Wenn Diätpillen wichtiger sind als das tödliche Virus

Das Virus ist tödlich. Es ist unsichtbar und wütet in Westafrika. Doch das Schicksal der Ärmsten der Armen, und Ebola ist die Seuche des Elends, interessiert die westliche Welt nicht. Das war einmal. Seitdem Ebola um die Welt reist, wächst die Sorge vor Ansteckung. Das Unbehagen vor dem Unbekannten nimmt zu. Das nicht greifbare Virus gedeiht in diesem Nährboden aus Unkenntnis, Angst und Hysterie. In den USA lösen zwei Pflegekräfte, die nie in Westafrika waren, aber infiziert sind, Panik aus. Der Nachrichtensender CNN verquickt die Fälle der todbringenden Krankheit gar mit den Grausamkeiten der radikalislamischen Terroristen im Irak und in Syrien: Ebola – IS der biologischen Kampfstoffe. Ein Irrsinn mit Folgen: 27 Prozent der US-Bürger zittern vor Ebola, fürchten eine reale Bedrohung.

Ein Irrsinn, der mit der Ausgangslage wenig zu tun hat. Zweifelsfrei ist die Ebola-Epidemie unterschätzt worden. Ein Beispiel? So kann die Europäische Union bis heute maximal zwei erkrankte Helfer gleichzeitig aus den betroffenen Gebieten holen. Es fehlen mit Isolierstationen ausgestattete Flugzeuge. Das Versprechen der Verteidigungsministerin, erkrankte Einsatzkräfte umgehend nach Hause zu fliegen, bleibt eine Leerformel. Eine Zusage für die Bühne, nicht für die Betroffenen.

Dabei wissen es die Pharmakonzerne längst besser. Das Virus ist nicht vom Himmel gefallen. Virologen ist es seit fast vierzig Jahren bekannt. Es gibt Wirkstoffe, ja, aber sie sind aus Kostengründen nicht ausreichend erprobt. Warum? Weil mit Armut kein Geld verdient werden kann. Westafrika ist kein lukrativer Absatzmarkt für Medikamente, die Infektionskrankheiten bekämpfen. Viel besser läuft in der zivilisierten Welt das Geschäft mit Diätpillen. Das ist der wahre Irrsinn.