Was Ostern auch ausmacht

Morgen, zu Ostern, werden die meisten Kirchen voll sein. Das hat viel mit Tradition zu tun. Und mit dem Bedürfnis nach Gemeinschaft. Bei manchen – natürlich – auch mit Glauben. Ostern ist das höchste Fest der Christen, an dem man der Auferstehung Jesu gedenkt.

Doch machen wir uns nichts vor: Die Bindungskraft der Kirchen hat trotz solcher Tage wie Ostern längst nachgelassen. Vor 50 Jahren zogen zu Karfreitag große Prozessionen durch die Straßen, heute versammelt sich in unseren Städten allenfalls noch hier und da eine kleine Schar von Gläubigen. Zugleich meldet der Rundfunk lange Staus in Richtung Holland – in Venlo sind zu Karfreitag die Geschäfte geöffnet und mit Deutschen überfüllt.

Dabei täte es der Gesellschaft gut, manchmal kollektiv innezuhalten, zu entschleunigen – ob nun aus religiösen Motiven oder nicht. Die ständige Gier nach Unterhaltung, nach Neuem, macht eine Gesellschaft nicht zufrieden, sondern rastlos. Wer zu Ostern mal nicht ins Auto springt, um davonzubrausen, wer mal nicht im Disco-Lärm untertaucht, wer sich die Zeit nimmt, mal völlig altmodisch spazieren zu gehen und die Natur zu genießen, der spürt etwas von dem, was Ostern früher auch ausmachte.