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Hochschule : Wu = Kampf. Shu = Kunst

Campus, 29.10.2008, Von Tobias Appelt

Essen. Der Hochschulsport an der Uni Duisburg-Essen bietet nicht nur für Studenten eine breite Palette an Sportarten von A wie Aikido bis Y wie Yoga. Ganz neu im Programm: die noch relativ unbekannte Sportart "Wushu".

Der Meister macht es vor. Die Muskulatur ist gespannt, seine rechte Hand zur Faust geballt. Blitzschnell lässt er sie vor sei-ner Brust in die linke Hand-fläche klatschen. Dazu ein lauter Ruf: "Wushu!"

So sieht sie aus, die traditionelle Begrüßung bei Wushu, einer Kampfsportart, die der Hochschulsport jetzt anbietet. Der Meister heißt Abderrahim Sam Laaraj, und er ist Träger des schwarzen Gürtels. Er möchte die Bekanntheit des modernen Wushu in Deutschland steigern und seine Kenntnisse dieses Sports an andere weitergeben. Deshalb hat der 24-jährige Student der Wirtschaftswissenschaften eine E-Mail an den Hochschulsport der Uni Duisburg-Essen geschrieben und vorgeschlagen, einen entsprechenden Kurs anzubieten.

Sein Angebot stieß bei den Verantwortlichen auf Begeisterung. Jetzt unterrichtet er 15 Studenten der unterschiedlichsten Fachrichtungen. Der Hochschulsport ist jedoch nicht nur für Studierende, sondern offen für alle, die sich sportlich betätigen möchten.

Steffen Mellbig (21) studiert Medieninformatik und macht in diesem Kurs seine ersten Kampfsporterfahrungen. Von Wushu hatte er noch nie etwas gehört: "Ich hab' erst mal im Internet geguckt, was das ist. Als ich dort die Videos gesehen hab', war klar, dass ich das auch lernen möchte", sagt der Student.

"Es ist ein langer Weg, bis man diese Kampfkunst wirklich beherrscht", erklärt Laaraj. Er selbst begann im Alter von zehn Jahren mit traditionellem Kung Fu. Dann lernte er auch noch Taekwondo und Kickboxen. "Nach der Schule hab' ich täglich bis zu sechs Stunden trainiert. Ich war wie besessen", sagt er heute. Mit 14 Jahren kam er zum ersten Mal mit Wushu in Kontakt.

"Eigentlich bedeutet Wushu Kampf-Kunst. Es ist in China ein Sammelbegriff für alle Kampfsportarten", erklärt er. Was er seine Schüler lehre, sei modernes Wushu, das in den 1960er Jahren in China entstand. "Wushu entwickelte sich aus dem traditionellem Kung Fu. Dazu kommen Akrobatik und ballettartige Choreografien", sagt Laaraj. Nein, ein Hau-Drauf-Sport sei Wushu ganz sicher nicht. Auch das Schwert komme nur bei bestimmten Übungen zum Einsatz. Der Sport sei ausgelegt auf absolute Perfektion der Bewegungsabläufe und Körperbeherrschung. "Wushu fördert die Kondition, Disziplin, den Ehrgeiz, die innere Motivation und dient dem Stressabbau. Wer zielorientiert im Sport ist, ist es auch im Alltag", sagt der Wushu-Experte Laaraj.

Etwa die Hälfte des ersten Kurses an der Uni ist weiblich. Ihnen ist es besonders wichtig, dass Wushu trotz der Ästhetik ein Selbstverteidigungssport bleibt. Daher lernen sie auch direkt in der ersten Sitzung, wie sie im Ernstfall einen Angriff abwehren könnten: Wie befreie ich mich aus einem Würgegriff oder einem "Schwitzkasten"? Und wie löse ich mich, wenn jemand meinen Arm umklammert? Die nötigen Tricks und Kniffe dazu zeigt der Meister seinen Schülern. Erfolgserlebnisse verspüren sie schnell. Doch der Meister weiß, "der Sport erfordert viel Routine. Im Ernstfall müssen die Bewegungsabläufe wie aus der Pistole geschossen kommen."

Ja, doch, Wushu gäbe einem körperlich die Fähigkeit, sich bei Kämpfen zu behaupten. Doch da auch die innere Stärke trainiert werde, ließe man sich im Ernstfall, bei Angriffen oder Pöbeleien, gar nicht erst aus der Fassung bringen. Und das sei auch sehr wichtig: "Kein Kampf", sagt Abdel Laaraj, "ist noch immer der beste Kampf."

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