Warum es gut für Bayern ist, dass Guardiola sich treu bleibt

Gibt die Richtung beim FC Bayern vor: Pep Guardiola, der an seiner Spiel-Philosophie festhält. Foto: dpa
Gibt die Richtung beim FC Bayern vor: Pep Guardiola, der an seiner Spiel-Philosophie festhält. Foto: dpa
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Was wir bereits wissen
Pep Guardiola kam zum FC Bayern als Versprechen für eine Zukunft, in dem nicht nur erfolgreicher, sondern auch schöner Fußball gespielt werden sollte. Dass er nach dem ersten, empfindlichen Rückschlag an seiner Spielphilosophie festhalten will, ist gut für den Fußball - und für die Bayern. Ein Kommentar

Essen.. Aus einer guten eine sehr gute Saison zu machen, lautet die neue Zielvorgabe des FC Bayern. Sportdirektor Matthias Sammer hat dabei natürlich das Pokal-Finale gegen den Morgenluft witternden BVB im Kopf. Aber davor stehen noch zwei Bundesligapartien an, die für die Münchner wichtiger sind, als es auf den ersten Blick aussieht. So wäre es für ihr Ansehen fatal, würden sie den Abstiegskampf beeinflussen. Noch wichtiger (und für den HSV eine Drohung) freilich ist es, Pep Guardiolas „Plan“ umsetzen: „Wir wollen in bester Stimmung nach Berlin fahren.“

Die klare Ansage des Spaniers, auch nach einer so „großen Niederlage“ an seinen Ideen festzuhalten, hat nichts mit Beratungsresistenz zu tun. Dass der Halbfinal-K.o. in der Champions-League eine Systemfrage war, ist schließlich mindestens umstritten. Klar, der den Bayern von ihm verschriebene Dominanz-Fußball hat sich gegen den Express-Konterfußball von Real diesmal als brotlose Kunst entpuppt. Aber – schon vergessen? – über Monate haben die Bayern die Fußball-Welt eben dadurch verzaubert, dass sie traumwandlerisch sicheres Kurzpass-Spiel mit Effizienz verbanden.

Frühzeitiger Spannungsabfall in der Liga

Mit der Erklärung, der Pep-Code sei inzwischen geknackt (auch gegen ManU war das Aus näher, als es das Ergebnis aussagt), machen es sich die Kritiker jedenfalls zu leicht. Auch im Fußball gilt die alte Boxer-Weisheit: Form schlägt Klasse. Soll heißen: Nicht das Potenzial eines Teams entscheidet am Tag X, sondern die aktuelle Verfassung. Warum diese zuletzt bei vielen Bayern-Spielern nicht mehr top war, darüber lässt sich trefflich streiten.

Ein Grund ist sicher der frühzeitige Spannungsabfall in der Liga, den Guardiola im Übrigen nicht verursacht, sondern durch seine Aussagen („die Bundesliga ist zu Ende, wir haben gewonnen“) allenfalls beschleunigt hat. Vielleicht aber sind wichtige Spieler diesmal auch an ihrem „Mia-san-mia“-Credo gescheitert und haben sich – befeuert von den Lobeshymnen – selbst im Angesicht der „Königlichen“ für (noch) größer gehalten, als sie sind.

Guardiolas Selbstbewusstsein dürfte kaum geringer sein als das des FC Bayern. Aber der Spanier kommt nie hochmütig rüber. Ja, sein souveräner Umgang mit der herben Enttäuschung gegen Madrid macht den Bayern-Fans Hoffnung, dass auch die laufende Spielzeit noch ein Happy End finden wird.