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Warum "Reformkommunistin" Merkel zur Kanzlerin werden konnte

12.05.2013 | 16:02 Uhr
Warum "Reformkommunistin" Merkel zur Kanzlerin werden konnte
Über die Jugend von Angela Merkel (hier noch Angela Kasner) ist nicht viel bekannt. Muss jetzt Merkels Geschichte umgeschrieben werden? Eher nicht. Foto: Bernd Gurlt/dpa

Essen. Aus Teilen ihrer DDR-Biografie hat Angela Merkel immer ein Geheimnis gemacht. Aber wie kann man als Pfarrerstochter im Arbeiter- und Bauernstaat nicht nur klar, sondern auch noch voran kommen, um dann, begünstigt durch historische Umstände, zu einer der wichtigsten Frauen der Welt zu werden? Mitte der neunziger Jahre haben eine ganze Reihe von Reportern in Angela Merkels DDR-Biografie gesucht, auch nach Moskauer Akten. Durchaus ernsthafte Menschen haben in diskreten politischen Salons Verschwörungstheorien verbreitet: Diese Merkel sei ein vergiftetes Geschenk der Sowjets an die Bundesrepublik. Gefunden wurde nie etwas.

Eine Widerstandskämpferin war sie nicht

Das ist das eine. Das andere: Merkel hat früh gesagt, eine Widerstandskämpferin sei sie nicht gewesen. Es gab Mitte der fünfziger Jahre, als Heerscharen von Bürgern aus der DDR flüchteten, wohl höchstens eine Handvoll Menschen, die aus dem Westen, aus Hamburg, in diesen Staat umsiedelten, wie Merkels Vater, Horst Kasner. Es gab zu dieser Zeit linke protestantische Kreise, die Adenauers West-Integrationspolitik ablehnten, die nicht einverstanden waren, dass Moskaus Offerten für ein wiedervereinigtes, aber militärisch neutrales Deutschland von der Bonner Regierung so brüsk abgelehnt wurden, die sich wohl auch als Sozialisten verstanden. Ähnlich dachten damals andere wie Egon Bahr, der Adenauers Politik als spalterisch ansah und darum erst in die SPD ging.

Horst Kasner war für das DDR-Regime nützlich, weil er ihm half, dessen Kirchenpolitik – Kirche im Sozialismus – umzusetzen. Von dieser Systemnähe hat Tochter Angela profitiert, als sie mit ein paar Dumm-Mädchenstreichen sogar ihren Studienplatz aufs Spiel setzte und ihr Vater sie mit seinen Beziehungen raus haute. Merkel wollte ihren Weg machen, sie wählte die begrenzte Anpassung – in der Freien Deutschen Jugend (FdJ), und (das wusste man noch nicht), in der Leitung der Betriebsgewerkschaft. Biograf Ralf Georg Reuth bewertet den Vorgang so: Merkel sei „einfach nur mit der Zeit“ gegangen.

Reformkommunisten - das waren letztlich alle

Reuth schreibt, sie sei eine „Reformkommunistin“ gewesen. Aber das waren Im Herbst 1989 so gut wie alle, die sich in der DDR-Reformbewegung engagierten. Wohl kaum jemand hatte das Ende der DDR auf dem Schirm. Das war im Westen auch nicht viel anders, auch nicht in der CDU. Dass Merkel schließlich in die CDU kam und dort beispiellos aufstieg, ist eine seltene List der Geschichte. Von ihrer gesamten Biografie her hätte sie eher in eine linke Partei gepasst. Das mag erklären, mit welcher Nonchalance sie der CDU über die Jahre einen anderen, ausgesprochen nicht-konservativen, pragmatischen, zeitgeistigen Weg verordnet hat.

Muss Merkels Geschichte umgeschrieben werden? Eher nicht. Die bittersüße Pointe geht anders: Die Tugenden, die Menschen in der DDR ihren Weg machen ließen, waren in der Bundesrepublik auch nicht anders.

Ulrich Reitz

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Kommentare
15.05.2013
00:31
Kaum merk-würdige !!! Kommentare
von buerger33 | #16

Das Geschwätz nimmt überhand im Blog.

Es ist zwar auch mehr als überflüssig über Tage den Inhalt eines Buches bzw. Auszüge aus diesem Buch, Anmerkungen von Personen hierzu oder Stellungsnahmen oder nicht gegebene Interviews zum Inhalt von Zeitungsartikeln zu machen. Häppchenweise der Versuch einen Nachricht zu "konstruieren".
Inzwischen gibt es tatsächlich eine "Buchbesprechung" - auch bei der WAZ. Informationsgehalt?

Noch perfider ist aber das Ansinnen von "Bloggern" vermeintliche Neuigkeiten aus diesem Buch zu ziehen, Neuigkeiten, die gegen die Frau und die Politikerin sprechen. Es gibt keine - selbst Journalisten emfinden dies mehrheitlich so. Also bleibt die besagten Blogger in ihrer begrenzten kleinen Welt gefangen und bringen zum wiederholten Male (man kann es schon nicht mehr zählen) einen ihrer sinnfreien Kommentare zum Besten. Verschwendete Zeit, verschwendete Wörter.
Der Blog als Diskussionsplatform - so nicht - bedauerlicherweise.

14.05.2013
17:52
Sehr Merk(el)würdig...
von wohlzufrieden | #15

Und dabei hat das Mustermädchen von Erich Honecker sogar den Traum Helmut Kohls, und den Wunsch aller in der asozialen Hängematte liegender Steuerhinterzieher eins zu eins umgesetzt, nämlich die Lebensumstände der arbeitenden Klasse von Ost und West anzupassen, ja sogar die in der ehemaligen DDR ganz erheblich zu "überholen"...

14.05.2013
17:42
Merkels zweifelhafte Legende
von h.morun | #14

Nach dem Mauerfall durften besonders Regimetreue DDR BürgerInnen keinen Job im öffentlichen Dienst bekommen. Selbst die Gewerkschaften, haben sich von linientreuen DDRlern distanziert. Aber eine Agitatorin des Regimes, eine " Mitläuferin" die seltsamerweise Karriere im System machen durfte- ohne in der Stasi zu sein- wurde über nacht Bundeskanzlerin. Das stinkt zum Himmel.

1 Antwort
Warum
von Jorgel | #14-1

Besonders regimetreue DDR-Bürger bekamen keinen Job im öffentlichen Dienst? Die Armen, aber in der Politik durften sie sich doch schon immer munter tummeln...

Wie z.B. der erfolgreiche DDR-Anwalt mit nachweislichen Stasi-Kontakten, der jahrzehntelang Parteimitglied in der SED war, bevor er dort Vorsitzender wurde. Der durfte später in Berlin Wirtschaftssenator werden und über eine ganz andere Affäre stolpern - ohne das es jemand störte.

Aber Abgeordnete und Spitzenkandidaten einer Partei zählen ja nicht zum öffentlichen Dienst, auch nicht wenn sich diese Partei mehrfach umbenennt um ihre Herkunft zu verschleiern. Da ist es ja nicht so schlimm wenn sie das Volk vertreten.

Außer wenn sie Angela Merkel heißen. Das soll zum Himmel stinken, weil sie in der FDJ und später in der Gewerkschaft war, wo sie sich engagierte. Es spielt auch keine Rolle, dass sonst in ihrer Vergangenheit nichts zu finden ist - im Gegensatz zu o.g. Herrn.

Da sind offenbar ein paar Maßstabe verloren gegangen...

14.05.2013
14:40
Warum Merkel?
von Entschuldigung | #13

sorry teetrinker,

gerade weil die presse Merkel nicht als das was sie ist demaskiert. (marionette von Goldmann Sachs)
darum gibts Traumumfragewerte, da ist das Bild mit den dummen Kälbern besonders angebracht.
Altersarmut, wachsende Armut, kaputte Wirtschaft in der Eurozone, Krieg in Afghanistan, ...
das alles ist durch die Politik im Namen der Banken und durch die Regierung Merkels umgesetzt worden.

14.05.2013
00:02
Es wird langweilig
von teetrinker82 | #12

Immer wieder versuchen Kommentatoren Behauptungen in die Welt zu setzen, die nicht zu beweisen sind.
Viele Journalisten haben bereits recherchiert - und sicher nicht alle Merkel-freundlich - und haben nichts gefunden.
Was bleibt ist - Merkel war angepasst - sie hat nicht demonstriert - sie hat keinen Widerstand geleistet. Und? Wie viele der Kommentatoren verhalten sich gerade anders? Mal abgesehen davon, dass sie in der Anonymität des Blogs wilde Behauptungen in die Welt setzen.
Es ist Wahlkampf und - für die anderen Parteien sehr ärgerlich - ist Merkel laut den Umfragewerten alleseits sehr beliebt. Die bisher bekannten Biografien werden dies nicht ändern, die teils diffamierenden Äußerungen von Bloggern auch nicht.

13.05.2013
20:06
Warum
von Mauerblume | #11

Der Schreiber " Joergel..glaubt tatsächlich man kann in führender Funktion der FDJ argieren ohne Parteimitglied zu sein. Träumen sie weiter. Vielleicht sollte ein erfahrender Schreiber ihn einmal aus seinem Wolkenkuckusheim herausholen...Erfällt auf den ausgelegten Fliegenfänger der PR Abteilung Merkel herein...es wird zu Zeit ein Schmusewahlkampf gefahren um diese Frau so menschlich erscheinen zulassen..siehe Urlaubsfotos, brigitte Interwiev, Kinobesuch...man kann auch sagen die Propagandaausbildung funktioniert!!!

1 Antwort
Warum
von Jorgel | #11-1

Vielleicht sollten sie mal mit einer der Biographien über Angela Merkel befassen, bevor sie sich deren Lebenslauf solange zurecht biegen, bis er in ihre Ideologie passt.

Nicht eine der vielen bekannten Quellen behauptet das Frau Merkel in der SED oder einer der Blockparteien war. Nicht mal die inzwischen zum dritten Mal im Wahlkampf aufbereiteten Vorwürfe behaupten etwas in dieser Richtung.

Wenn sie schon solche Tatsachenbehauptungen aufstellen, müssen sie dafür Beweise vorlegen. Was sie hier machen erfüllt den Tatbestand der Üblen Nachrede § 186 StGB.

"...wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
http://dejure.org/gesetze/StGB/186.html

Glauben sie nicht, in der Anonymität des Internets können jeder einfach behaupten was er will. Da wären sie nicht die Erste, die sich getäuscht hat...

13.05.2013
18:13
Man sollte sich hierzu...
von Otto123456 | #10

einfach mal die Rede von Michael Gorbatschow zum Projekt europäischer Sozialismus durchlesen, er sagte eigentlich genau jenes was wir heute erleben.

13.05.2013
17:54
Ist denn etwas schon Wahlkampf?
von BrettBumms | #9

Warum sollten derartige "Anti-Merkel" Artikel sonst hier in Serie auftauchen?

8 Antworten
Warum
von schRuessler | #9-1

Wenn über die DDR-Vergangenheit von Linken-Politikern berichtet wird, hat SIe das aber noch nie gestört.

Warum
von Jorgel | #9-2

Stasi-Vergangenheit von ehemaligen DDR-Politikern ist auch etwas anderes wie eine Karriere in der FDJ und nicht mal Parteiangehörigkeit...

Warum
von wkah | #9-3

Die meisten mit Stasi-Vergangenheit saßen in der DDR-CDU - na da kommen doch Fragen auf.

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #9-4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Warum
von wkah | #9-5

Gregor Gysi war in der DDR-CDU - was man hier alles lernt.

Warum
von Jorgel | #9-6

Ironie versteht er auch nicht. Für sie werde ich dies demnächst extra kennzeichnen...

Warum
von wkah | #9-7

Glaube nicht das es Ironie war.
Dafür versuchen sie viel zu oft von Tatsachen abzulenken, die ihnen nicht gefallen.

Warum
von Jorgel | #9-8

Was sie glauben ist nun wirklich vollkommen irrelevant für den Rest der Welt...

13.05.2013
16:39
Warum
von schRuessler | #8

Ich bin ja mit Verurteilungen immer sehr vorscihtig.

Menschen wie Angela Merkel sind in eine bestimmte Gesellschaft hinein geboren worden, sidn darin aufgewachsen und haben das als normal kennengelernt. Für berufliches Fortkommen musste man sich irgendwie anpassen.

Im Prinzip machen die Menschen in der BRD nichts anderes, nur dass sie halt zufällig in eine Demokratie hineingeboren wurden.

Von daher sollte man mit Urteilen über andere sehr vorsichtig sein.

Auf der anderen Seite muss sich die Vorsitzende einer Partei, die im Umgang mit anderen ständig mit der "Rote-Socken"-Kampagne kommt, die die Linken auch über 20 jahre nach dem Mauerfall immer noch auf die SED-Vergangenheit eines Teils dieser Partei reduziert, auch kritische Fragen zur Vergangenheit gefallenlassen.

13.05.2013
14:38
Die Tugenden die einem in einen Machtapparat aufsteigen lassen
von meigustu | #7

sind immer die gleichen.

Daher war es eine gute Idee, den westdeutschen Machtapparat nach dem Krieg so zu konstruieren, dass die Machtmenschen zu Humanität gezwungen wurden. Mit Schmidt beginnend hat sich dieses Land von humanitären "Bremsklötzen" befreit.

Heute können wir schon wieder Kriege führen, Menschen in Irrenanstalten verschwinden lassen und Armut wird zu einer netten folkloristischen Bereicherung.

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