Als Vegetarier lebe ich einfach besser
18.08.2010 | 14:58 Uhr 2010-08-18T14:58:00+0200
Essen. Fleischkonsum kann ich nicht mit meinem Gewissen in Einklang bringen. Bilder von Tieren in Massenhaltung verderben mir jeden Bissen. Deshalb verzichte ich seit 16 Jahren auf Fleisch - und es geht mir gut.
„Kind, dir muss doch was fehlen“ – ein beliebter Satz von Fleischessern, der sich, seit ich sechs Jahre alt bin, durch mein Leben zieht. Solange verzichte ich nämlich schon auf Fleisch. Heute bin ich 22 und ich kann jeden beruhigen: Ich bin fit und gesund, von Mangelerscheinungen keine Spur. Nur meinen Gesprächspartnern mangelte es manchmal an Verständnis.
Wer sich mit sechs Jahren überlegt, kein Fleisch mehr zu essen, weil er plötzlich merkt, dass die süßen Tiere auf dem Bauernhof vielleicht morgen auf dem eigenen Teller liegen, der hat es nicht ganz leicht. Zum einen ist es mit sechs schwer, die nötige Konsequenz aufzubringen und auf das Würstchen vom Grill zu verzichten. Zum anderen war es für mich nicht einfach, meine Idee in einer Familie voller Fleischesser durchzusetzen. Immer wieder erklärte ich besorgten Großmüttern, Onkeln und Tanten: „Ich esse nichts, was Mama und Papa hatte.“ Irgendwann wurde meine Einstellung akzeptiert. Außer von der netten Dame an der Fleischtheke, die sich, wenn ich die geschenkte Scheibe Wurst ablehnte, entsetzt an meine Mutter wandte mit der Frage „Ist sie nur Süßes?“.
Heute bin ich froh, dass ich mich durchgesetzt habe. Denn natürlich gibt es gute Gründe, auf Fleisch zu verzichten. Ich frage mich, wie man in einer aufgeklärten Gesellschaft noch unbeschwert zum Burger greifen kann. Denn eigentlich weiß jeder, wie es in der Massentierhaltung zu geht: Auf engstem Raum stehen die Tiere in ihren Exkrementen, sie leben in ewiger Dunkelheit, sehen nie eine grüne Wiese, sondern werden auf unnatürliche Weise mit Futter vollgestopft. Dann werden sie in einen Transporter gequetscht, in dem es kalt und zugig ist, und nach Osteuropa transportiert, weil dort billiger geschlachtet wird. Am Ende ihres Lebens treibt der Mensch sie zur Schlachtbank, wo sie häufig nicht einmal richtig tot sind, bevor man sie aufschneidet und verarbeitet.
Fleischesser haben eine schädliche Lebensweise
Doch der Fleischkonsum zieht noch ganz andere Kreise: Die Viehzucht führt auch zum Klimawandel, zur Überfischung der Meere und zum Hunger in der Welt. All das sind keine neuen Argumente - und gerade das macht es so unverständlich für mich, warum so viele Menschen gegen jedes besseren Wissens täglich Fleisch essen. Menschen, die das tun, halte ich für egostisch und ignorant. Weil sie nicht bereit sind, ihren Konsum einzuschränken, obwohl sie wissen, dass ihre Lebensweise schädlich ist.
Ich kenne so gut wie jede Ausrede, mit der sich Nicht-Vegetarier verteidigen. Was der Verzicht eines Einzelnen denn bringen soll, werde ich häufig gefragt. Oder ich bekomme zu hören, dass Menschen schon immer Fleisch gegessen haben. „Das war schon immer so, das bleibt auch besser so“ – hätte die Menschheit in allen Bereichen des Lebens nach dieser Überzeugung gehandelt, säßen wir heute abends nicht gemütlich vor dem Fernseher, sondern würden immer noch die Wandmalerei in unseren Höhlen bestaunen. Nur, wenn es um den eigenen Verzicht geht, ist diese Einstellung plötzlich salonfähig. Der Mensch ist bequem. Veränderungen und Verzicht sind nicht immer einfach. Aber so konsequent zu sein, wie eine Sechsjährige, das sollte doch für jeden zu schaffen sein.
21:49
Ich bin noch neu in diesem Vegetarier Business daher bin ich noch überrascht, wie viel - ja, man muss schon sagen - Hass bei dem Thema im Raum liegt.
Ich empfehle auch Jonathan Safran Foer: keine Missionierung, kein großes Anklagen, kein Ekel: einfach nur sachliche Argumente, die jeder akzeptieren kann oder eben nicht.
18:14
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15:02
Es gibt Sorgen die will ich haben. -.-
14:44
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10:18
Ich bin zwar noch nicht lange Vegetarier, kann aber sagen das sich an meinem gesundheitlichem Zustand seitdem nichts verändert hat.
Zudem gibt es mittlerweile ein breites Angebot an Tofu und vegetarischem Fleisch (Gemüseburger etc). Und dazu kann ich nur sagen: Es schmeckt sogar mindestens - wenn nicht noch besser - genauso gut wie normales Fleisch! :-)
09:04
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12:49
Merkt Ihr nicht, dass alles dies für das Buch von Foer spricht?
Er zeigt die Missstände auf, ohne irgendwen direkt anzugreifen. Wenn man jemanden angreift, weht er sich.
Wenn man dies nicht tut, hat er die Möglichkeit, einfach mal nachzudenken.
Natürlich kann es einzelne Menschen geben, die wirklich gegen alles andere als Fleisch allergisch sind, auch wenn ich noch nie jemanden persönlich kennengelernt habe, bei dem dies so ist und es auhc unlogisch finde, weil komplexe Eiweiße eigentlich eher zu Allergien führen - aber möglich ist alles.
Nur: Die meisten Menschne haben nicht solche Allergien. Häufiger sind Allergien gegen milch und Eier, doch es ist ja möglich, gesund vegan zu leben, wenn man gewisse Regeln beachtet, die man aber in jedem Fachbuch dazu oder beim Vegetarierbund erfährt.
Möglich ist es also. Die Frage ist nun: Ist es notwendig?
Diese Frage muss man bejahen, wenn:
- einem das Sattwerden ALLER Menschen wichtig ist, da die Futtermittel viel mehr Pflanzennahrung zerstören, als eine vegetarische Menschheit je essen könnte und zudem die Bodenerosion durch Futtermais wertvolle Flächen zerstört
- man klimafreundlich denkt - nicht nur Rinder, sondern über Futtermittelerzeugung und weitere Faktoren alle Nutztierarten sind ungefähr ebenso stark für den Klimawandel verantwortlich wie der gesamte Verkehrssektor.
- man weiß, dass ein geringer fleischkonsum zwar unschädlich ist, man aber auch nach Ansicht der Ernährungswissenschaft (DGE) nicht häufiger als etwa zweimal die Woche Fleishc verzehren sollte, das damalige BGA empfahl sogar nru einnmal Fleisch pro Woche - als Obergrenze nach einer groß angelegten Studie von Rottka. Die amerikanische Ernährungsorganisation ADA empfiehlt jetzt nach einer großen Meta-Studie vegetarische und sogar vegane Kost für alle Altersstufen uneingeschränkt.
Auch wenn wir in der Lage sind, Fleisch zu essen, was sich darin zeigt, dass wir Eckzähne besitzen, ist unser Körper also flexibel genug, dies auch sein zu lassen. Wir können es. Wir können es auch bleiben lassen. Genau das sagt Foer.
Grenzen des eigenen Handelns sind immer da, wo der Mensch anderen schadet. Dass Fleischkonsum tatsächlich und massiv Menschen und Tieren und auch der Natur schadet, wissen bislng leider noch nicht alle Menschen. Die, die es aber wissen, haben nun die Chance, sich zu überlegen, ob es nciht auch leckere andere Gerichte gibt. Vielleicht nicht immer - aber vielleicht immer öfter mal - und vielleicht auch gänzlich?
Man fühlt sich gut dabei - das kann ich bezeugen.
12:49
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