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Woll-Blümchen

14.09.2012 | 19:00 Uhr

Das Finanzamt ruft an. In Person einer sehr freundlichen Dame. Diese teilt mir mit, dass ein Umschlag mit den Belegen für meine Einkommensteuererklärung auf ihrem Schreibtisch liege. Von den Elster-Formular-Seiten habe sie bislang jedoch lediglich das Deckblatt erhalten. Daher bittet sie mich, ihr die sogenannte Telenummer durchzugeben, dann könne sie die fehlenden Unterlagen vielleicht selbst aus dem weltweiten Datennetz fischen.

Das Finanzamt ruft an. In Person einer sehr freundlichen Dame. Diese teilt mir mit, dass ein Umschlag mit den Belegen für meine Einkommensteuererklärung auf ihrem Schreibtisch liege. Von den Elster-Formular-Seiten habe sie bislang jedoch lediglich das Deckblatt erhalten. Daher bittet sie mich, ihr die sogenannte Telenummer durchzugeben, dann könne sie die fehlenden Unterlagen vielleicht selbst aus dem weltweiten Datennetz fischen.

Ich schaue in meinen Unterlagen nach und sehe im privaten Ausdruck, dass ich die Erklärung am 24. Juni um 17.24 Uhr und 34 Sekunden per Internet (und Ausdrucksnachweis) an das Finanzamt geschickt habe. Doch was nützt mir das? Also gebe ich die gewünschte Telenummer ans Finanzamt durch. Doch es zeigt sich, dass die freundliche Dame auch damit nicht weiterkommt. Nun bittet sie mich, den Datensatz noch einmal zu schicken.

Vergebliche Versuche

Weil aber inzwischen mein Computer etwas geschwächelt hatte, musste er irgendwann im Juli vollständig neu geladen werden, was wiederum den Verlust aller gespeicherten Dateien - inklusive Elster - zur Folge hatte. Ein wenig zähneknirschend entschließe ich mich, das Elster-Programm erneut herunterzuladen und die entsprechenden Felder abermals auszufüllen. Allein, die vorhandenen Seiten der handschriftliche Version (die ich gottlob immer noch zur Sicherheit anfertige) lassen sich nicht eins zu eins in die Internet-Elstervariante übertragen; die Seiten sind unterschiedlich aufgebaut. Nach mehreren vergeblichen Anläufen breche ich den Versuch genervt ab.

Im Finanzamt hole ich mir nun ein weiteres Komplett-Set der Papiervordrucke und schreibe alles noch einmal ab. Am nächsten Morgen sollen die Blätter dann zum Amt gebracht werden, wo die freundliche Dame eine umgehende Bearbeitung meiner Unterlagen bereits in Aussicht gestellt hat.

In der Nacht träume ich, dass meine Frau den Vorschlag macht, den Umschlag für das Finanzamt mit ein paar selbstgehäkelten Woll-Blümchen zu bestücken, um eine positive Stimmung zu bewirken. Ich halte das aber doch für etwas übertrieben, um nicht zu sagen möglicherweise sogar kontraproduktiv. Als ich morgens erwache, bin ich froh, dass ich das Blümchenangebot wirklich nur geträumt habe. Und meine Frau beteuert entrüstet, niemals über Wollblümchen ernsthaft nachgedacht zu haben

Inzwischen sind ein paar Tage vergangen, und das Finanzamt hat mir meine Belege schon wieder zurückgeschickt. Ich werte das als ein gutes Zeichen. Dass auch keine weiteren telefonischen Anfragen erfolgen, stimmt mich ebenfalls recht hoffnungsvoll.

Andreas Thiemann



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