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Contra Bildungsstreik

19.06.2009 | 17:44 Uhr

Es stimmt: Die Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse bringt Probleme mit sich. Aber: Wollen die Studenten etwa zurück zu den alten Zuständen. Sicher nicht. Die Reform zur Schaffung eines großen Hochschulraumes in Europa war richtig und notwendig. Man muss noch an der Umsetzung feilen.

Prof. Dr. Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh

Weil die Betreuung der Studierenden besser sein könnte. Weil sich die Hochschulen schwer tun mit der gegenseitigen Anerkennung der Bachelor- und Master-Abschlüsse. Weil die Politik zu wenig in Bildung investiert. Und weil die Karrierechancen heute schlechter sind als früher. Dennoch sage ich: „Bologna” ist super!

„Bologna” – das meint die Schaffung eines großen Hochschulraums in Europa und die Umstellung auf Bachelor und Master. Jetzt sagen junge Leute „Bäh” zum Bachelor. Aber wollen die wirklich zurück zu alten Verhältnissen? Wenn ja, dann lassen sich die Studenten von erzkonservativen Professoren vereinnahmen, die am liebsten die alten Zustände wieder einführen würden.

Den Lehrstoff entzerren 

Vor fünf Jahren ist geklagt worden über Professoren, die nie erreichbar waren, über unklare Prüfungsanforderungen. Nun ist das endlich anders, und auf einmal jammert man über Verschulung. Natürlich gibt es mit Lernstoff überfrachtete Studiengänge. Aber das liegt nicht an „Bologna”, sondern an der fehlerhaften Umsetzung der Reform. Man darf eben nicht den Stoff von acht Semestern in sechs pressen. Nirgendwo steht geschrieben, dass ein Bachelor-Studium sechs Semester dauern muss. In den Niederlanden gibt es vielfach achtsemestrige Bachelor.

Wo Studienbeiträge erhoben wurden, sind die Studienbedingungen oft besser geworden. Mit dem Geld müssten die Unis noch mehr Personal einstellen, aber viele scheuen davor zurück. Sie wissen ja nicht, ob die nächste Regierung die Beiträge abschafft. Dann blieben sie auf den Kosten sitzen.

Stimmen von Studenten

Frank Ziegele

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21.06.2009
13:41
Contra Bildungsstreik
von Dr. Hinterwäldler | #6

Wo Studienbeiträge erhoben wurden, sind die Studienbedingungen oft besser geworden.
Fehlt noch der Nebensatz: Zumindest für die, die sich ein Studium jetzt noch leisten können. Die diskriminierende und selektierende Wirkung der Gebühren ist doch nun wirklich offensichtlich. Und für jemanden, der über das gesamte Studium mit dem Gedanken leben muss, aus diesem verschuldet wieder rauszukommen, kann man sicher auch nicht von verbesserten Studiebedingungen sprechen!!!

21.06.2009
00:19
Contra Bildungsstreik
von Dortmunder Bürger | #5

Die Mängel, die Herr Ziegele anführt, waren mitnichten im Diplom- bzw. Magistersystem begründet. Das Bachelor-/Master-System ist auf diese Probleme auch nicht die Antwort - es kann durchaus sein, dass im Zuge der Umstellung teilweise (!) solche Probleme gelöst wurden, dafür sind aber neue hinzugekommen, und die werden vielfach - nicht ausschließlich - durch die Überregulierung des Bachelor-/Master-Systems verursacht. Oder auch durch andere, zukunftsträchtige Vorgaben, die von Wirtschaftslobbyisten wie den Leuten bei CHE ausgearbeitet wurden.
Ein Studium in der heute zumeist angebotenen Form ist kein Studium mehr, sondern eine Fortsetzung der Schule. Und das ist so gekommen, weil die hohen Herren menschliche Arbeitsdrohnen statt mündigen Bildungsbürgern wollen und die universitäre Ausbildung darauf abgestimmt ist.

20.06.2009
21:13
Contra Bildungsstreik
von Hansi | #4

Vermittelt ein Bachalor und Master Studium eigentlich noch (Allgemein) -Bildung oder kommen nur noch Studenten zum Examen durch, die einen Tunnelblick entwickeln? Braucht eine freie Gesellschaft nicht auch (und nicht nur) Akademiker, die gelernt haben, dass es außerhalb des Fachgebiets noch anderes gibt?

20.06.2009
12:23
Contra Bildungsstreik
von Sozialerdemokrat | #3

Ich weiß nicht, ob dieser Professor noch etwas mit Lehre zu tun hat. Aber wenn man Seminare und Vorlesungen durchführt, spürt man schon negative Veränderungen. Das alte System war häufig zu lasch. Das war für Studierende, die motiviert und interessiert waren, weniger ein Problem. Aber viele konnten sich nicht so gut selbst organisieren und kamen nicht zurecht. Heute ist das Studium stärker verschult. Das kann dazu führen, dass die Studierenden auf der Jagd nach den Leistungspunkten und pauken das selbständige Arbeiten verlernen. Auch wählen sie häufig den Weg des geringstens Widerstands, der nicht immer der beste ist. Selbständig arbeiten zu können ist aber wichtig, nicht nur in der Forschung, sondern auch in Unternehmen.

20.06.2009
12:20
Contra Bildungsstreik
von Jaheiwa | #2

Es geht nicht nur um den Lernstreß beim Bachelor- Masterstudium . Der deutsche Diplom Ingenieur war eine Weltweit führende und gesuchte Marke
Das ist mit dem Bachelor- Masterstudium vorbei .

20.06.2009
10:56
Contra Bildungsstreik
von Adrian K. | #1

Es geht ja auch nicht um die Abschaffung oder Rücknahme des Bologna Prozesses. Jede Contra Bildungsstreik Stellungnahme wirft das den protestierenden vor. Hat von denen den keiner unsere Forderungen mal genauer durchgelesen.

Gefordert wird die Abschaffung des Bachelor/Masterystems in seiner DERZEITIGEN Form!
Den Streikenden ist sehr wohl bekannt, dass das Problem die Umsetzung in den einzelnen (Bundes-) Ländern ist.

Und was Studienbeiträge betrifft, ist die Behauptung, dass Studienbedingungen oft besser geworden sind schlechterdings falsch. Zahlreiche Studien belegen, dass die Gebühren kaum bis gar nicht zur Verbesserung beitragen und oftmals völlig anders verwendet werden als behauptet.
Unis blieben auf keinen Kosten sitzen, wenn der Staat endlich mal mehr Geld zu Verfügung stellen würde...

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