Atomkraftwerke sollen offenbar 28 Jahre länger am Netz bleiben
21.04.2010 | 00:00 Uhr 2010-04-21T00:00:00+0200
Berlin.Die Bundesregierung erwägt offenbar, Atomkraftwerke bis zu 60 Jahre am Netz zu lassen. Damit würden die Akw 28 Jahre länger laufen, als es der Atomkompromiss vorsieht. Das letzte Kraftwerk ginge 2050 vom Netz. NRW-Ministerpräsident Rüttgers pocht auf ein Mitspracherecht der Länder.
Die Bundesregierung erwägt Zeitungsberichten zufolge eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke um bis zu 28 Jahre. Umwelt-, Wirtschaftsministerium und Kanzleramt hätten sich darauf verständigt, auch eine Verlängerung der Laufzeiten um 28 Jahre förmlich prüfen zu lassen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitagsausgabe). Demnach sollen Gutachter vier Szenarien errechnen lassen, für vier, zwölf, 20 und 28 Jahre. Der geltende, noch von Rot-Grün und den Akw-Betreibern ausgehandelte Atomkompromiss sieht Regellaufzeiten von 32 Jahren vor. Bei einer Verlängerung um 28 Jahre ergeben sich somit Gesamtlaufzeiten von 60 Jahren. Das würde bedeuten, dass das letzte Atomkraftwerk ungefähr im Jahr 2050 vom Netz ginge.
Damit hätte sich das atomkraftfreundliche Lager innerhalb der Union durchgesetzt. Allerdings handele es sich dabei „lediglich um vorläufige Berechnungen“, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) der „SZ“. „Damit ist noch keine Vorentscheidung getroffen.“ Röttgen tritt für eine deutlich knapper bemessene Verlängerung ein. Nach einem Bericht des „Handelsblatt“ (Freitagsausgabe) erklärte er sich aber bei einem Gespräch mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bereit, Szenarien für vier, zwölf, 20 und 28 Jahre errechnen zu lassen. Die Unionsfraktion hatte sich am Dienstag dafür ausgesprochen, auch eine Verlängerung um bis zu 28 Jahre zu erwägen. Bislang wollte die schwarz-gelbe Koalition maximal 20 zusätzliche Jahre prüfen.
Kritik von der Opposition, Lob von der Industrie
Die Regierung aus Union und FDP arbeitet derzeit an einem energiepolitischen Gesamtkonzept, auf dessen Grundlage ab Herbst die Entscheidung über die Laufzeiten für Kernkraftwerke in Deutschland getroffen werden soll.
Die stellvertretendede Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn bezeichnete den Vorstoß als „sicherheitspolitisch verantwortungslos“. Er zeige, „dass die atompolitischen Hardliner in der Union wieder Oberwasser bekommen“. SPD-Fraktionsvizechef Ulrich Kelber warnte, die Koalition gefährde die Entwicklung alternativer Energien. „Wer die Atomlaufzeiten verlängert, der bringt den Ausbau erneuerbarer Energien zum Erliegen.“
Die Industrie begrüßte dagegen die Kurskorrektur: „Längere Laufzeiten von insgesamt 60 Jahren werden die Strompreise stark dämpfen“, sagte BDI-Geschäftsführer Werner Schnappauf.
Rüttgers pocht auf Mitspracherecht
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) pocht auf ein Mitspracherecht der Bundesländer bei der Frage, ob die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängert werden sollen. „Natürlich ist zur Verlängerung der Laufzeiten ein Gesetz notwendig und dafür ist auch eine Mehrheit im Bundesrat nötig. Die Länder müssen einer Laufzeitverlängerung also zustimmen, ja“, sagte Rüttgers dem „Handelsblatt“ (Freitagausgabe).
In der Debatte über die Zukunft der Atomkraft stellte sich Rüttgers hinter den in der CDU umstrittenen atomkraftkritischen Kurs von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Längere Laufzeiten seinen nicht einfach nur eine Frage der Gegenleistung durch die Atomkraftwerksbetreiber. „Kernenergie hat in Deutschland keine hohe Akzeptanz. Deshalb hat der Bundesumweltminister Recht, wenn er sagt, dass sich die Entscheidung über die Laufzeitverlängerung aus der Frage der Sicherheit und der Frage des künftigen Energiemixes ableiten muss und nicht aus einer Gegenleistung“, sagte Rüttgers.
Der NRW-Regierungschef, in dessen Land die Kernkraftwerksbetreiber E.ON und RWE ihren Sitz haben, betonte, die Verhandlungen über die durch die Laufzeitverlängerung für diese Unternehmen entstehenden Gewinne dürften „nicht wie auf einem Bazar“ geführt werden. (afp/apn/ddp)
11:33
Neben allen zig-fach geäußerten Sicherheitsbedenken zur Atomkraft hier eine Information für unsere „ökonomisch“ argumentierenden Akw-Befürworter:
Müssten die Betreiber von Atomkraftwerken für die Folgen des größten anzunehmenden Unfalls GAU haften, wäre Atomstrom unbezahlbar. Schätzungen der materiellen Schäden eines Kernschmelzunfalls im AKW Biblis ergaben die unvorstellbare Größenordnung von rund 10 Billionen Mark 10.000.000.000.000. Das ist etwa dreimal so viel wie das jährliche deutsche Bruttoinlandsprodukt. Die Enquete-Kommission des deutschen Bundestages „Schutz der Erdatmosphäre“ gibt auf Grund dieser Schätzungen für eine realistische Haftpflichtabsicherung einen Versicherungsaufschlag von rund 3,50 Mark/kWh an. Dadurch würden sich die Kosten des Atomstroms mehr als verzehnfachen.
Quelle: http://archiv.greenpeace.de/ GP_DOK_3P/HINTERGR/C02HI122.PDF Seite 9
Mit marktwirtschaftlichen Grüßen
Nico
10:45
Fein, jetzt kriegen wir die richtigen Industrieszenarien.
2004 Ausstieg bis 2015, 2010 Weiter bis 2050, nach der NRW Wahl - vielleicht doch anders. Wenn nicht - nach der Bundestagswahl 2014 Ausstieg bis 2015 ...
Da kann man lebenswichtige Infrastruktur sicher besonders gut planen! Die eine oder andere Entscheidung in diesem Gebiet braucht ein paar Jahre Vorlauf und soll über 30..40..50 Jahre funktionieren.
Übrigens:
Die Gefährdung durch deutsche AKW haben wir schon eine ganze Weile ertragen. Wären sie so gefährlich, hätte man sie sofort abschalten müssen.
Sorgen machen natürlich zunehmen erkennbare Sorglosigkeit der Betreiber und entsprechende Personalreduktionen. Das muss man (Staat) energisch gegensteuern.
Was das AUS-Argument für Atomstrom ist und vermutlich auch bleibt ist die Tatsache, dass wir keine Möglichkeit haben, den anfallenden Atommüll sicher zu entsorgen.
Die Ägypter haben ihren Königen Pyramiden gebaut und deren Gräber aufs beste bewacht. jetzt sind knapp 5.000 Jahre vorbei. Wo sind die alten Ägyper, wer bewacht ihre Gräber, wie sehen die aus?
Den Atommüll müssen wir weit über 100.000 Jahre bewachen.
Und dass die Abwärme in Salzstöcken Wasser provoziert (Verlagerungen des Kristallwassers im Salz selbst), das weiß man seit den 60er Jahren - Asse beweist es.
Trotzdem - aus der volkswirtschaftlichen Sicht macht eine längere Laufzeit Sinn: Das Risiko aus dem Betrieb ist bekannt und überschaubar. Wieder strengere ist Aufsicht notwendig - und zwar vor Ort uns aktiv statt nur bürokratisch per Papier. Und das Endlagerungs-Problem haben wir und es bleibt uns. Die (immensen) Kosten werden sich nicht sehr verändern, egal ob wir noch ein paar Brennelemente mehr versorgen müssen. Es kommt ja auch aus Forschung und Industrie sonst einiges dazu.
Es muss nur sichergestellt werden, dass der volkswirtschaftliche Nutzen auch dem Volk (i.e. jedem einzelnen) zufließt.
Diese Prinzip ist - nicht nur - in der Politik zur Vorsorge-Infrastruktur in den letzten Jahrzehnten unter jeder Regierung mehr und mehr verloren gegangen.
18:19
Atomkraftwerke sollen offenbar 28 Jahre länger am Netz bleiben
Gewinne kassieren die Atomlobby und SCWARZ/GELD über Parteispenden.
Der Dumme ist der normale Bürger, denn Schäden, die aus der ATOMKRAFT entstehen, übernehmen weder ATOMLOBBY noch SCHWARZ/GELD!!!
15:37
Da erstrahlt doch die Nation! Ich werfe meine Müll demnächst auch einfach auf die Strasse! Wenn die Atomindustrie und (unsere) Regierung den Ausstieg aus der Atomindustrie mit einem AUSSTIEG revidiert und die Lagerung bzw. Vernichtung des Mülls aussen vor lässt, dann brauche ich mich auch nicht mehr an Vorschriften der Städte, Länder und des Bundes zu halten!! Karren wir also unseren Müll nach Berlin, vor das Bundeskanzleramt!!!!
13:58
Der CDU-Röttgen ist ein gefährlicher Atom-Lobbyist!
12:42
Ich bin für den weiteren Betrieb aller Atomkraftwerke in Deutschland.
Natürlich sind einige Bedingungen damit verknüpft:
1. Da die Kraftwerke schon abgeschrieben sind erfolgt eine Senkung der Stompreise auf das Niveau von vor 10 Jahren, und keinerlei Erhöhung der Strompreise für die nächsten 28 Jahre, auch bei stark steigenden Bezugskosten von Uran.
Oder die Betreiber werden so behandelt wie jeder mittelständischer Unternehmer, was bedeutet:
2. Einführung der Brennelementesteuer von 1,6 Milliarden €, als einzigster Brennstoff wird Uran zur Zeit nicht besteuert.
3. Ab dem Zeitpunkt der Verlängerung der Laufzeit ein Endlager vor zu weisen und auf deren Kosten zu betreiben, wo der Strahlende Atommüll für die nächsten 1 Millionen Jahre sicher deponiert werden kann. Natürlich an einem Ort der sich in den Jahren geologisch nicht verändern wird.
4. Abschluß einer Haftpflichtversicherung, die den zu erwartenden Schaden bei einem Gau zu 100 % abdeckt ohne daß der Steuerzahler auch nur einen Cent für die Wiederherstellung seiner Gesundheit ausgeben muß, sowie Übernahme aller Sach- und Vermögensschäden. Geschätzte Schadenshöhe für Deutschland zwischen 2.500 bis 5.500 Milliarden €
5. Modernisierung aller Kraftwerke auf den neusten Stand der Technik.
Natürlich dürfen die entstehenden Kosten auf die Bezugskosten des Stroms für den Verbraucher umgelegt werden. Nur Zweifel ich dann an ob Atomstrom noch Konkurrenzfähig zum Öko- bzw. Naturstrom ist.
12:39
Da fließen die Gelder in Strömen, alle machen sich die Taschen voll und der Bürger bleibt auf der Strecke. Da gibts nur eine Möglichkeit, nämlich
die Abwahl dieser verantwortungslosen Politiker.
Wenn die Bundesratsmehrheit weg ist, haben wir noch eine Chance.
12:27
That means war!
12:20
Atom in NRW abwählen, das heißt: keine Stimmen für CDU und FDP. Die Bürger haben die unsinnige Atomenergie satt. Endlager gibt es nicht, produziert wird weiter. Eine Sünde an den kommenden Generationen.
11:38
#16 von in den xxxxx xxxxxxx
… ich kann Ihnen schnell und gern helfen: weil Atomforschung und –industrie das notwendige Geld schon kassiert haben und weiterhin kassieren – oder lesen Sie meinen Beitrag unter: #15 von DenkSchlächter