Universität: Studenten protestieren in Duisburg und Essen
Duisburg/Essen. Studenten besetzen in Duisburg und Essen das Audimax. Sie protestieren gegen Studiengebühren und fordern die Aufhebung des Bachelor-Master-Systems. Bundesweit wird an elf Universitäten gestreikt.
In den vergangenen Tagen wurden bereits die Universitäten Münster und die Hochschule Niederrhein besetzt. Die Studierenden der Universität Duisburg-Essen haben sich nach einer hitzigen Diskussion an beiden Campi (Videokonferenz) spontan zu einer Besetzung der beiden Audimax in Duisburg und Essen entschlossen.
Voraus ging eine, auf wachsenden Druck der Studierenden vom ASTA einberufenen Vollversammlung, bei der sich nach vielen kritischen Redebeiträgen eine starke Unzufriedenheit mit der aktuellen Hochschulpolitik, den daraus resultierenden Beeinträchtigungen und auch der mangelnden Vertretung der Interessen der Studierenden durch den ASTA herauskristallisierte.
Die Studierenden treten mit ihrem Protest für eine Abschaffung von Studiengebühren, für die Aufhebung des Bachelor-Master Systems, und für mehr demokratische Mitbestimmung bei wichtigen Fragen der Hochschulentwicklung ein.
Bundesweite Streiks
Der Studentenprotest war nach einer Sitzung des Asta ausgebrochen, mit dessen Ansichten die Studentenschaft nicht einverstanden war. Fotos: Oliver Müller
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Auch bundesweit seien zentrale Hörsäle in elf Universitäten bereits besetzt, am 17. November soll ein Aktionstag auch international für Aufsehen sorgen. Ein «heißer Herbst» steht bevor, kündigten am Dienstag in Berlin Studenten und Schüler des deutschen Bildungsstreikbündnisses an.
«Wir fordern selbstbestimmtes Lernen, freien Hochschulzugang, Demokratie an allen Studieneinrichtungen und bessere Lernbedingungen», sagte Michael Dunker, Student an der Universität Münster. Der sogenannte Bologna-Prozess zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens müsse infrage gestellt werden. Die Reaktionen auf die Bildungsproteste im Sommer seien zu gering ausgefallen - es habe keine echten Veränderungen im bestehenden Bildungssystem gegeben.
Auch in der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach versammelten sich am Montag über 250 Studierende, um ihren Forderungen friedlich Ausdruck zu verleihen, wobei sie teilweise vom Lehrpersonal unterstützt wurden. Die Besetzung dauerte am Dienstag an. Derzeit protestieren noch gut 70 Studenten.
Österreich ist Ausgangspunkt der Proteste
Bereits im Juni hatten Tausende Schüler und Studenten in ganz Deutschland mit Demonstrationen und Blockaden bessere Bildungsbedingungen gefordert. «Die Kultusministerkonferenz hat daraufhin lediglich festgestellt, dass es Kritik am Bologna-Prozess gibt. Das ist zu wenig», betonte Dunker. Nun soll mit einem europaweiten Protest den Forderungen der Studenten Nachdruck verliehen werden.
Die neue Protestwelle hat ihren Ausgangspunkt in Österreich. Dort halten Studenten schon seit mehr als zwei Wochen Hörsäle der wichtigsten Universitäten besetzt, in Deutschland seien es nun elf, teilten so die Mitglieder des Protestbündnisses am Dienstag. So ist es in den Hochschulen Potsdam, Münster, Heidelberg, Marburg, München, Paderborn, Darmstadt, Mönchengladbach, Greifswald, Dresden und Tübingen zu Hörsaal-Blockaden gekommen. Nun kündigten die Studenten an, weitere Demonstrationen und Besetzungen folgen zu lassen. Mehr als 100 Basisgruppen des Bündnisses gebe es bundesweit. Geplant ist unter anderem eine Blockade der Kultusministerkonferenz am 10. November in Bonn. «Wir wollen die Politiker nachsitzen lassen - vielleicht wird ihnen dann klar, dass sich etwas ändern muss», sagte Dunker.
Auch Schüler demonstrieren
Auch Schüler beteiligen sich an den neuen Protesten gegen das Bildungssystem. «Wir wurden bisher mit unseren Forderungen komplett ignoriert», beklagte Paula Rauch, Schülerin am Französischen Gymnasium Berlin. «Wir sollen in maroden Schulgebäuden, großen Klassen mit überfrachteten Stundenplänen und überforderten Lehrern ordentlich lernen - das geht nicht», sagte die 17-Jährige.
Eine Studentengruppe im besetzten Audimax der Uni Essen erarbeitet die Forderungen der Studentschaft. Foto: Oliver Müller
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Unterstützung bekamen Studenten und Schüler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. «Wir brauchen eine Kehrtwende in der Bildungspolitik», betonte der GEW-Bundesvorsitzende Ulrich Thöne. Es fehlten 40 Milliarden Euro pro Jahr für den Bildungsbereich. Obwohl die Streiks vom Juni einige Reaktionen unter Politikern hervorgerufen hätten, sei zu wenig passiert.
Klaus Böhme, Vorsitzender des Fachbereichs für Bildung bei verdi, bestätigte: «Das Bildungssystem ist in seiner Gesamtheit desolat geblieben.» Auch Politiker der Linken sowie der Piratenpartei kündigten ihre Unterstützung für den Protest der Jugendlichen an.(mit ddp)

































