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Assad lässt in Aleppo Dutzende Panzer aufrollen

25.07.2012 | 22:52 Uhr

Fünf Tage nach Beginn der Rebellenoffensive in Aleppo holt die syrische Regierung offenbar zum Gegenschlag aus: Im Umkreis der Stadt ließ Präsident Baschar Assad am Mittwoch Dutzende Panzer auffahren.

Beirut (dapd). Fünf Tage nach Beginn der Rebellenoffensive in Aleppo holt die syrische Regierung offenbar zum Gegenschlag aus: Im Umkreis der Stadt ließ Präsident Baschar Assad am Mittwoch Dutzende Panzer auffahren. Aus Angst vor willkürlichem Beschuss ergriffen viele Einwohner die Flucht. Seit Dienstag wurden laut Aktivisten mindestens 40 Menschen in der Wirtschaftsmetropole getötet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte bei einem Besuch in Bosnien-Herzegowina die Welt zu einem geeinten Handeln für ein Ende des "Abschlachtens" in Syrien auf.

Aus Protest gegen das Regime in Damaskus setzten sich unterdessen weitere Diplomaten ab. Der desertierte General Manaf Tlass rief erstmals öffentlich zum Widerstand auf. Die Türkei schloss angesichts der zunehmenden Gewalt alle Grenzübergänge in das südliche Nachbarland. Israel bekräftigte seine Entschlossenheit zu einem militärischen Eingreifen, falls die Chemiewaffen Assads in die Hände der radikalislamischen Hisbollah-Miliz fielen.

In Libyen und in der Elfenbeinküste seien andere Länder eingeschritten, um massenhaftes Töten zu stoppen, während im Bosnienkrieg das Massaker von Srebrenica trotz einer UN-Mission nicht habe verhindert werden können, sagte Ban am Mittwoch in einer Rede vor dem Parlament in Sarajevo. Heute werde die internationale Gemeinschaft mit Syrien auf die Probe gestellt. "Wir müssen besser darin werden, Gräueltaten kommen zu sehen und sie beim Namen zu nennen", forderte der UN-Generalsekretär. Die Welt könne sich nicht hinter starken Worten verstecken, ohne Taten folgen zu lassen.

"Wir erwarten einen umfassenden Angriff auf Aleppo", sagte der örtliche Aktivist Mohammed Said am Abend. In der Umgebung seien etwa 80 Panzer gesichtet worden, die mit Schwerlastwagen auf dem Weg in die Stadt seien. "Die Menschen haben Angst, von willkürlichem Beschuss getroffen zu werden und flüchten." Bereits am Dienstag hatten die Regierungstruppen auch Kampfhubschrauber in Aleppo eingesetzt. "Die Lage ist derzeit sehr schwierig. Es gibt Gefechte in Wohngebieten und seit gestern sind etwa 40 Menschen getötet worden", sagte Said weiter. Ununterbrochen werde geschossen.

Der türkische Wirtschaftsminister Zafer Caglayan erklärte am Mittwoch, die Sicherheitslage lasse keinen Handelsverkehr nach Syrien mehr zu, Flüchtlinge würden trotz der Schließung der Grenze aber auch weiter nicht abgewiesen. Über die 900 Kilometer lange Grenze wurde einst ein Handelsvolumen von etwa 2,5 Milliarden Euro abgewickelt. Seit Beginn der Unruhen im März 2011 war der Verkehr aber bereits um 87 Prozent zurückgegangen. Zuletzt hatten Rebellen mindestens zwei Grenzübergänge zur Türkei unter ihre Kontrolle gebracht. An dem Grenzposten Bab al Hawa wurden Dutzende türkische Lastwagen von Bewaffneten geplündert.

Der desertierte Brigadegeneral Tlass, der einst ein enger Vertrauter Assads war, sagte am Dienstagabend dem Fernsehsender Al Arabija, die Syrer müssten jetzt zusammenarbeiten, um ein neues, demokratisches Land aufzubauen. Es war sein erster öffentlicher Auftritt, seit er sich Anfang Juli ins Ausland absetzte. Sein langes Schweigen hatte Spekulationen aufkommen lassen, ob er sich dem Aufstand anschließen oder nur dem Bürgerkrieg entkommen wollte.

Aus Protest gegen die Gewalt des Regimes kehrten unterdessen zwei weitere syrische Diplomaten Assad den Rücken. Die Botschafterin in Zypern, Lamia al Hariri, habe sich von Damaskus losgesagt und sei in Katar gelandet, teilte ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC) am Mittwoch mit. Auch ihr Mann Abdel Latif Dabbagh, der bis zuletzt Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen sei, habe sich abgesetzt, sagte das in Abu Dhabi ansässige SNC-Mitglied Schadi al Chesch.

Auf internationaler Ebene sorgte der von Assad angedrohte Einsatz von Chemiewaffen im Falle eines ausländischen Angriffs weiter für Empörung. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte "alle Kräfte in Syrien nachdrücklich dazu auf, verantwortlich zur Sicherung etwaiger Chemiewaffenbestände beizutragen". Jedem im Land sollte klar sein, dass der Einsatz von Chemiewaffen völkerrechtlich geächtet sei, sagte der Minister der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zuvor hatte auch Russland Syrien vor dem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Das Außenministerium in Moskau erklärte am Dienstagabend, Syrien habe eine Konvention zum Verbot von Chemiewaffen unterzeichnet. Die russische Regierung erwarte, dass die Führung in Damaskus ihre internationalen Verpflichtungen einhalte.

Israel kündigte sofortiges Handeln an, sollte die radikalislamische Hisbollah syrische Lager mit chemischen und biologischen Waffen plündern. "Für uns ist das der Kriegsfall", sagte Außenminister Avigdor Lieberman im israelischen Radio. Bereits in den vergangenen Tagen hatten israelische Politiker gewarnt, dass die Streitkräfte des Landes bereit seien, die Inbesitznahme syrischer Waffen durch die libanesische Hisbollah-Miliz mit einem Angriff auf die Waffenarsenale zu verhindern.

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dapd

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