Bergbau verliert 3000 Jobs
29.07.2010 | 10:15 Uhr 2010-07-29T10:15:00+0200
Essen.Der RAG-Konzern bereitet sich auf weitere Zechenschließungen vor. Das Aus des Bergwerks Ost in Hamm ist bereits beschlossene Sache. Ende September 2010 soll Schuss sein. Allein in diesem Jahr sind bereits 3000 Arbeitsplätze gestrichen worden.
Der beschlossene Ausstieg aus der Steinkohleförderung in Deutschland wirft seine Schatten voraus. Im zu Ende gehenden Jahr hat der Zechenbetreiber RAG rund 3000 Arbeitsplätze abgebaut, wie Vorstandschef Bernd Tönjes berichtet. Damit zähle der RAG-Konzern noch 29 200 Beschäftigte. Seit Anfang des Jahres 2009 sind bundesweit noch sechs Bergwerke in Betrieb. Die nächste Werksschließung steht Ende September kommenden Jahres an. Für diesen Zeitpunkt ist das Aus des Bergwerks Ost in Hamm beschlossene Sache.
Die Stellenstreichungen, die sich durch die politischen Vorgaben ergeben, gestalten sich aus Sicht der RAG zunehmend schwieriger. Schon im Jahr 2012 soll die Belegschaft auf 15 000 Mitarbeiter schrumpfen. Ein Jahr später sollen nur noch drei Bergwerke in Betrieb sein. Den Mitarbeitern und ihren Familien werde viel Flexibilität abverlangt, sagt Bernd Tönjes, der auch Präsident des Gesamtverbands des deutschen Steinkohlebergbaus ist. 7500 Stellen müssten von einem Ort an einen anderen verlegt werden, zum Teil über große Distanzen, etwa von der Saar nach NRW. Im Saarland sind derzeit noch 3300 RAG-Mitarbeiter beschäftigt. 1700 Stellen müssen bis zum Jahr 2012 von der Saar nach Ibbenbüren und an die Ruhr verlagert werden.
Das Tor zur Lagerstätte könnte offen bleiben
Einen Umzug in erheblich kleinerer Dimension erlebt auch der Steinkohle-Verband selbst. Sein Sitz wird zum Jahreswechsel von Essen nach Herne verlagert.
Die RAG wappnet sich auch für den Fall eines Ausstiegs aus dem Ausstieg. Politisch vereinbart ist, dass der geltende Kohlebeschluss 2012 überprüft wird. Bisher ist das Ende der Steinkohleförderung für Ende 2018 vorgesehen.
Die Entscheidung, ob „das Tor zur Lagerstätte offen bleibt“, liege bei der Politik, betont Tönjes. Mit Spannung erwarte er die NRW-Landtagswahl im Mai. Im Wahlkampf könnte der Bergbau eine Rolle spielen. Tönjes bedauert, dass sich das Image der Kohle angesichts der Klimadiskussion verschlechtert habe. Er argumentiert, moderne Kohlekraftwerke – wie der geplante Bau in Datteln – seien notwendig, um den Standort Deutschland sicher und zu wettbewerbsfähigen Preisen mit Energie zu versorgen.
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