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Interview

Afrika ist ein Wachstumsmarkt!

11.08.2009 | 17:18 Uhr

Essen. Während chinesische Unternehmen in Afrika aggressiv investieren und gute Gescäfte machen, agiert die deutsche Wirtschaft eher zurückhaltend. Der Geschäftsführende Vorstand des Afrikavereins, Hans W. Meier-Ewert, erklärt im Interview, warum das so ist - und dass es falsch ist.

Herr Meier-Ewert, welche Ziele hat der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft?

Hans W. Meier-Ewert: Unser Unternehmerverband versteht sich als Anwalt für die deutschen Unternehmen, die nach Afrika gehen, und wir machen Werbung für den Standort Afrika. Der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft besteht übrigens schon seit 75 Jahren.

Spüren Sie, dass die Chinesen in Afrika zunehmend als Konkurrenz europäischer Unternehmen auftauchen?

Meier-Ewert: Man muss akzeptieren, dass die Chinesen viele Produkte und Leistungen günstiger anbieten können. Sie bringen in der Regel auch ihre Arbeiter aus China mit. Insbesondere im Baubereich können wir Europäer da nicht mithalten. Es gibt aber neue Geschäftsfelder für uns Europäer neben den Chinesen: So zum Beispiel beim Dammbau im Sudan oder beim Bau einer Eisenbahn in Angola. Dort sind die Chinesen engagiert, aber deutsche Ingenieure übernehmen die Qualitätssicherung. Das nützt allen Beteiligten. Das Interesse Chinas und privater chinesischer Unternehmen an Afrika ist sehr groß. Man könnte sagen: Sie beißen sich dort fest. So etwas gab es ja früher auch schon. Ich will hier mal an die positive Rolle der Inder in Ostafrika erinnern. Das indische Engagement hat zum Entstehen einer mittelständischen Unternehmerschaft geführt.

Haben denn Firmen aus Deutschland Afrika auch auf ihrer Rechnung?

Meier-Ewert: Bei kleineren deutschen Unternehmen ist das Interesse an Afrika ist nicht so groß. Wie viele Familienunternehmen haben schon die Möglichkeit, irgendwo in Afrika auf dem Lande eine Außenstelle zu betreiben? Das Leben dort ist ja vergleichsweise hart. Aber es gibt dennoch Unternehmer, die nach Afrika gehen. Es gibt zum Beispiel Deutsche, die dort sehr erfolgreich Blumenanbau betreiben. Für Nischenmärkte eignet sich der Kontinent hervorragend.

Also ist in Afrika durchaus ein Geschäft zu machen?

Meier-Ewert: Viele werden es nicht wissen: Afrika ist einer der wenigen großen Wachstumsmärkte, die es auf dem Globus gibt. Sogar in der Krise liegt das Wirtschaftswachstum im Schnitt bei drei Prozent, vorher waren es jahrelang fünf bis sechs Prozent. In Angola und Uganda lag die Quote sogar mal bei zehn Prozent.

Sie reden von Wachstum, der deutsche Durchschnittsbürger denkt bei Afrika aber eher an Leid und Elend

Meier-Ewert: Stimmt! Dass Deutschland im Vergleich zu China, aber auch Frankreich und Großbritannien eher zurückhaltend beim Afrikahandel ist, hat auch etwas mit der spezifisch deutschen Wahrnehmung dieses Kontinents zu tun. Die Leute denken doch gleich an Kriege, Krankheiten, Hunger- und Naturkatastrophen. Das enorme Wirtschaftswachstum, die enormen Veränderungen zum Guten, der Rückgang der Krisen und Kriege – das erkennen die Wenigsten. Siemens ist seit 150 Jahren in Südafrika präsent, aber das breite Interesse an diesem Kontinent fehlt leider immer noch.

Wie sehen das unsere europäischen Nachbarn?

Meier-Ewert: Die Briten und Franzosen denken da anders, und das hat natürlich etwas mit den historischen Beziehungen zu Afrika zu tun. Der Afrikaverein verfolgt auch mit großem Interesse das die Türkei sich immer mehr in Afrika engagiert. Bedeutende türkische Industrieunternehmen knüpfen Kontakte in den Süden. In Griechenland ist das genauso. Im Grunde nimmt das Interesse der ganzen Welt an Afrika zu. Vielleicht erkennen wir ja auch bald die großen Chancen, die uns der Kontinent bietet. Ich werte es als positives Zeichen, dass unser Verband wächst. Wir haben inzwischen fast 700 Mitglieder - so viele wie noch nie.

Matthias Korfmann

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