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Am Freitag geht es um Schleckers Zukunft

22.05.2012 | 16:33 Uhr
Foto: /dapd/Theo Heimann

Schlecker läuft die Zeit davon: Möglicherweise könnte noch in dieser Woche eine Vorentscheidung über die Zukunft der insolventen Drogeriekette fallen. Das kann dann der Fall sein, wenn die Investorensuche von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz absehbar keinen Erfolg bringt und die Verluste der Kette so hoch sind, dass die Insolvenzmasse gefährdet ist.

Ehingen (dapd). Schlecker läuft die Zeit davon: Möglicherweise könnte noch in dieser Woche eine Vorentscheidung über die Zukunft der insolventen Drogeriekette fallen. Das kann dann der Fall sein, wenn die Investorensuche von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz absehbar keinen Erfolg bringt und die Verluste der Kette so hoch sind, dass die Insolvenzmasse gefährdet ist.

Am Freitag kommt der vorläufige Gläubigerausschuss zusammen, ein beratendes Gremium für den Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, das aus ausgesuchten Gläubigern besteht. Wie das "Manager Magazin" am Dienstag vorab berichtete, könnten die Gläubiger noch in dieser Woche die Zerschlagung der Drogeriemarktkette beschließen. Weil das Unternehmen weiter hohe Verluste schreibe und zahlreiche Kündigungsschutzklagen einen Investor mehr als 100 Millionen Euro kosten könnten, werde ein Komplettverkauf immer unwahrscheinlicher. Das Magazin berichtet von einem Schuldenberg des Unternehmens, "der sich bedrohlich der Milliardengrenze nähere".

Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Kreditversicherer Euler Hermes zu, der einem Eingeweihten zufolge bei Schlecker alleine mehr als die Hälfte der Forderungen vertritt und auch in dem Gremium vertreten ist.

Zwar beschließt laut Insolvenzrecht die wesentlich größere Gläubigerversammlung über die Fortführung eines insolventen Unternehmens. Sie kommt bei Schlecker erst am 5. Juni zusammen. Wenn ein Insolvenzverwalter aber vor diesem Termin Tendenzen sehe, die zu einer Stilllegung des Unternehmens führen, so könne er dies mit Zustimmung des Gläubigerausschusses bereits zuvor beschließen, sagte der Heidelberger Insolvenzanwalt Thomas Oberle der Nachrichtenagentur dapd.

Er müsse dies sogar tun, weil er masseschonend agieren müsse. Sollte er wissentlich etwas unterlassen, um die Insolvenzmasse zu erhalten, könne er selbst haftbar gemacht werden, sagte Oberle. Allerdings müsse in jedem Fall auch der Schuldner, in diesem Fall also Schlecker, darüber informiert werden. Dieser kann dann beim zuständigen Insolvenzgericht beantragen, diese vorgezogene Entscheidung zu untersagen.

Jetzt ist also die Frage: Zaubert Geiwitz noch eine Lösung aus dem Hut? Nach den Worten seines Sprechers gibt es noch fünf Interessenten, mit drei davon würden "intensive Gespräche" geführt. Mit vier potenziellen Investoren befinde man sich in der sogenannten Due-Diligence-Phase, einer tiefgehenden Unternehmensprüfung. Allerdings ist es spätestens bei der Gläubigerversammlung vorbei mit der Geduld. Um das gesamte Unternehmen zu verkaufen, brauche Geiwitz innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen ein "handfestes Zwischenergebnis", sagte der Sprecher in der vergangenen Woche.

Eine mit den Vorgängen vertraute Person sieht insbesondere in der Tatsache, dass der Verkauf der ebenfalls insolventen Schlecker-Tochter Ihr Platz bislang nicht offiziell bestätigt wurde, einen Hoffnungsschimmer. Mehrere Quellen hatten vor zwei Wochen bestätigt, dass die Münchener Dubag Ihr Platz übernehmen würde. "Vielleicht ist Geiwitz seinem Kollegen Schneider in den Arm gefallen und hat gesagt: warte mal ab, ich habe vielleicht noch jemanden, der alles nimmt", so die Hoffnung. Werner Schneider ist zusammen mit Geiwitz vertretungsberechtigter Partner der gemeinsamen Kanzlei und Insolvenzverwalter von Ihr Platz.

dapd

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