2,9 Millionen afghanische Kinder chronisch mangelernährt
29.11.2011 | 14:07 Uhr 2011-11-29T14:07:00+0100Berlin (dapd). Kurz vor der Afghanistan-Konferenz in Bonn prangert die ärztliche Friedensorganisation IPPNW die schlechten Lebensbedingungen der Bevölkerung an. Jedes zweite Kind sei chronisch mangelernährt, also insgesamt 2,9 Millionen Kinder. Zudem sei Afghanistan eines von elf Ländern weltweit, in denen mehr als 20 Prozent der Neugeborenen nicht älter als fünf Jahre werden.
Der IPPNW-Vorsitzende Matthias Jochheim erklärte am Dienstag in Berlin: "Um Schlimmeres zu verhüten, bedarf es eines sofortigen Waffenstillstands, notfalls einseitig verkündigt." Die humanitäre Situation habe sich nach zehn Jahren "Krieg gegen den Terror" kaum verbessert.
Die frühere IPPNW-Vorsitzende Angelika Claußen wies auf steigende Opferzahlen hin. Den Kämpfen seien 2006 genau 929 Zivilisten zum Opfer gefallen, im Anschluss sei die Zahl laut einer Erhebung der UN jährlich gestiegen und zwar auf 1.523 im Jahr 2007, 2.118 im Jahr 2008 und 2.412 im Jahr 2009. Im vergangenen Jahr seien 2.777 Opfer gezählt worden. Schätzungen zufolge werde 2011 mit etwa 3.200 Opfern ein trauriger Höchststand erreicht.
Claußen verwies zudem auf Zahlen des Internal Displacement Monitoring Center (IDMC), wonach zwischen 2006 und 2010 etwa 730.000 Menschen hauptsächlich als Folge von Kampfeinsätzen der westlichen Truppen fliehen mussten.
Die Friedensorganisation IPPNW forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Claußen schrieb: "Statt der bisherigen Kriegsstrategie mit Drohneneinsatz und dem völkerrechtswidrigen 'target killing' von Führungspersonen der Taliban braucht es geduldige Verhandlungen, den vollständigen Truppenabzug der fremden Truppen als langfristiges Ziel und eine großzügige Unterstützung beim Wiederaufbau Afghanistans, der kleinräumig und dezentral gestaltet werden muss."
Gerade die junge Generation Afghanistans brauche "realistische Schritte zum Frieden wie die Luft zum Atmen", schrieb Claußen. "Auch die deutschen Soldaten wollen ihr Leben nicht mehr für diesen sinnlosen Krieg opfern - so wie die Mehrheit der deutschen Bevölkerung diesen Krieg seit Jahren ablehnt."
Zehn Jahre nach der Petersberger Konferenz 2001 trifft sich am 5. Dezember die internationale Staatengemeinschaft erneut in Bonn. Den Vorsitz hat die afghanische Regierung. Erwartet werden rund 100 Delegationen mit etwa 1.000 Teilnehmern. Ziel ist, das langfristige Engagement der internationalen Gemeinschaft festzuzurren, den Aussöhnungsprozess im Land anzuregen und den Aufbau zu verstetigen.
dapd
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