Mütterstudie

Zweifel sind auch Müttern erlaubt

Ein Kommentar von Nina Grunsky

Vermutlich kennt sie jeder: Frauen, die niemals Mutter werden wollten – und dann nach der Geburt des ersten Kindes voller Glück in dieser Rolle aufgehen. Warum also sollte es umgekehrt nicht auch Frauen geben, die ihren Kinderwunsch am liebsten wieder rückgängig machen würden? Frauen, die ihre Kinder lieben, sich fürsorglich kümmern – und doch ihr altes Leben zurück haben möchten. Eine Einstellung, die die Gesellschaft – nebenbei bemerkt – Vätern durchaus zugesteht.

Überraschend scheint höchstens, dass Frauen ausgerechnet nun das Tabu brechen, diese Gefühle öffentlich zu machen. Ausgerechnet in Zeiten, wo Mütter so viele Möglichkeiten haben wie nie zuvor. In Zeiten, wo es einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem zweiten Lebensjahr gibt. In Zeiten, wo Arbeitgeber auf Teilzeit-Wünsche eingehen (müssen). In Zeiten, wo sich immer mehr Väter ebenfalls Erziehungszeit nehmen.

Doch damit einher gehen auch wachsende gesellschaftliche Ansprüche an Frauen. Sie müssen alles können und wollen: Berufstätig sein – und doch achtsame Mütter, die ihren Kindern alle Wege in die Zukunft ebnen vom Babyschwimmen über die musikalische Frühförderung, von der allabendlichen Vorlesestunde bis zum gesunden Frühstück am Morgen. Mütter, die ihre Kinder nicht vor dem Fernseher parken, sondern pädagogisch wertvoll mit ihnen spielen – und zugleich die Zeit finden, einen Dinkel-Gemüseauflauf zu kochen. Die aber trotzdem nicht auf ihre Kinder fixiert sein dürfen, sondern Freundschaften und Hobbys pflegen müssen.

So gesehen, dürfen Mütter also durchaus Zweifel an ihrer Rolle bekommen – und diese äußern. Sonst ändert sich nichts.