Beerdigt Schwarz-Rot die Hauptschule?
26.05.2010 | 19:51 Uhr 2010-05-26T19:51:00+0200
Essen.Einer der größten Streitpunkte zwischen CDU und SPD könnte bei Koalitionsgesprächen rasch entschärft werden. Wie die WAZ aus der SPD-Spitze erfuhr, wäre eine Einigung in der Schulpolitik auf Grundlage des sächsischen Modells denkbar.
Folgten CDU und SPD diesem Kompromiss-Modell, würde das bislang dreigliedrige Schulsystem umgebaut, hieß es. Es würde sich künftig auf zwei Säulen stützen: Zum einen eine Mittelschule als Kombination aus der bisherigen Haupt- und Realschule – und als zweite Säule das Gymnasium.
Die Schulpolitik war das zentrale Streitthema zwischen CDU und SPD im zurückliegenden Wahlkampf. Die SPD hatte sich für längeres gemeinsames Lernen und Gemeinschaftsschulen ausgesprochen. Die CDU hatte das bestehende dreigliedrige Schulsystem vehement verteidigt.
Pisa-Spitzenreiter
Es gibt gute Gründe für Nordrhein-Westfalen, neidisch auf Sachsens Schulen zu blicken. Während bei uns seit Jahren über zu große Klassen, sterbende Hauptschulen und mangelhafte Förderung schwächerer Schüler geklagt wird, können sich die Schulen im Osten mit Pisa-Spitzenreitern wie Finnland messen. In Vergleichen zwischen den Bundesländern liegen Sachsen und Thüringen in Sachen Bildung noch vor den westlichen „Musterländern“ Bayern und Baden-Württemberg. NRW belegt regelmäßig die hinteren Plätze.
In Sachsen gilt im Schnitt nur jedes zehnte Kind als „Risikoschüler“ mit besonders schlechten Kompetenzen. Im Bundesschnitt sei jeder fünfte Schüler ein solcher Problemfall, heißt es im „Bildungsmonitor“, einer Länder-Vergleichsstudie der deutschen Wirtschaft. Und: „In Fächern wie Physik, Chemie und Biologie erreichen in Sachsen und Thüringen sogar Schüler aus benachteiligten Elternhäusern sehr gute Ergebnisse.“ Nirgendwo sonst sind die Klassen kleiner, und Sachsen gilt darüber hinaus als Deutschlands beste „Ingenieurschmiede“.
Experten bezweifeln allerdings, dass die Überlegenheit Sachsens allein eine Frage des Schulsystems ist. In den neuen Ländern herrsche traditionell eine andere Lernkultur. Und Kinder aus „bildungsfernen Schichten“ seien dort seltener zu finden als zum Beispiel in NRW.
Gymnasium oder Mittelschule
Wo liegen die Unterschiede des dortigen Schulsystems zu NRW? Vor allem darin, dass es in Sachsen ein zweigliedriges Schulsystem gibt. In den vierten Klassen erhalten die Kinder eine Empfehlung entweder fürs Gymnasium oder für die Mittelschule. In ihr sind Haupt- und Realschule zusammengefasst. Mittelschüler können den Hauptschul- oder den Realschulabschluss erreichen. Die Klassen 5 und 6 haben „Orientierungsfunktion“: Wenn ein Kind nach der 6. Klasse aufs Gymnasium wechseln soll, muss es in Deutsch, Mathe und der 1. Fremdsprache einen Notendurchschnitt von 2,5 haben.
Allerdings scheint die Spitzenposition Sachsens andere Ursachen zu haben. „Es gibt keinen klaren Zusammenhang zwischen dem Abschneiden im Ranking und der Schulstruktur. Das System ist zweitrangig. Entscheidend ist, was in den Schulen passiert“, sagt Oliver Stettes, Projektleiter im Institut der Deutschen Wirtschaft. In Sachsen gebe es eine andere Lernkultur. Mathe und Naturwissenschaften hätten schon seit DDR-Zeiten dort einen hohen Stellenwert. Außerdem gebe es in den neuen Ländern viel weniger „bildungsferne“ Schüler.
Der Dortmunder Schulentwicklungsforscher Ernst Rösner hält Pläne, das sächsische System auf NRW zu übertragen, also Haupt- und Realschulen zusammenzulegen, gar für eine „fixe Idee“. „Es ist Unsinn, aus zwei Verliererschulen, die immer weniger Schüler haben, eine Gewinnerschule machen zu wollen“, so Rösner. Immer mehr Eltern würden Schulen bevorzugen, die den Kindern die Chance bieten, das Abi zu machen.
14:13
Die Hauptschule in der jetzigen Form hat ausgedient. Auch mit einem erfolgreichen Abschluß bleiben nicht mehr allzu viele Berufschancen, da die einfachen Berufe in der Industrie so zusammengefaßt wurden, daß die Hauptschüler auf der Strecke bleiben. In NRW kommt noch erschwerend hinzu, dass die Hauptschule zu einer Migrantenschule geworden ist. So das auch die wenigen, welche lernen wollen, den Spaß an die Schule verlieren. Die Lehrer orientieren sich leider auch zu stark an die Schwächsten, so dass die Lernwilligen unter ihren Möglichkeiten bleiben.
12:11
wir brauchen die Hauptschule nicht
was wir brauchen ist eine Gemeinschaftsschule für längeres Gemeinsames Lernen !
außerdem müssen kita und studiengebühren weg, aber das geht mit der CDU nicht, deshalb bin ich für Neuwahlen !!!
11:00
@frank
Was Sie da vorschlagen, haben wir aber alles schon und das heißt Gesamtschule. Nur leider bevorzugen die Eltern der meisten lernstarken Kinder das Gymnasium. Bleibt also nur die zwansweise Einweisung aller Schüler in die Gesamtschule. Das ist auch genau das, was sich die Bildungspolitiker der SPD vorstellen.
Wird nur alles nicht gehen. Die Eltern wollen es nicht und würden den Aufstand proben. Die Realpolitiker in der SPD wissen das und daher bleibt alles beim Alten.
20:35
Ein Änderung der Schulstruktur macht nur Sinn, wenn alle weiterführenden Schulformen mitgenommen werden. Das bedeutet von der Hauptschule, Realschule, Gymnasium bis zur Gesamtschule. Es reicht nicht aus, nur ein neues Schild an die Tür zu hängen. Die Ausstattung und der Personalschlüssel muss stimmen. Für einen Erfolg sind alle Lernstärken der SchülerInnen aus allen Schulformen notwendig. Keine darf ausgespart werden. Dr. Rösner hatt recht, aus zwei Rückläufigen Schulformen kann keine efektive neue entstehen. Sollten solche Päne umgesetzt werden, so sind sie mit Sicherheit zum scheitern verurteilt. Wenn Gemeinschaftsschule...dann mit allen Schulformen oder gar nicht !
16:45
ZItat ...für die Kinder einen kleinen Mittelschicht leichter...
Heute gehen 45% aller Viertklässler aufs Gymnasium, NRW-Druchschnitt. Weitere machen Abitur auf der Gesamtschule, weitere Abschlüsse auf der Realschule, teils mit Abitur später etc. pp.
Hier von kleinen, elitären Minderheiten zu sprechen ist absurd. Im Gegenteil: Die große Mehrheit der Schüler erwirbt hochqualifizierte, Schul-, Berufs- und Studienabschlüsse. Dafür brauchen wir auch keinesfalls mehr Geld, das immer gefordert wird und wir ohnehin nicht haben. Ein Beweis dafür, dass unser Bildungssystem im Großen und Ganzen eben doch funktioniert.
Echte Probleme haben wir mit ca 15% eines Jahrgangs, und fast immer sind diese Probleme im Elternhaus begründet.
13:34
Das sächsische Modell ist als Überganggslösung nicht schlecht. Ein zweiter Schritt könnte sein, durch Förderunterricht die Durchlässigkeit zu verbessern, damit gute Hauptschülerinnen und Hauptschüler auch noch nach der 7. 8. 9. un d 10. Klasse in die Realschule wechseln können.
11:13
In Sachsen heisst es offenbar ähnlich wie in Baden-Württemberg oder Bayern:
Schaffe, schaffe,...
In NRW dagegen:
Noch ´n Käffchen, Karlheinz?
Aba ale misse Brofessa werde ...
!
10:55
Da hilft doch kein Umbenennen oder Zusammenlegen oder sonstwas. Wir haben ein Schülerproblem und kein Schulproblem.
Die Motivation der Schüler aus bildungsfernen Schichten, inbesondere mit Migrationshintergrund, muss angehoben werden. Wie dies gelingen soll frage ich mich natürlich auch, aber das ist kein Grund irgendwelche Strukturen zu ändern, die nicht die Ursache sind.
10:47
Außerdem gebe es in den neuen Ländern viel weniger „bildungsferne“ Schüler.
Mhh - meint der Autor jetzt bildungsferne Schüler oder Schüler mit einem bestimmten Migrationshintergrund ? Arme bzw arbeitslose ( was dank H IV ja inzwischen fast zwangsläufig dasselbe ist ) Menschen gibt es dort auch genug, ebenso Migranten - allerdings meist anderer Herkunft als im Westen. Wäre doch mal interessant die Antwort auf diese Frage zu kennen..
10:26
das war klar das die SPD einknickt um zusammen mit der CDU auf dem Rücken der schwächsten, weiterhin eine Politik der Auslese zu machen.
Für wirkliche Reformen in der Schulpolitik hat Fr. Kraft keine Kraft und Rüttgers kann an seinem überkommenen Schulsystem festhalten.
Neuwahlen jetzt!