Wie die Premier League mit den Fußball-Fans umgeht

Volltreffer: Die Premier League hat in puncto Finanzkraft die anderen europäischen Ligen abgehängt. Foto: getty
Volltreffer: Die Premier League hat in puncto Finanzkraft die anderen europäischen Ligen abgehängt. Foto: getty
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Was wir bereits wissen
Weil die Premier League mehr Geld generiert als alle anderen, wird sie auch von der Bundesliga beneidet. Doch die Medaille hat auch eine Kehrseite. Ein Kommentar.

Essen.. Als Marco Reus überraschend seinen Vertrag beim BVB verlängerte, ist über viele Aspekte geredet worden, am wenigstens aber – wenn der Eindruck nicht völlig trügt – über Geld. Das muss nicht unbedingt im Widerspruch zur hierzulande vermuteten Neidkultur stehen. Eher zeugt es von der fatalistischen Einstellung, sich den Neid sparen zu können. Schließlich: Ob acht oder zehn Millionen Euro im Jahr für Reus und Schweinsteiger, 20 oder 25 Millionen für Vettel und Nowitzki – was macht das aus Sicht eines Normalverdieners für einen Unterschied?

Dass gerade die Gehälter der Fußballer in Deutschland so wenig im Gerede sind, mag auch damit zusammenhängen, dass die Klubs ihre Fans mit einer moderaten Eintrittspreispolitik ruhig halten. Anders als in England. In der Premier League stiegen die Ticketpreise zuletzt prozentual ähnlich unverschämt wie die Einkommen der Fußballstars.

Neuer Milliarden-Deal

Vor dem Hintergrund des gerade eingefädelten neuen Milliarden-Deals mit den Bezahlsendern auf der Insel haben die früheren englischen Nationalspieler Gary Lineker und Ian Wright deshalb einen Vorstoß zur Verbilligung der Tickets unternommen. Die vielsagende, weil die Fans verachtende Reaktion des Liga-Geschäftsführers Richard Scudamore: „Wir sind kein Wohltätigkeitsverein.“

Doch hier irrt der gute Mann. Richtig ist: Die Premier League verteilt (wie jede Profiliga) sehr wohl Wohltaten – nur eben nicht an die Menschen, die ihr letztes Hemd für ihren Lieblingsklub geben würden. Sondern an die, die in der Regel eh schon Millionen verdienen.

Rekordvertrag Als der Sport-Promoter Ion Tiriac in seinen (und Boris Beckers) besten Zeiten, in denen er das Geschäft mit Tennis auf ein neues Level führte, unentwegt an der Geldschraube drehte, wurde er gefragt, wo für ihn die Grenze läge. Seine dem Kapitalismus angemessene Antwort: „Die Grenze ist dort, wo nichts mehr verkauft werden kann.“

Der Tennissport in Deutschland hat diese Erfahrung längst hinter sich. Im Boomland des Fußballs ist die Grenze noch nicht zu sehen. Aber eine Ahnung, wo sie liegen könnte, haben wird schon.