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Bundestag bringt Erlaubnis für Beschneidung von Jungen auf den Weg

19.07.2012 | 19:30 Uhr
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Foto: /dapd/Axel Schmidt

Nach heftiger internationaler Kritik am Verbotsurteil des Kölner Landgerichts soll die rituelle Beschneidung von Jungen in Deutschland künftig straffrei gestellt werden. Der Bundestag forderte die Regierung am Donnerstag mehrheitlich zur Vorlage eines entsprechenden Gesetzes auf.

Berlin (dapd). Nach heftiger internationaler Kritik am Verbotsurteil des Kölner Landgerichts soll die rituelle Beschneidung von Jungen in Deutschland künftig straffrei gestellt werden. Der Bundestag forderte die Regierung am Donnerstag mehrheitlich zur Vorlage eines entsprechenden Gesetzes auf. Damit soll sichergestellt sein, "dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist." Das Kölner Gericht hatte vor gut zwei Monaten die Beschneidung als Körperverletzung gewertet.

Nach dem Urteil riss die Kritik vor allem von Juden und Muslimen aus aller Welt nicht mehr ab. Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, übergab gar ein Schreiben an Knessetpräsident Reuven Rivlin. Darin betonte die Bundesregierung, es handele sich bei dem Urteil um eine Einzelfallentscheidung ohne bindende Wirkung für andere Gerichte. Auch Kanzlerin Angela Merkel schaltete sich ein und sprach sich gegen ein Beschneidungsverbot aus.

Das neue Gesetz soll die Verunsicherung bei Juden und Muslimen beenden, aber auch den beteiligten Ärzten Sicherheit geben. In seiner am Donnerstag verabschiedeten Resolution stellt das Parlament klar, dass mit dem neuen Gesetz die Genitalverstümmelung von Mädchen keineswegs erlaubt wird. Beides sei nicht miteinander vergleichbar.

Der Linke-Abgeordnete Jens Petermann sprach von einem "sehr eiligen Resolutionsentwurf" und kritisierte, dass das Papier erst den Medien und dann seiner Fraktion vorgelegt worden sei. Die Linke lehnte die Resolution ab und forderte, den Eingriff zunächst ins "Schmerzlos-Symbolische" zu verschieben und zu warten, bis der betroffene Junge das Alter von 14 Jahren erreicht habe und selbst entscheiden dürfe. Abgeordnete von Union, FDP, SPD und Grünen stimmten der Resolution zu, es gab aber auch einige Enthaltungen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, begrüßte das "klare und entschlossene Signal" des Bundestages. Der Zentralrat hoffe, dass das Gesetz auch tatsächlich in den nächsten Monaten vorgelegt und beschlossen werde. Die erhebliche Verunsicherung durch das Kölner Urteil könne damit glaubwürdig behoben werden, erklärte Graumann. "Für uns ist es vor allem ein starkes politisches Zeichen, dass uns zeigt: Jüdisches und muslimisches Leben ist und bleibt in Deutschland willkommen."

Zu den Gegner des Beschlusses zählte der FDP-Bundestagsabgeordnete Heiner Kamp. "Die körperliche Unversehrtheit von Säuglingen und Kleinkindern ist ein hohes Gut", erklärte er. Keine Religion dürfe für sich beanspruchen, dieses wichtige Grundrecht verletzen zu dürfen. Die Entscheidung dürften weder der Bundestag noch die Bundeskanzlerin treffen. "Entscheiden muss das Bundesverfassungsgericht", erklärte Kamp.

Außenminister Guido Westerwelle erklärte vor der Abstimmung, der Beschluss zeige, dass Deutschland ein weltoffenes und tolerantes Land sei. Es wäre nicht vermittelbar, wenn jüdische Mitbürger ihrer Jungen hierzulande nicht beschneiden dürften, sagte der FDP-Politiker.

(Die Resolution des Bundestages im PDF-Format: http://url.dapd.de/Ejl2nN )

dapd

dapd

Kommentare
20.07.2012
10:54
Richtig ist wohl, dass weltweit fundamentalistische religiöse Traditionalisten Kritik üben.
von pipapu | #2

Aber es gehört zur Aufklärung, dass es auch die Befürworter des Urteils zum Schutz der Kinder in sehr großer Zahl gibt, weltweit. In unserer Gesellschaft offenbar sogar in der Mehrzehl!

Frauen beten doch immer ohne Beschneidung, warum sollten Kinder das nicht auch um selbst zu entscheiden, über ihr Denken und ihren Körper? Kinderrecht ist Menschenrecht!

Denken wir doch über dieses Mißverhältnis der Familienmitglieder in einer solchen fundamentalistisch religiösen Familie nach! Das schreit nach dem gütigen Gott, der Abraham ein Tier als Ersatz für das Kinderopfer Isaak schickte und damit den Finger erhob gegen das grausame Menschenopfer. Ein gläubiger Mensch kann das eigentlich leichter glauben als eine barbarische Tradition, egal ob aus ägypt. Sklavenzeiten oder einem bärtigen 99 j. Abraham, der bis dahin doch wohl auch gebetet haben wird. Vielleicht mit einem tgl. Dank an diesen Gott, der seinen kleinen Isaak nicht als Opfer annahm, aber vergaß, etwas über die Mutter mitzuteil

19.07.2012
22:33
Bundestag bringt Erlaubnis für Beschneidung von Jungen auf den Weg
von dsnero | #1

Klasse Einnahmequelle
Jeder (ungewollt) Beschnittene wir nach einer solchen Regelung Schadenersatz und Schmerzensgeld (von der BRD!!!) einklagen können.
Unserer Verfassung ist zum Glück NOCH weitgehend so, dass unserer Erkenntnisse zur Ethik (in mehr als 1000 Jahren grausamer Kriege als nicht umgehbar erkannt) und Wissenschaft (leider im politischen Prozess nie gut umgesetzt) als positive Leitlinie des gesellschaftlichen Lebens eingefordert wird.

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