Wenn Stärke zum Nachteil wird

Wenn der Rotstift, der einmal mehr bei Siemens kreist, bei der aktuellen Verschlankungsrunde vor allem in Bayern kreist, bedeutet das längst keine Entwarnung für die Standorte an Rhein und Ruhr. Die Pläne, 3300 deutsche Verwaltungsjobs zu streichen, sind womöglich nur der Vorgeschmack darauf, was im Frühjahr noch folgen kann.

Denn das große Siemens-Geschäftsfeld Energietechnik steckt in der Krise. Konzernchef Joe Kaeser lässt es gerade von der Unternehmensberatung McKinsey durchleuchten. Im Juni sollen die Ergebnisse vorliegen. Die wegbrechenden Aufträge für große Kraftwerke lässt das Mülheimer Dampfturbinen- und Generatorenwerk mit seinen fast 5000 Beschäftigten zittern. Sie befürchten, dass Teile von Entwicklung und Fertigung ins US-Schwesterwerk Charlotte verlagert werden.

Die neue Spartenchefin Lisa Davis soll das Energiegeschäft ohnehin aus ihrer amerikanischen Heimat steuern. Durch den Fracking-Boom ist Energie in den Staaten günstiger geworden, während die Energiewende in Deutschland neue Kohle- und Gaskraftwerke unrentabel macht.

Die einstige Stärke des Mülheimer Werks, große Dampfturbinen und Generatoren bauen zu können, könnte angesichts des Vorrangs für Sonne und Wind zum Nachteil werden. Den Beschäftigten dort ist zu wünschen, dass dem Siemens-Management etwas einfällt, die Umwälzungen bei der Energieerzeugung als Chance für Mülheim zu nutzen.