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Virtuelle Fachhochschule : Studieren und gleichzeitig einen Vollzeitjob stemmen

Campus, 28.11.2008, Corinna Weiß

Essen. Studium und Weiterbildung trotz Berufstätigkeit und Familie? Für den Flash-Entwickler Jens Koblitz ist das kein Problem. Er studiert Medieninformatik über das Internet. Vorteil: Er kann sich seine Zeit flexibel einteilen. Nachteil: Er muss sich für Abendschichten oft richtig überwinden.

Jens Koblitz. Jens Koblitz.

Jens Koblitz kann bereits auf eine bewegte Berufslaufbahn zurückblicken. 1999 ließ sich der 30-Jährige zunächst zum Groß- und Außenhandelskaufmann ausbilden, bevor er an der Uni Dortmund ein Informatik-Studium begann. Doch das Studium an der Präsenz-Uni war nicht das Richtige für ihn – „zu überlaufen“. „Außerdem hatte ich auch nicht wirklich die innere Muße, um mich immer wieder eigenständig ans Lernen zu setzen“, erzählt Koblitz schmunzelnd. Es folgte eine Ausbildung zum Mediengestalter, anschließend arbeitete er als Flash-Entwickler bei einer Pay-TV-Firma. Und dort entstand die Idee zum Online-Studium. „In der Firma gab es die Devise: eine Fortbildung im Jahr. Die kostete dann aber auch schon mal mehrere tausend Euro für ein paar Tage, so dass ich mich gefragt habe, ob ein Studium nicht die bessere Alternative ist“, sagt Koblitz.

Weil ein Studium an einer Präsenz-Universität wegen seiner Berufstätigkeit nicht in Frage kam, entschied sich Koblitz für die Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven (OOW), Standort Emden. Sie gehört zum Verbund „Virtuelle Fachhochschule“, zu dem sich seit Sommer 2001 sieben Präsenzhochschulen aus sechs Bundesländern zusammengeschlossen haben. Abgesehen von einigen Präsenzphasen in Emden, studiert Koblitz das Fach Medieninformatik mit Unterlagen aus dem Netz und kommuniziert dort auch mit Professoren und Kommilitonen. Das notwendige Angebot im Internet stellt die oncampus GmbH zur Verfügung.

Kommunikation über's Netz

Info

Das Online-Studium

Etwa 650 Studenten nutzen derzeit die Möglichkeit des Online-Fernstudiums über www.oncampus.de. Die meisten studieren ihr Fach in Teilzeit, auch wenn sich dadurch die Studienzeit von drei auf ungefähr sechs Jahre verlängert.

Das Lernmaterial für das Online-Studium ist nach Angaben von oncampus individuell abrufbar, multimedial und didaktisch aufbereitet. Firmen, deren Beschäftigte online studieren, können einen Studienzuschuss bewilligen und darüber diese Art von Weiterbildung finanzieren.

Wenn Jens Koblitz studiert, hängt er eine kleine Kamera an den Laptop und kämpft sich durch zahlreiche Log-ins. Anschließend nimmt er sich Lerneinheit für Lerneinheit vor, bearbeitet die von Professoren erstellten Aufgaben oder stellt in einem Audio-Video-Chat mit dem Professor oder einem wissenschaftlichen Mitarbeiter Fragen zu Inhalten, die er nicht verstanden hat. Über Foren und ICQ kann sich er sich auch mit den Kommilitonen austauschen, mittlerweile sind sogar etliche virtuelle Lerngruppen entstanden. Seine Aufgaben, zum Beispiel in Mathematik, Programmierung oder IT-Sicherheit, schickt Koblitz regelmäßig an seine Professoren, die die Ergebnisse kontrollieren sowie korrigiert und eingescannt wieder an ihn zurückschicken. Drei bis vier Mal im Semester fährt Koblitz nach Emden, um dort an Vorlesungen teilzunehmen, kleine Tests und abschließend die Klausuren zu schreiben. Die Präsenzphasen sind in der Regel am Wochenende, die Übernachtung vor Ort müssen die Studenten selber tragen.

„80 Prozent unserer Online-Studenten sind berufstätig und im Durchschnitt 30 Jahre alt“, sagt Professor Jörg Thomaschewski, der an der FH OOW lehrt und sich daneben in den Online-Studiengängen engagiert. „Es sind etliche Studienabbrecher dabei, aber auch Menschen mit kleinen Kindern oder Behinderungen.“ Die Gründe für ein Online-Studium, beispielsweise in Medieninformatik, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsingenieurwesen, sind unterschiedlich. „Viele haben sich in einer Firma hochgearbeitet, haben aber keinen formellen Abschluss“, erzählt Koblitz, der auch einer der fünf Studiengangssprecher ist. „Mit dem Online-Studium können sie den Bachelor oder den Master machen – und enden bei einer Firmenschließung oder einem Firmenwechsel nicht als ungelernte Hilfskraft.“ Andere erhoffen sich einen „Karrieresprung“, mehr Verantwortung und Gehalt.

Keine Studiengebühren an der virtuellen Fachhochschule

So sieht ein Audio-Video-Chat aus. So sieht ein Audio-Video-Chat aus.

Koblitz selbst sieht sein Online-Studium als persönliche Fortbildung, für die er aber deutlich weniger Geld auf den Tisch legen muss als bei einer klassischen betrieblichen Weiterbildung. Neben dem Semesterbeitrag in Höhe von 131,23 Euro zahlt Koblitz pro Studienkurs 78 Euro (BaföG-Empfänger: 53 Euro). Im Semester belegt er drei bis fünf Veranstaltungen. Bei dem sechssemestrigen Bachelor-Studiengang mit 29 Online-Kursen ergibt sich so eine Gesamtsumme von 2.262 Euro. Sein neuer Arbeitgeber zahlt ihm wie der alte einen Studienzuschuss. Studiengebühren werden an der „virtuellen Fachhochschule“ nicht fällig.

„Mit dem Online-Studium verbringe ich 20 bis 30 Stunden in der Woche, zeitlich bin ich da flexibel“, sagt Koblitz. Man braucht aber richtig viel Selbstdisziplin, um sich nach der Arbeit oder am Wochenende noch mal an den Schreibtisch zu setzen.“

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9 Kommentare

Ich kenne die Problematik, auch ich bewältige ein Fernstudium neben dem Job. Macht ganz schön Arbeit.

#1 von Beatrix.Gutmann , am 24.11.2008 um 13:19

Hi

sehr interessanter Bericht über die Emder- Onliner. :-)

#2 von Clanchefin , am 24.11.2008 um 15:05

@Clanchefin: Heissen die nicht "Emdener" ;) ???

#4 von phihochzwei , am 24.11.2008 um 17:25

Lieber Manuel, du scheinst deinen Studengiengang für sehr wichtig halten, aber für einen Schulabgänger mit mittelmäßigen Qualifikatioenen sollte ein Studiengang auf dem Niveau einer Fachhochschule auch ohne Betreuung schaffbar sein.
Der einzige Nachteil ist ein hoher Grad an theoreitschem Wissen, da die Praxis wegfällt.
Als alleinige qualifikation wird dieser abschluss nicht anerkannt sein, da die jetzigen Personaler dieser Form des Studierens kritisch gegenüber stehen werden.

#5 von mark.e.smith , am 25.11.2008 um 13:44

Ich rede von dem grundsätzlichem Niveauunterschied von Fachhochschulen gegenüber Universitäten. Nur um mal eben meine Qualifikation darzulegen: Absolvent in einem naturwissenschaftlichen Fach, Dissertation bei einem der anerkanntesten Professoren auf seinem Fachgebiet, Lehre von FHlern, Unistudenten, Azubis und Schülern.
Nich umsonst ist die Zugangsqualifikation zu einer FH schon mit einem Fachabi getan und der Übergang an eine Uni ist nur unter Auflagen möglich, geschweige denn eine Promotion. Fakt ist: Das Niveau don FHs ist ca 40% niedriger als das einer Universität. Die Gleichheit nur an der Studienzeit zu messen ist da schon weit hergeholt.
Die Ausbildung von Privatunis ist eine logische Folge der permanenten Missstände an den Unis. Nicht umsonst sind praxisnahe Abschlüssen an Privathochschulen wi der BITS, der ISM oder anderen in der WIrtschaft viel lieber gesehen.

#6 von mark.e.smith , am 25.11.2008 um 17:53

Das mag wohl sein das Herr Koblitz Vorkenntnisse hat, die ich - als ich mit dem Studium in Emden angefangen habe- nicht hatte. Ich kam aus dem Gesundheitswesen und hatte von Informatik nicht den blassen Schimmer. Jetzt steh ich kurz vorm Abschluß, habe während des Studiums 2 Kinder bekommen und konnte aufgrund der aussergewöhnlichen Betreuung und Studiensituation normal weiter studieren (an welcher Uni ist sowas sonst möglich?). Wer sich dahinter klemmt und die Selbstdisziplin aufbringt, kann das Online-Studium schaffen, selbst frische Abiturienten. Auch Praktika sind im Online-Studium möglich und werden auch absolviert (wie der Online-Studiengang Wirtschaftsingeneurwesen in Wilhelmshaven es im Programm hat).
Und das ewige "Wer oder was ist besser FH oder Uni" ist ein weites Feld. Fakt ist das mein Abschluß zumindest europaweit akkreditiert ist und zum jetzigen Zeitpunkt ich mich vor Stellenangeboten nicht retten kann.

Über die Missstände der deutschen Bildung braucht man nicht diskutieren, die Unterschiede merkt man bereits bei Mathe, wer weiß heute denn noch das "Punktrechnung vor Strichrechnung" kommt?

#7 von JeanP , am 25.11.2008 um 21:08

@Manuel85: Wieso macht das keinen Sinn. In dem Studiengang gibt es einige Schulabgänger. Die haben durch dir Tatsache das es ein Online-Studium ist, keinen Nachteil im Vergleich zu dem was ein "Präsenzler" leisten muss. Abgesehen mal davon, daß sie keine Studiengebühren zahlen dürfen, in der Regel kein Semesterticket bekommen und nicht an der FH/Uni rumgammeln. Vergleich das doch mal mit einem Präsenzstudium. Je nach Studiengang und Ort, und um bei dem Bereich zu bleiben, sagen wir mal "Kerninformatik, Uni Dortmund", hast Du dann mal in Programmieren I so 1000-2000 tausend Leute sitzen, so daß das Audimax platzt. Und nur weil jeder Grenzdebile der irgendwas studiert meint "Oh, Programmieren, das toll, das bringt mir später bestimmt mehr Kohle wenn ich das gehört hab" Ein ÜBUNGSGRUPPE die aus 40 LEUTEN besteht? Das doch lächerlich.

Wenn Du sagst "Ich find´s nicht gut", okay, daß ist deine legithime Meinung, aber zu sagen "Es macht keinen Sinn" ist ein wenig Einseitig, da Du ja vermutlich nicht weisst, wie beide Seiten aussehen.


#8 von phihochzwei , am 26.11.2008 um 06:43

Hallo Manuel,

ich sehe das genauso, in bestimmten Fächern/Studiengänge macht es keinen Sinn, erst recht nicht in der Medizin wo man Leichen präpariert etc. Diese Dinge kann man einfach nur vor Ort tun. Der Trend wird aber auch dahin gehen das einige Fächer auf Online ausgelagert werden, nicht ein ganzes Studium.

Letztlich erfordert ein Online-Studium hohe soziale Kompetenz, denn wie leicht es ist jemanden auf die Füße zu treten in einem Posting oder Mail, merkt man bereits hier schon. Manche der frischen Abiturienten (aber auch "Ältere") hat diese Kompetenz noch nicht geschweige denn informiert sich vernünftig was ein solches Studium mit sich bringt. Wer bei den Emder Betreuerteam schon mal angerufen hat, hat vielleicht sehr schnell gemerkt, das dort Klartext gesprochen wird. Es wird hier nicht versucht um jeden Preis nen neuen Studenten zu gewinnen, im Gegenteil, wenn die Einstellung und Beweggründe für ein solches Studium (z.B. ich muß keine Studiengebühren zahlen und brauch mich aus dem Bett nicht bewegen etc.) nicht stimmt, dem wird vom Studium abgeraten. Hab ich bisher an anderen Hochschulen selten erlebt, das man so beraten wird.

Über Mathe braucht man sich auch nicht streiten, Mathe ist und bleibt bei dieser Politik nen rotes Tuch für viele, war es auch bei mir. Und ja ich bin auch durch die erste Matheprüfung gerauscht, na und? Durchfallen ist keine Schade, schließlich ist das ganz besonders in den ersten Semester nicht einfach sich ans Studium und dem damit verbundenen "anders als für Schule" - Lernen und das ist egal ob Online oder in Präsenz. Ich muß mich bei beiden auf den Hintern setzen und was tun. In Präsenz muß ich mir vielleicht nen Termin beim Prof. holen und das kann sich 2 Tage schon hinziehen, beim Online (zu mindest in Emden) kann ich fast rund um die Uhr die Betreuer anrufen und mir meine Verständnisschwierigkeiten erklären lassen. Sollten die mal keine Ahnung haben, wird der Prof zu rate gezogen und selbst da hab ich ne garantierte Antwortzeit von 24h.

Aber wie schon gesagt, ein Online-Studium (bzgl. Betreuung) ist nicht überall gleich auch nicht im Verbund von Oncampus. Aber das ist ja bei Präsenzlern auch nicht anders.
Jeder muß für sich selber entscheiden, was für Ihn wichtig ist und wo er hin will. Ich kann von meiner Seite her nur empfehlen sich richtig und vernünftig beraten zu lassen egal welche Studienform er wählt.

#9 von JeanP , am 26.11.2008 um 18:26

Hallo alle,

Da ich das ganze Thema sehr interessant finde, hab ich mich da mal ein wenig informiert. Und bin dabei auf einen Link gestossen:

http://www.unicum.de/evo/14507_1

Das ist das Professore-Ranking von der Unicum für 2008. Und da ist dieser Professor Thomaschewski auf Platz 5 im Bereich Ingenieurswesen. Also denk ich mir mal, wird das ganze Qualitativ ja so schlecht nicht sein.

#10 von Horst.Horstsen , am 27.11.2008 um 12:24
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