Wenn Kämmerer baden gehen

Es gab Zeiten, da waren die Politiker noch spendabel. Mit der Eröffnung eines Freibads lassen sich leicht Sympathiepunkte beim Wähler sammeln. Das galt in den goldenen Siebzigern. Das gilt auch heute noch. Aber inzwischen fehlt vielerorts das Geld. Mit dem Bau eines Bades ist es nicht getan. Der hohe Zuschussbedarf quält die Kämmerer, denen das Wasser bis zum Hals steht – auch ohne ins Schwimmbad zu gehen.

Dazu kommt die gewissenlose, fahrlässige Verschiebung von Reparaturen. Was wir bei Schulen seit vielen Jahren beklagen, was wir vor maroden Brücken im Stau erleiden, wird nun auch bei so manch gekacheltem Becken deutlich. Im schlimmsten Fall bleibt am Ende nur die Schließung.


Der Betrieb eines Schwimmbades gehört nicht zu den Pflichtaufgaben von Stadt und Gemeinde. Unwichtig sind Bäder deshalb nicht. Hier machen Familien Urlaub, die sich keine teure Reise leisten können. Hier lernen Kinder schwimmen, treiben Sport, verbringen ihre Freizeit. Wenn wir das heute an diesem sonnigen Samstag wieder genießen, sollten wir daran denken, dass das nicht selbstverständlich ist. Jemand muss die Rechnung bezahlen. Mancherorts springen schon Vereine und Initiativen ein, um Bäder zu erhalten. Das sind tolle Beispiele von Bürgersinn.