Terror in Frankreich

Wir müssen zusammenrücken

Am späten Freitagnachmittag stürmte die Polizei einen jüdischen Supermarkt in Paris.
Am späten Freitagnachmittag stürmte die Polizei einen jüdischen Supermarkt in Paris.
Foto: dpa

Der Albtraum von Paris ist vorbei. Seine Folgen werden Europa lange beschäftigen. Eine Handvoll fanatischer Killer hat den Kampf gegen offene Gesellschaften und Andersgläubige in die direkte Nachbarschaft getragen. Dieser Terror verängstigt weit mehr als die Gewalt, die im Namen des Islam tagtäglich im Nahen Osten, in Afrika oder in Asien ausgeübt wird, weil er in unsere Lebenswirklichkeit hineinstößt.

Er verängstigt Nichtmuslime und Muslime gleichermaßen. In den vergangenen Tagen verurteilten Vertreter muslimischer Gemeinden in ganz Europa die Mordtaten von Paris in aller Schärfe, gestern haben in den Freitagsgebeten Imame in Deutschland ihren Abscheu geäußert. Es wird nicht wenige Nichtmuslime geben, die das als Taqiya bezeichnen, als die Verschleierung der eigentlichen Überzeugungen ihrer muslimischen Mitbürger – so weit sind wir schon.

Es hat sich in Deutschland, aber auch in anderen Ländern in Europa, eine Spirale der Ausgrenzung und Selbstgettoisierung in Gang gesetzt, die dringend durchbrochen werden muss. Das kann nur durch einen ehrlichen, auch kritischen Austausch miteinander geschehen. Sonst werden die Terroristen ihr Ziel einer Spaltung und Zerstörung der offenen Gesellschaften erreichen.

Es ist ja richtig: Der linke Multikulturalismus hat versagt. Aus der begründeten Furcht heraus, fremdenfeindliche Tendenzen zu befördern, hat er zu lange die Gefahren des radikalen Islamismus samt seiner freiheitsverachtenden Komponenten weichgezeichnet.

Wir müssen enger zusammenrücken

Diese Erkenntnis darf aber nicht dazu führen, jetzt jenen das Feld zu überlassen, die nicht kritisieren, sondern diffamieren und ausgrenzen wollen. Es ist abstoßend, dass die, die über Wochen gegen die „linksversiffte Lügenpresse“ gehetzt haben, jetzt nach dem Massenmord an linken Journalisten mit einem Trauerflor aufmarschieren und sich solidarisch erklären wollen, weil sie sich in ihren Ressentiments bestätigt fühlen.

Einer der toten Polizisten von Paris war Moslem. Unter dem Hashtag #jesuisahmed gedenken in den sozialen Netzwerken viele Muslime seiner. Einer schrieb: „Charlie machte sich über meinen Glauben und meine Kultur lustig, und ich starb für sein Recht, dies zu tun.“ Stärker kann man seine Verbundenheit zu Freiheit, Demokratie und Toleranz nicht ausdrücken.

Die Folge der terroristischen Morde von Paris darf nicht sein, dass der Graben zwischen denen und jenen immer weiter aufklafft. Die Folge muss sein, dass wir enger zusammenrücken.