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Auch an Werler Internat gab es offenbar einen Missbrauchsfall

12.02.2010 | 11:13 Uhr

Werl.Die Missbrauchsskandale an katholischen Schulen ziehen immer weitere Kreise. Offenbar hat es auch an einem katholischen Jungen-Internat im westfälischen Werl einen Missbrauchsfall gegeben. Das zuständige Bistum Paderborn hat wohl davon gewusst, allerdings jahrelang geschwiegen.

Der Missbrauchsskandal an katholischen Bildungsstätten weitet sich weiter aus. Auch im westfälischen Werl (Kreis Soest) soll sich mindestens ein Missbrauchsfall ereignet haben, der vom zuständigen Bistum Paderborn anscheinend jahrelang verschwiegen wurde. Wie ein Sprecher des Erzbischofs auf Anfrage des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ einräumte, wurde bereits im Juli 2002 ein Geistlicher des kirchlichen Jungen-Internats Collegium Aloysianum in Werl „kurzfristig von seinen Aufgaben entpflichtet“.

Zuvor war der Priester in den Verdacht geraten, im Spätherbst 1980 „an einem minderjährigen Jungen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben“. Drei Tage vor der Entpflichtung hatte der Geistliche am 1. Juli 2002 mit dem damaligen Paderborner Erzbischof Joachim Kardinal Degenhardt über den Vorfall gesprochen. Ein Bistumssprecher sprach am Freitag von einem Einzelfall. Das mutmaßliche Opfer habe den Gang in die Öffentlichkeit oder eine Anzeige nicht gewünscht.

Das Werler Knaben-Konvikt wurde 2005 geschlossen, der beschuldigte Priester wirkt heute als Hausgeistlicher in einem Altersheim für Nonnen, berichtete der „Spiegel“ am Freitag weiter.

Reaktion des Bistums

Die Schließung des Internats steht in keinem Zusammenhang mit den Vorfällen um den Priester, sagte der Bistumssprecher. Vielmehr sei die Einrichtung aufgrund von Veränderungen in der Bildungslandschaft und nicht zuletzt aus Kostengründen geschlossen worden.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker äußerte sich „betroffen und fassungslos“ über die in den letzten Tagen bekanntgewordenen Missbrauchsfälle: „Missbrauch und Pädophilie verletzten die Würde, Intimität und Integrität eines Kindes oder Jugendlichen schwer. Hier wird großes Leid ausgelöst. Die Fürsorge der Kirche gehört dem Opfer und den Angehörigen.“ (ddp)

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