Bochums Opelaner müssen mindestens bis Ende Juni bangen
21.05.2012 | 14:23 Uhr 2012-05-21T14:23:05+0200Die Mitarbeiter von Opel in Bochum müssen weiter um ihre Jobs zittern. Die Zukunft des Werkes ist nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Karl-Friedrich Stracke weiter offen. Es gebe bislang keine Entscheidung darüber, was mit dem Standort nach 2014 passiere, sagte Stracke auf einer Betriebsversammlung am Montag in Bochum.
Bochum (dapd). Die Mitarbeiter von Opel in Bochum müssen weiter um ihre Jobs zittern. Die Zukunft des Werkes ist nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Karl-Friedrich Stracke weiter offen. Es gebe bislang keine Entscheidung darüber, was mit dem Standort nach 2014 passiere, sagte Stracke auf einer Betriebsversammlung am Montag in Bochum. "In meiner Gegenwart ist nie von einer Zafira-Verlegung gesprochen worden", fügte er hinzu.
Eine Verlagerung der Fertigung des Kompaktvans würde wahrscheinlich das Aus für Bochum bedeuten. Der Betriebsratsvorsitzende des Werks, Rainer Einenkel, hatte zuvor von Stracke eine klare Äußerung zur Zukunft des Standorts verlangt. "Wir wollen wissen, was 2015 passiert", beharrte er nach der Versammlung und verlangte den Erhalt des Werks. Bochum sei die einzige Opel-Fertigung in Europa, die in diesem Jahr mehr produziere als im vorherigen, sagte er. "Es ist das Werk mit der höchsten Auslastung."
Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft forderte ein Ende der Spekulationen. "Wir wollen, dass endlich das Totenglöckchen vergraben wird", sagte die SPD-Politikerin auf der Betriebsversammlung. Es erzeuge Frust und Hoffnungslosigkeit, wenn ein Werk immer wieder totgeredet werde.
Einenkel sagte das Ende der Marke Opel voraus, würde auch nur ein deutsches Werk geschlossen. Dann würden die Menschen nicht mehr über Fahrzeuge oder Qualität sprechen, sondern über Schließungen und Arbeitsplätze. Weitere Einschnitte bei der Belegschaft kämen auch nicht infrage, solange es keinen verbindlichen Geschäftsplan gebe. "Wir zahlen keinen Cent für unsere Beerdigung", sagte der Betriebsratschef.
Stracke hatte zuvor angekündigt, dass dem Aufsichtsrat am 28. Juni der Plan für die nächsten Jahre vorgelegt werden solle. Kraft sprach von einem "Tag der Entscheidung" über die Zukunft des Bochumer Werks. "Wir fordern eine klare Strategie für den Standort." Kraft betonte, die Landesregierung werde an der Seite der Opelaner stehen. "Wir wissen, dass sich kämpfen lohnt, Herr Stracke", sagte die Ministerpräsidentin. Die Zeit bis zum 28. Juni werde genutzt, um an alle Beteiligten zu appellieren.
"Wir glauben an die Zukunft dieses Werks", sagte Kraft weiter. Die Mitarbeiter seien hoch qualifiziert und hoch motiviert. Auch die Menschen in Bochum seien mit Opel verbunden. Es gebe "Zusammenhalt, Treue und einen tief sitzenden Gerechtigkeitssinn". Die Eigner seien dagegen weit weg von der Realität in Bochum.
Auch Einenkel griff den Opel-Mutterkonzern General Motors an und kritisierte die geplante Verlagerung der Produktion des Kompaktmodells Astra von Rüsselsheim ins Ausland. Die Fertigung in England sei zwar billiger, die Qualität aber auch schlechter. Stattdessen schlug Einenkel vor, die Produktion anderer in Europa verkaufter GM-Modelle, etwa von Chevrolet, nach Bochum zu holen. Zudem müssten Opel-Fahrzeuge auch außerhalb Europas verkauft werden dürfen, forderte der Betriebsratschef. Das verhindert GM bislang.
dapd