochter einen harten Schicksalsschlag hinnehmen mussten. Die kleine Lara hatte einen schweren Herzfehler und starb nach einer Operation im September 2006.

Diese schwierige Zeit hat Robert Enke stark geprägt. 'Unsere Tochter war fast ein Jahr im Krankenhaus, davon ein halbes Jahr auf der Intensivstation. Das verändert die Sichtweise. Ich habe gelernt, andere Prioritäten zu setzen', sagte er damals, nachdem er lange und verzweifelt um das Leben seiner Tochter gerungen hatte.

Doch spätestens im Mai 2009 schien die Welt des Robert Enke wieder voller Glück, Zuversicht stand ihm ins Gesicht geschrieben. Das Ehepaar Enke adoptierte ein zwei Monate altes Mädchen namens Leila. 'Wir sind sehr, sehr glücklich und dankbar für diesen kleinen Menschen, der in unser Leben getreten ist', sagte er. Es schien eine zweite Chance für das Familienglück zu geben.

Auf dem Weg zum Stammtorwart der Nationalelf

In Hannover hatte der 96-Kapitän und unumstrittene Führungsspieler zudem nach einigen Rückschlägen sein sportliches Glück gefunden. Er war auf dem besten Weg, als Stammtorhüter mit der Nationalmannschaft zur WM nach Südafrika zu fliegen - doch dann kam eine wochenlange, bisweilen rätselhafte Viruserkrankung dazwischen.

Seine berufliche Karriere verlief generell nicht unbedingt gradlinig. In seinen fußballerischen Anfängen war Enke Feldspieler beim SV Jenapharm Jena, ehe er als Torwart zu Carl Zeiss Jena gelangte und dort 1995 Profi wurde. 1996 wechselte er zu Borussia Mönchengladbach, um drei Jahre später den Schritt ins Ausland zu wagen. Benfica Lissabon, der FC Barcelona, Fenerbahce Istanbul und CD Teneriffa hießen die Stationen, bevor der Keeper 2004 nach Hannover kam. Den Wechsel ins Ausland hat er dabei bewusst schon in jungen Jahren gewagt.

Auslandsjahre waren harte Prüfung

Auch wenn die insgesamt fünf Jahre in der Fremde mit Höhen und Tiefen verbunden waren, habe er dort 'einige wertvolle Erfahrungswerte' gesammelt. So musste Enke nach drei erfolgreichen Spielzeiten in Lissabon bei Barcelona überwiegend mit der Ersatzbank vorliebnehmen. Nicht leicht hatte er es auch nach seinem Wechsel an den Bosporus, wo er unter Trainer Christoph Daum nach einer Niederlage in seinem ersten Spiel von den eigenen Fans mit Feuerzeugen und Flaschen beworfen wurde. Er verließ Fenerbahce nach nur wenigen Wochen, weil er 'diese überdrehte Leidenschaft und diese Brutalität gegenüber Verlierern' nicht aushielt. Sie widersprachen seiner Vorstellung von Fairness und Respekt eklatant. 'Dreieinhalb Jahre im Ausland waren sehr gut, anderthalb Jahre nicht so gut. Aber auch diese bereue ich nicht', sagte er im Rückblick.

Robert Enke war ein Freund klarer Worte, aber keineswegs impulsiv oder extrovertiert. Lediglich, wenn er den sportlichen Erfolg gefährdet sah, konnte Robert Enke, der einen ansteckenden und trockenen Humor besaß, ungemütlich werden. 'Er konnte in der Kabine explodieren', sagte sein früherer Mitspieler Michael Tarnat. Neben der Familie und dem Fußball waren Hunde seine große Liebe. Als er während seines Spanien-Abstechers das Schicksal der Straßenhunde sah, holte er sich selbst einige kranke Vierbeiner ins Haus. Am Ende waren es mehr als fünf Hunde, die er mit seiner Gattin pflegte. (sid)

DerWesten

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Kommentare
11.11.2009
13:20
Blockierter Kommentar.
von James.Brunt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

11.11.2009
08:06
Das Auf und Ab des Robert Enke
von dippi | #2

Ich fühlte schon damals stark mit ihm und seiner Frau mit, als sie ihr Kind verloren haben. Solch ein Leid ist niemandem zu wünschen und es ist verständlich, dass viele Menschen so etwas nicht verkraften können.

Dennoch muss man seinen Selbstmord von zweierlei Seiten betrachten.

Einerseits wird er seine Gründe, welche ihn zu einer solchen Verzweiflungstat getrieben haben, gehabt haben.
Die andere Seite ist jedoch die, dass er dadurch seine Frau, die das gleiche durchgemacht hat, und seine Tochter im Stich lässt.
Deshalb gilt mein Beileid und mein Mitgefühl vor allen Dingen der Familie von Enke und ich hoffe, dass sie die Kraft findet diesen Schmerz zu überstehen.
Ich verstehe nicht wie Enke seiner Familie dies antun konnte.
Ich finde es feige die Frau jetzt mit einem riesigen Scherbenhaufen alleine zu lassen. Mir ging es auch oft dreckig, aber in solchen Situationen muss Mann auch für seine Mitmenschen Stark bleiben. Und ein soviel schlechteres Leben wie andere kann man als Bundesliga und Nationaltorwart nicht führen. Andere Menschen haben da viel mehr durchgestanden. Ich wünsche seiner Frau alle Kraft der Welt!

11.11.2009
06:47
Das Auf und Ab des Robert Enke
von Heinz W. Geisenberger | #1

Ich bin genau doppelt so alt, wie der sympathische Sportler Robert Enke wurde. Da wird mir schon alleine die Tragik aus dieser Perspektive bewusst.
Die Achtung vor dem Verstorbenen und seinen Angehörigen sollte uns verbieten, über die Hintergründe seines Todes hier zu spekulieren.
Ich kam eben von einer Geburtstagsfeier, als ich hier die Todesnachricht las.
Obwohl ich Robert Enke nur aus den Medien kannte, berührt mich dieses Schicksal sehr und macht mich traurig.
Den Hinterbliebenen meine aufrichtige Anteilnahme, Kraft für das, was vor ihnen liegt und Gottes Segen !
Was soll der junge Mann gesagt haben? „Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt...“ Da werde ich nachdenklich...
Meine guten Wünsche auch an die beiden Zugführer.

Heinz-W. Geisenberger, Duisburg

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