Politik

Wenn die Praxis zum Kaufhaus wird

Ein Ultraschall beim Frauenarzt, eine Stoßwellentherapie fürs Knie: Patienten, die sich in die Arztpraxis begeben, müssen damit rechnen, dass es dort zugeht wie im Kaufhaus. Das ist schon länger so. Neu ist, dass diese „Igel“-Leistungen immer aggressiver beworben werden, nicht selten werden sie regelrecht aufgeschwatzt.

Die Verbraucherzentrale NRW spricht zudem von eklatanten Lücken in der Aufklärung der Patienten. Woher soll jemand wissen, ob es wichtig ist, dass der Augeninnendruck gemessen wird (für etwa 20 Euro), wenn er nur Infos aus einem Faltblatt hat? Wer das Geld dann nicht hinlegt, fühlt sich schlecht und muss sogar Angst haben, dass der Arzt beleidigt reagiert. Manche Patienten berichten, dass es zugeht wie auf einer Kaffeefahrt. Die Verkaufsstrategie lohnt sich: Um die 20 Millionen Euro nehmen Ärzte pro Jahr mit ihren Sonder-Angeboten ein.

Man soll sich selbst informieren, welche Zusatzleistung gut und welche schlecht ist. Aha. Klingt so, als wolle man Abi ohne Lehrer machen. Der Patient ist doch Laie! Eigentlich ist es müßig, aber anscheinend muss man es noch einmal sagen: Kranke brauchen einen Arzt und keinen Verkäufer!