Wo ist der Wille zum Frieden?

Ein bisschen Hoffnung. Mehr nicht. Die Kriegsparteien in der Ostukraine haben sich auf eine Waffenruhe geeinigt. Das ist ein Signal, ein Anfang. Und wenn das Sterben ab Sonntag wirklich ein Ende haben sollte, sogar ein guter. Vor allem Angela Merkel und François Hollande ist es zu verdanken, dass Wladimir Putin und Petro Poroschenko überhaupt an den Verhandlungstisch zurückgekehrt sind und fast 17 Stunden lang bis zur Erschöpfung um eine Lösung pokerten. Europa hat Handlungsfähigkeit bewiesen.

Aber: Wir sind jetzt nicht viel weiter als vor fünf Monaten. Minsk I weckte im September Hoffnungen, die schon kurze Zeit später wieder zerplatzten. Papier ist geduldig, jetzt zählen die Fakten. Die Marathon-Verhandlungen von Minsk II sind wertlos, wenn die Beschlüsse nicht umgesetzt werden. Leider haben die vergangenen Monate gezeigt, dass beide Seiten in ihrem Hass auf den Gegner lieber zu Waffen als zu Argumenten greifen. Wenig positiv stimmt in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass die Waffenruhe erst Sonntagnacht beginnen soll. Bis dahin geht das Töten weiter – und es werden sich bestimmt genügend Gründe für Vergeltungsmaßnahmen finden.

Wladimir Putin ist nicht der Typ, der sich Landgewinne ohne umfangreiche Zugeständnisse wieder wegnehmen lässt. Der Westen vertraut ihm nicht mehr, aber das ist ihm egal. Der russische Präsident strotzt vor Selbstvertrauen.

Entscheidend ist der Wille zum Frieden. Leider machen beiden Seiten nicht den Eindruck, als sei das Schweigen der Waffen ihr herausragendes handlungsleitendes Motiv. Hoffentlich irren wir uns.