Was nun, Kanzlerin?

2014 kündigte sich mit der Debatte „wer betrügt, der fliegt“ an. Damals ging es um die Armutszuwanderer, heute um die Islamisierung, aber auch um die „kulturelle Identität“ unseres Volkes, die der CSU-Mann Hans-Peter Friedrich gefährdet sieht. Das ist der Sound, der das neue Jahr einläutet und „Kreuth“ ankündigt, wo Verbalradikalismus CSU-Brauch ist.

Es ist ein turbulenter Jahreswechsel. Wenn „Forsa“ richtig liegt, wenn 29 Prozent der Bürger meinen, der Islam habe einen so großen Einfluss, dass man auf die Straße gehen müsse, haben wir es mit einer relevanten, vorerst außerparlamentarischen Opposition gegen Zuwanderung zu tun. Es ist die Gegenbewegung zu Angela Merkels Modernisierung der Union. Friedrich nennt als Beispiel ja die doppelte Staatsbürgerschaft. Die Bewegung aus Pegida, AfD und enttäuschten Konservativen droht die Union zu spalten. Wo Merkel steht, machte sie in der Neujahrsansprache klar: „Folgen Sie denen nicht.“

Bloß: Damit ist es nicht getan. Ihr Kabinett muss sich um die Probleme kümmern, die mit Arbeitsmigranten, Flüchtlingen und mit Asylbewerbern verbunden sind. Man müsse „besser werden“ beim „Erklären der vielen Veränderungen“, wie Finanzminister Schäuble angemahnt hat – der beste Zwischenruf zum Jahreswechsel.

Noch im Sommer wurde darüber sinniert, ob Merkel nur in der Ukraine gefordert sei. Womöglich markiert 2015 die Rückkehr der Innenpolitik.