Warum der BVB die Krise mit Trainer Klopp durchstehen will

Weiter geht’s: Jürgen Klopp kann sich der Rückendeckung durch Vereinsführung und Fans sicher sein.
Weiter geht’s: Jürgen Klopp kann sich der Rückendeckung durch Vereinsführung und Fans sicher sein.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
In einer schlimmen sportlichen Krise ist der Trainerwechsel gewöhnlich das Mittel der Wahl. Nicht so in Dortmund. Dort haben Vereinsführung wie Fans diesmal verstanden, es besser ist, die Krise mit Jürgen Klopp durchzustehen. Ein Kommentar.

Man muss am FC Bayern nicht alles mögen. Schon gar nicht, mit welcher Penetranz Matthias Sammer nach jedem Tor Pep Guardiola, der sich nicht dagegen wehren kann, den Kopf zu tätscheln pflegt. Aber der Faszination des Fußballs, den die Münchener spielen, seit sie die Herausforderung von Borussia Dortmund angenommen haben, kann sich niemand, der sich Fußballfreund nennt, entziehen.

Keine Frage, der BVB hat sich in München eine Stunde lang glänzend geschlagen. Aber wir müssen nicht darüber reden, dass der Bayern-Sieg am Ende hoch verdient war. Worüber wir reden sollten, ist, wie es in Dortmund weiter gehen wird. Nicht nur BVB-Fans können es kaum fassen, wie dieselbe Mannschaft, die in München ihren Beitrag zu einem hochklassigen Spiel geleistet hat, zuletzt ihre Heimpartien gegen Hamburg und Hannover verlieren konnte. Aber die brutale Wahrheit lautet: Noch ist kein Ende der atemberaubenden Talfahrt des Klopp-Teams, das vier Spielzeiten in Folge Erster oder Zweiter war, in Sicht. Die nächsten Gegner heißen Mönchengladbach und Wolfsburg.

Personalie Bei jedem anderen Verein wäre in einer vergleichbaren Situation der Trainer, egal welche Erfolge er aufzuweisen hätte, längst Geschichte. Wer will, kann dem BVB zu seiner Standhaftigkeit gratulieren. Aber irgendwann könnte der Tag kommen, da Kritiker das Verhalten der Klubführung als Sturheit oder Ignoranz gegenüber der Realität auslegen.

Weniger mit den Bayern beschäftigen

Jürgen Klopp hat selbstkritisch eingeräumt, dass die dramatische Lage mehr als einer Verkettung unglücklicher Umstände geschuldet ist. Nur: Was hat dann dazu geführt? Klopps sechs Jahre lange gefeierte Spielphilosophie für „überholt“ zu halten, ist – gerade mit dem Blick auf die Auftritte in der Champions League – anmaßend, mindestens aber verfrüht. Nicht wegzudiskutieren ist jedoch, dass eine elementare Voraussetzung für den Klopp-Fußball weggebrochen ist: das Selbstvertrauen. Schon vor der vergleichsweise einfachen Pokalaufgabe in St. Pauli hatte der Coach eingeräumt: „Die Angst vor dem Nichtgewinnen ist sicher da.“ Den Angstkreislauf zu durchbrechen, ist folglich das Gebot der Stunde – aber leichter gesagt als getan.

Was also tun? Doch den Trainer zu wechseln, ist keine Option, weil der BVB damit alles, was unter dem Erfolgstrio Watzke/Zorc/Klopp gewachsen ist, aufs Spiel setzen würde. Mit dem Risiko, mehr als bloß eine Saison abschreiben zu müssen. Die Reaktionen zeigen: Vereinsführung und – mindestens so wichtig – Fans haben verstanden. Und scheinen bereit dazu, diese Krise gemeinsam durchzustehen. Winkt doch im Erfolgsfall eine neue Aufbruchstimmung. Hilfreich dabei wäre, sich weniger mit dem FC Bayern und den Störfeuern eines Karl-Heinz Rummenigge zu beschäftigen.