Ab Mittwoch soll Deutschland wieder auftauen
15.02.2010 | 15:29 Uhr 2010-02-15T15:29:00+0100
Essen.Wegen Streusalzmangels werden auf Autobahnen nicht mehr alle Spuren gestreut. Die zwischen Erwitte und Diemelstadt in Fahrtrichtung Kassel gesperrte A44 allerdings ist inzwischen wieder freigegeben. Und ab Mittwoch soll es wärmer werden, versprechen Meteorologen.
Hoffnung auf ein Ende des Winters: Von Mittwoch an ist nach und nach in ganz Deutschland mit milderen Temperaturen zu rechnen. Damit gehören auch die strengen Nachtfröste der Vergangenheit an, wie Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst am Montag mitteilte. Für Kommunen und Straßenmeistereien ist es höchste Zeit für eine Wetterverbesserung - vielerorts ist das Streusalz äußert knapp.
Neuerliche Schneefälle am Samstagabend und in der Nacht haben in Nordrhein-Westfalen am Wochenende zu teils chaotischen Verkehrsverhältnissen geführt. Die Autobahnmeistereien stehen nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau NRW zunehmend vor Problemen, da die Streusalz-Vorräte allmählich ausgingen. Daher könnten auf einigen Autobahnen nicht mehr alle Fahrspuren mit Salz gestreut werden. Betroffen sei etwa die Autobahn 2 bei Oberhausen.
Die Autobahn 44 ist allerdings inzwischen wieder für den Verkehr geöffnet. Die Strecke war zwischen Erwitte/Anröchte und Diemelstadt in Hessen am Wochenende auf einem Abschnitt von 52 Kilometern in Richtung Kassel gesperrt, nachdem es zuvor eine Serie von witterungsbedingten Unfällen mit einer Toten und mehreren Verletzten gegeben hatte.
„Eingeschränkter Winterdienst“
Der Landesbetrieb biete derzeit „nur eingeschränkten Winterdienst“, erklärt Sprecher Bernhard Meier. Auch auf Autobahnen würden derzeit nicht mehr alle Fahrspuren gestreut. „Wir räumen überall, streuen aber nur eingeschränkt“, hieß es. Bei Strecken mit zwei Spuren werde der rechte Fahrstreifen gestreut, bei drei Spuren die beiden rechten.
Ob es gelingt, die Autobahnen wenigstens teilweise frei zu halten, hängt vom Wetter in den kommenden Tagen ab. Sollte es aber zu Eisregen kommen, gehe es „nur mit ganz viel Salz“, so Meier. Dann könne es zu einer „kritischen Situation“ kommen.
Streu-Sparstrategien
„Auf diese für NRW-Verhältnisse extremen Wetterverhältnisse sind wir nicht eingestellt“, sagte Meier, am Sonntag in Gelsenkirchen auf ddp-Anfrage. Bei den Autobahnmeistereien gingen zwar kontinuierlich Salz-Lieferungen ein, die aber angesichts des anhaltenden Winterwetters „im Nu verbraucht“ würden. Auf den Autobahnen im Bereich Recklinghausen wurde laut Meier am Wochenende überhaupt kein Salz mehr gestreut. Dort seien keine Vorräte mehr vorhanden.
„Neue Salzlieferungen gehen dahin, wo die Not am größten ist“, sagte Meier. Priorität hätten dabei die Autobahnen. Laut Landesbetrieb wurden in diesem Winter bereits 250 000 Tonnen Streusalz verbraucht. In der kompletten Wintersaison 2008/2009 waren es 200 000 Tonnen.
Auch Niedersachsen spart am Salz
Auch in Niedersachsen konnten die Autobahnen aus Mangel an Salz nur noch eingeschränkt von Schnee befreit werden. Auf drei- wie zweispurigen Autobahnen habe man seit Mitte letzter Woche die äußersten linken Fahrstreifen nicht mehr streuen können, sagte eine Sprecherin der Landesbehörde für Verkehr in Hannover. Auf den Landstraßen und einem Großteil der Bundesstraßen habe man das Streuen mittlerweile ganz eingestellt. Die Vorräte seien bis auf einen kleinen Rest für Notfälle aufgebraucht.
Die hessischen Straßenmeistereien haben bislang 165.000 Tonnen Streusalz ausgebracht, rund eineinhalb mal so viel wie in einem normalen Winter. Angesichts von Lieferschwierigkeiten könne nun der Service nicht mehr uneingeschränkt aufrecht erhalten werden, erklärte Burkhard Vieth, Präsident des Hessischen Landesamtes für Straßen- und Verkehrswesen.
In den Kommunen ist Streusalz nach wie vor Mangelware, wie Frank Fischer, Sprecher der für den Winterdienst in Wiesbaden zuständigen städtischen Entsorgungsbetriebe ELW, sagte. Die Mehrkosten des Winterdienstes ließen sich noch nicht beziffern, seien aber zweifellos erheblich: „Jeder Mitarbeiter des Winterdienstes kommt derzeit auf rund 150 Überstunden.“ Bei 140 Mitarbeitern komme da einiges zusammen.
Baden-Württemberg ist optimistisch
Auf den baden-württembergischen Autobahnen wird mit Kosten für das Streusalz von über 13 Millionen Euro gerechnet, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart sagte. Damit werde der Spitzenwert mit 68.000 Tonnen im Winter 2004/05 übertroffen. Die Salzvorräte seien knapp, reichten aber aus.
Auch die Autobahnmeisterei Rosenheim an der A 8 München - Salzburg sieht sich „gut gerüstet, bis der Winter rum ist“. Wie Leiter Manfred Sitzberger sagte, hat er noch 1.000 Tonnen Salz auf Lager, „und heute kommen nochmal 100 Tonnen rein“.
Der „Hochwinter“ neigt sich dem Ende zu
Möglicherweise können die Gemeinden bald aufatmen: „Der Hochwinter ist allmählich vorbei“, sagte Meteorologe Ruppert. Winterliche Intermezzos könne es allerdings noch bis in den März hinein geben. „Die Tage werden wieder länger, die Sonne hat mehr Kraft. Das macht sich schon bemerkbar“, erklärte er. Bis Dienstag erwarte er noch winterliches Wetter mit etwas Schneefall. Mittwoch sei es dann zunächst im Südwesten deutlich milder, später auch im Nordosten. Aber: „Dort, wo noch Schnee liegt, taut er nur zögerlich.“
Autofahrer sollten angesichts der steigenden Temperaturen besonders vorsichtig sein: Nässe auf den Straßen zum Beispiel durch Schmelzwasser kann nachts überfrieren und zu Glatteis führen. Die Verkehrsbedingungen blieben winterlich, warnte Ruppert. (herz mit Material von apn und ddp)
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