Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Krisen-Konzern

Arcandor-Millionen wohl an Elite-Unis verschleudert

29.07.2010 | 14:47 Uhr
Arcandor-Millionen wohl an Elite-Unis verschleudert

Essen. Neue Vorwürfe gegen Thomas Middelhoff: Der Ex-Arcandor-Chef soll Millionen aus der Kasse des Pleite-Konzerns abgezweigt haben. Das Geld ist laut einem Medienbericht an Elite-Universitäten geflossen, unter anderem an die Uni Witten-Herdecke. Der Aufsichtsrat war offenbar völlig ahnungslos.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Essener Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, hat einem Magazinbericht zufolge in den Jahren 2008 und 2009 mit einer Millionensumme Elite-Universitäten gefördert - aus Mitteln des bereits damals angeschlagenen Konzerns. Noch am 27. Februar 2009, einen Tag vor seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen, das im Juni insolvent wurde, hatte Middelhoff eine Überweisung von 715 000 Pfund (803 000 Euro) für die Saïd Business School der englischen Universität Oxford angeordnet, wie das Hamburger Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Freitag vorab berichtete. Grundlage der Zahlung sei ein Ende Januar 2008 abgeschlossener Vertrag gewesen.

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. Foto: ddp

Der Kontrakt habe der Universität im ersten Jahr 465 000 Pfund, in den folgenden vier Jahren jeweils 250 000 Pfund gesichert. Für die großzügige Unterstützung der Forschung in Sachen «Corporate Reputation» habe Middelhoff als Arcandor-Chef einen Sitz im Beirat des Forschungsinstituts der Business School erhalten, den er auch nach der Arcandor-Insolvenz noch immer inne habe.

Vertrag mit Privatuniversität Witten-Herdecke

Der Aufsichtsrat des Konzerns habe von diesen Aktivitäten offenbar nichts erfahren. «Darüber hätte es sicher Diskussionen gegeben. Warum hätten wir etwas in Oxford fördern sollen?», sagte ein Ex-Mitglied des Kontrollgremiums dem Magazin.

Ebenfalls Ende Januar 2008 hatte der klamme Konzern auch noch einen Sechs-Jahres-Vertrag mit der deutschen Privatuniversität Witten/Herdecke abgeschlossen, wie der «Spiegel» weiter berichtete. Darin habe Middelhoff der Hochschule jährlich 350 000 Euro zugesichert - zur Finanzierung eines Arcandor-Lehrstuhls für ethisch saubere Unternehmensführung. Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg habe das Sponsoring im Sommer dieses Jahres gestoppt. Die Universität habe Anfang Dezember das «Arcandor» aus dem Namen des Lehrstuhls gestrichen. (ddp)

DerWesten


Kommentare
Aus dem Ressort
AfD-Kundgebung geht in Bottrop in lautem Pfeifen unter
Europawahl
Spitzenkandidat Prof. Bernd Lucke hielt eine Rede bei der Europawahl-Kundgebung der Alternative für Deutschland in Bottrop. Doch seine Rede auf dem Kirchplatz an der Cyriakuskirche ging im lauten Pfeifen von Gegendemonstranten unter. Der AfD wird vorgeworfen, rechtspopulistische Argumente...
Verfolgte Homosexuelle können Recht auf Asyl haben
Asylpolitik
Schwule und Lesben können auf Asyl in EU-Ländern hoffen - vorausgesetzt, ihnen drohen in ihrem Heimatland schwere Strafen. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Es ging um drei homosexuelle Männer aus afrikanischen Ländern, in denen auf Homosexualität mit Gefängnis bestraft wird.
Polizei findet Brandsätze bei Razzia gegen Linksextremisten
Kriminalität
Bei einer Razzia gegen Linksextremisten hat die Berliner Polizei in einem linksalternativen Wohnprojekt Brandsätze, Pyrotechnik und Stacheldraht gefunden. Erst im Juni hatten etwa 40 Vermummte in Kreuzberg Polizisten attackiert, zuvor hatten Unbekannte Fassaden von Jobcentern beschädigt.
Zu viele Protestanten - Orte müssen auf Feiertag verzichten
Mariä Himmelfahrt
Der 15. August 2014 wird in drei bayrischen Gemeinden ein Tag wie jeder andere sein: Denn Mariä Himmelfahrt ist dann dort kein gesetzlicher Feiertag mehr. Grund: Der letzte Zensus hat ergeben, dass in den Kommunen inzwischen mehr Protestanten als Katholiken leben.
Kritik an Mollath-Reklame von Sixt alarmiert den Werberat
Mollath-Werbung
Die Werbeanzeige des Autovermieters Sixt mit Gustl Mollath als Werbefigur hat für Wirbel gesorgt: Die Reklame war mit dem Nürnberger, der erst kürzlich aus der Psychiatrie entlassen worden war, nicht abgestimmt worden. Mollaths Anwalt kündigte rechtliche Schritte gegen Sixt an.