Bei Karnevalszügen in der Region regnet es tonnenweise Kamelle
17.02.2012 | 18:03 Uhr 2012-02-17T18:03:00+0100
Ruhrgebiet. Die Narren sind los: Am Wochenende schieben sich die ersten Prunkwagen durch die Städte. Spätestens am Rosenmontag, da simma alle dabei – das Ruhrgebiet, ein einziger bunter Karnevalsumzug. Wo es sich besonders lohnt, Bonbontüten aufzuspannen, verrät dieser Überblick.
Die EU-Finanzen sind Thema Nummer eins bei den Karnevalsumzügen in der Region. Aber von wegen Krise, alles muss raus! Während die EU ihre Rettungspakete in Millionen Euro bemisst, zählen Karnevalisten ihre Währung tonnenweise. In Kamelle rechnet der Narr. Tonnen von Süßkram soll es in den Städten regnen. Hier ein Überblick über Umzüge in der Region. Letzter Halt: Faschingsparty.
Samstag:
Duisburg/Moers: Wer grenzüberschreitend gleich in zwei Städten feiern will, ist beim Nelkensamstagszug von Homberg nach Moers richtig. Los geht’s um 13.11 Uhr an der Homberger Straße.
Oberhausen-Osterfelde: „Darum weiß heute jedes Kind, dass wir die größten Jecken sind“, singen die Osterfelder Narren. Für alle, die das noch mal überprüfen wollen, zieht ab 15 Uhr der Kinderkarnevalszug von der Kettler- bis zur Bottroper Straße.
Mülheim: Ab 11.11 Uhr wird’s eng im Forum City Mülheim. Manege frei für elf Karnevalsgesellschaften! Blaskapellen, Büttenredner und Tanzmariechen geben sich die Ehre.
Sonntag:
Scherben gelten als Glücksbringer. An Karneval ist eher das Gegenteil der Fall: Ein Bier zu viel, ein ungeschickter Stolperer, schon sind Hände und Gesicht zerschnitten. Manchen Städten ist die Gefahr durch zerschmetterte Flaschen bei den Umzügen zu groß, sie erlassen ein Glasverbot.
„Jux und Spaß und Dollerei, aber bitte scherbenfrei“, heißt es im zweiten Jahr in Düsseldorf. 2011 war es mit der Aktion gelungen, die Zahl der Schnittverletzungen von im Schnitt 200 auf 13 zu senken. Ordner kontrollieren die Besucher an den Zugängen.
In Köln ist an den Karnevalstagen in der Altstadt und im Zülpicher Viertel das Verkaufen und Mitbringen von Glasflaschen verboten.
Beim Nelkensamstagszug von Homberg nach Moers gilt auf der Teilstrecke vom Moerser Bahnhof bis zur Kreuzung „Trotzburg“ ein Glasverbot. Betroffen davon ist auch die Gastronomie.
Beim Rosenmontagszug in Duisburg dürfen an den Verkaufsständen keine Glasflaschen angeboten werden.
Gladbeck: Hier gibt’s zu Motivwagen aufgemotzte Schubkarren zu bestaunen. Um 12.30 Uhr treffen sich die Narren am Sportplatz Rosenhügel, los geht’s 13.30 Uhr.
Oberhausen: Klingt komisch, ist aber so: Der Alt-Oberhausener Rosenmontagszug zieht schon am Sonntag durch die City. Um 14 Uhr setzt er sich in Bewegung.
Duisburg-Meiderich: Der „Niederrheinische Karnevalszug“ für Kinder ist inzwischen im Schnitt fünfmal so alt wie seine Teilnehmer. „Der 50. Zug voller Schwung, hält Hamborns Narren jung“, so die 2012er Parole. Los ziehen die Kinder am Hamborner Altmarkt um 14.11 Uhr.
Bochum-Wattenscheid: Da haben die feierwütigen Karnevalisten Glück gehabt: 2012 ist ein gerades Jahr, und nur dann gibt’s einen Zug. Ab 14 Uhr bewegt er sich von der Günnigfelder- zur Hochstraße.
Herne: Mini- und Kükengarde, Clown-Show, kein Alkoholausschank: Richtig, hier geht’s ab 14 Uhr zum Kinderkarneval im Kulturzentrum. Erwachsene dürfen auch rein.
Velbert: Erstmalig auf Tönisheide zieht das Karnevalsvolk schon am Tulpensonntag durch den Ort. Der Startschuss fällt um 13.11 Uhr.
Rosenmontag:
Essen: Das Festkomitee Essener Karneval feiert sich mit seinem Zug durch Rüttenscheid selbst. „11 mal 7, so wird Spaß geschrieben“, rechnet die Truppe vor, die seit 77 Jahren besteht. Um 13.11 Uhr geht’s am Grugaplatz los. Wer danach noch nicht genug hat, schaut ab 16.11 Uhr in Kupferdreh vorbei.
Bochum: „Voll Energie“ wollen die Bürger gegen ihren Ruf als Karnevalsmuffel anfeiern. Um 14 Uhr beginnt der Umzug durch Linden an der Lindener Straße.
Duisburg: 600 Meter weniger Strecke bringen die Jecken in diesem Jahr Richtung Innenhafen hinter sich, was bedeutet: Die Kamelledichte ist wesentlich höher. 13.11 Uhr setzt sich der Zug an der Memelstraße in Bewegung.
Dortmund: Umzug, Revue oder Kirmes? Wer sich geschickt anstellt, kann alle drei mitnehmen. Um 14 Uhr ziehen die Wagen von der Eberstraße zum Stadtgarten. Auf dem Friedensplatz gibt’s von 14 bis 18 Uhr die karnevalistische Revue. Am „Alten Markt“ stehen Fahrgeschäfte.
Dorsten: Die Dorstener pfeifen auf den Sparzwang. „Leere Kassen überall – trotzdem feiern wir Karneval“ schreiben sie auf ihre Umzugswagen. Um 14.11 Uhr starten die an der Eissporthalle.
Gelsenkirchen: 2500 Meter geballte Heiterkeit: Das verspricht der Rosenmontagszug durch Gelsenkirchen. An der Willi-Brandt-Allee sortieren sich die Wagen, ab 14.30 Uhr geht’s bis zur Breitestraße.
Mülheim: Bonbontüten aufspannen lohnt sich ab 14 Uhr zwischen Kaiserstraße und Schlossbrücke. Exakt 111.111 Besucher erwarten die Karnevalsgesellschaften. Durchzählen sollte jemand, der noch nicht doppelt sieht.
Bottrop: Um 10.30 Uhr brechen 55 Karnevalsgruppen an der Essener Straße auf.
Hattingen: Ein Rettungsschirm für abgebrannte Pappnasen: „Fehlt Holti Geld für Karneval, Europa leiht’s auf jeden Fall!“ glauben die Holthauser. Ab 15.11 Uhr ziehen sie über die Dorfstraße.
Goch: Aus den Teilnahmebedingungen der Karnevals-Metropole am Niederrhein: „Als Wurfmaterial sind nur Süßigkeiten und Blumen gestattet“. Ab 14.11 zieht der blumig-süße Zug durch die City.
Herne, Helau! Um 12 Uhr setzt sich der Umzug am Rathaus in Bewegung und schiebt sich in Richtung Akademie Mont-Cenis.
Recklinghausen: Damit bis zu 100 000 Clowns, Cowboys und Piraten schrankenlos feiern können, wird die komplette Innenstadt abgesperrt. Ab 13.11 Uhr setzen sich die Wagen am Konrad-Adenauer-Platz in Bewegung.
Köln: Rosenmontag der Superlative: Wenn sich alle ans Motto halten („Jedem Jeck sing Pappnass“), treffen sich ab 10.30 Uhr rund eine Million rot benaste Narren zwischen Chlodwigplatz und Mohrenstraße. Es gilt, 150 Tonnen Süßkram aufzulesen.
Düsseldorf: Mit 2,5 km/h rumpeln die Wagen ab 12.30 Uhr vom Joseph-Beuys-Ufer bis zum Aachener Platz. Die Geschwindigkeit ist nicht rekordverdächtig, alles andere schon: Eine Million Gäste sollen kommen.
Einmal zu viel angestoßen, alle Hemmungen verloren und fremdgebützt? Nubbel, Hoppeditz und Bacchus waren schuld! In vielen Städten werden die Puppen symbolisch als Sündenböcke für all die Verfehlungen verbrannt und beerdigt. Brauch ist das u.a. in Köln, Düsseldorf, Mülheim, Duisburg und Gelsenkirchen.
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